Jedes Jahre sterben in der 3500-Seelen-Gundelsheim im Schnitt 20 Menschen. Überwiegend finden sie am bisherigen Wohnort ihre letzte Ruhe. Die währt hier nach irdischer Berechnung zwischen 15 und 30 Jahre, was dem Lehmboden geschuldet ist. Recht unruhig für die Verstorbenen war das Jahr 1946, als sie von Memmelsdorf in den in Gundelsheim errichteten Gottesacker überführt wurden. 1977 wurde hier eine Aussegnungshalle errichtet, 1989 neben dem bisherigen ein neuer Friedhof angelegt.

Die Einrichtungen für die finale Daseinsvorsorge gelten auch als eine der Visitenkarte der Gemeinde, womit sie ab und an einer Überprüfung bedürfen...

Nicht im November, sondern an einem der bislang heißesten Tage dieses Jahres trafen sich die Damen und Herren Gemeinderäte zum gemeinsamen Friedhofsgang. Allerdings ohne Vereinsabordnungen und Musik, dafür aber in mindestens ebenso bedeutender Mission: Die Zukunft des Friedhofs.
Vor Ort sollte eruiert werden, welcher Handlungsbedarf hier wo bestehen, welche Wünschen und Anregungen umgesetzt werden könnten. Denn immer wieder beschäftigte der gemeindliche Gottesacker den Gundelsheimer Gemeinderat. Nun widmete man ihm einem eigenen Tagesordnungspunkt.

Nicht einfach zu finden

Für den Nicht-Gundelsheimer freilich ist diese Örtlichkeit nicht ganz einfach zu finden. Eine spätere Anregung im Rathaus hatte denn auch eine einheitliche Beschilderung der öffentlichen Gebäude zum Ziel. Der Gottesacker liegt jedenfalls im Nordwesten der Gemeinde und hier zwischen Georg-Wolf-Straße und Königsweg. Er setzt sich aus dem alten Friedhof im Osten und dem daran anschließenden westlichen, neuen Teil zusammen. Davor befindet sich die Aussegnungshalle - eine erste Station. Es besteht Einigkeit darüber, hier tätig zu werden, bevor teuere Maßnahmen erforderlich werden.

Deswegen sollen die Betonstützen als erste ertüchtigt werden. Christian Wolf (CSU) lenkte im Zusammenhang mit dem Gebäude den Blick auch auf den Sargwagen, der fürchterlich quietsche. Froh ist Gundelsheim indes, nach intensiven Bemühungen endlich wieder (vier) Freiwillige als Sargträger gefunden zu haben, so Ronald Freudensprung, der bei der Gemeinde für das Bestattungswesen zuständig ist. Vor nicht allzu langer Zeit wurde deren Lohn "endlich", so Freudensprung, von 16 auf 25 Euro erhöht wurde. Das entspreche im Übrigen dem Sitzungsgeld, merkte Stephan Zwosta (CSU) amüsiert an.

Wie es sich in Gundelsheim mit anonymen, bzw. halbanonymen Bestattungen verhält, interessierte Yvonne Adler (FWG). Bislang habe es hier noch keine Nachfrage gegeben, erwiderte Bürgermeister Jonas Merzbacher (SPD) dazu. Mit Anspielung auf den finanziellen Aspekt einer Bestattung, merkte er an, bisher habe man immer eine Lösung gefunden, damit in Gundelsheim wirklich jedem die letzte Ehre zuteil werden kann.

Grabgebühren für die ersten 15 Jahre

Zu den Kosten der Bestattung selbst kommen schließlich immer auch die Grabgebühren hinzu. Die sind nach der Beisetzung für die ersten 15 Jahre zu entrichten. Für eine Gruft (derzeit sind alle 36 belegt) werden pro Jahr 71 Euro fällig, für ein Doppelgrab 54 Euro (Einzelgrab die Hälfte), für einen Urnenplatz 18 Euro. Der alte Friedhof verfügt über 252 Gräber, der neue über 125 plus 51 Grabstellen, in denen Urnen beigesetzt sind.

Yvonne Adler wies auch auf die Entwicklung hin, wonach sich immer weniger Menschen um die Grabpflege kümmern (können). Konkrete Beispiele führte dazu Gerlinde Fischer (Grüne/FRWI) an. Es nähmen halb-anonyme Grabstätten in der Art eines Friedwaldes oder auf einer Wiese zu. Nach dem Ortstermin ist klar, dass auch in Gundelsheim über Möglichkeiten dafür im Friedhof nachgedacht werden soll. Bedarf wurde allgemein auch in Sachen Urnenbestattung angemeldet. "Eine Urnenwand brauchen wir", befand nicht nur Stephan Zwosta (CSU). Bislang werden die Urnen in regulären Grabfeldern beigesetzt. Das soll nun in einer einheitlichen Form erfolgen. Anregungen sollen andere Gemeinden liefern.

Ehrenfriedhof bleibt so

Keine Änderung, so war man sich weitgehend einig, soll es hingegen im so genannten Ehrenfriedhof (im alten Teil des Friedhofes) geben. Die Gestaltung des Platzes wird so beibehalten, zumal frühere Untersuchungen ergaben, dass man für eine Befestigung mit Kosten von gut 24.000 Euro rechnen müsse.

Einer eventuellen neuen Erweiterung des Friedhofes wird die Fläche östlich des alten Friedhofes vorbehalten bleiben. Es soll hier demnach keine Umplanung etwa für Bauflächen erfolgen. Für Häuslebauer stellte der Gemeinderat die Weichen in einem anderen Tagesordnungspunkt: Beschlossen wurde die Aufstellung eines neuen Bebauungsplanes "Lindenstraße".

Handlungsbedarf besteht jeweils bei den Treppen, die zum alten Friedhof hinführen und bei derjenigen, die den alten und den neuen Teil verbindet. Ausreichend sind im Prinzip die Abfalleimer an den Ausgängen, wenn sie nicht zweckentfremdet würden, verlautete es seitens des Bauhofes Verwaltung. Für Grababfälle stehen schließlich Mulden bereit. Nun ist es Aufgabe der Verwaltung, die einstimmig skizzierten Handlungsfelder zu bearbeiten.