Georg K. ist sauer, als er beim Fränkischen Tag anruft. Im November 2012 hat der Bamberger eine Photovoltaikanlage mit 6,5 Kilowatt Leistung auf dem Dach seines Hauses in Betrieb genommen. Erst jetzt, im Juni 2013, hat er zum ersten Mal Geld bekommen - dafür, dass er einen Teil des Stromes, den seine Anlage produziert, ins Netz der Stadtwerke einspeist.

"Monatelang habe ich angerufen, nachgefragt, auf einen Vertrag gewartet. Im April habe ich dann einfach eine Rechnung an die Stadtwerke geschickt, weil ich eine Reaktion provozieren wollte", sagt Georg K., der eigentlich anders heißt, aber anonym bleiben möchte.

Daraufhin habe er einen Anruf bekommen, in dem ihm erklärt wurde, dass sein Vertrag noch bei einer Anwaltskanzlei liege. "Ich verstehe das nicht, auf die Papiere warte ich, seit ich die Anlage angemeldet habe", sagt Georg K. Immerhin habe er mittlerweile einen Betrag für die vergangenen Monate überwiesen bekommen.
"Und ich habe die Zusage, dass ich ab 1. Juni monatlich meinen Abschlag erhalte."

Georg K. sagt, er sei nicht der Einzige, der lange auf sein Geld habe warten müssen. Einem Bekannten sei es genauso ergangen. "Am liebsten würde ich den Energieanbieter wechseln, aber das geht ja nicht", sagt Georg K.
Warum, erklärt Peter Gack von den Bamberger Grünen - der GAL-Fraktion. "Wer eine Photovoltaikanlage installiert, muss sich laut dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bei demjenigen Netzbetreiber anmelden, dem das Netz gehört." In der Stadt Bamberg sind das die Stadtwerke, im Landkreis ist es Eon.

Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 5000 Megawatt

Doch selbst, wenn Georg K. zu Eon wechseln hätte können, hätte es dort ebenfalls Probleme geben können: Auch im Landkreis muss mancher Solaranlagenbesitzer lange auf seine sogenannte Einspeisevergütung vom Netzbetreiber warten. Esther Knemeyer Pereira, Pressesprecherin von Eon für die Region Unter- und Oberfranken, erläutert: "Für vereinzelte Verzögerungen gibt es zwei Ursachen: Zum einen der Boom der erneuerbaren Energien, zum anderen eine Umstellung unserer EDV." Im Netzgebiet von Eon Bayern seien derzeit Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 5000 Megawatt installiert, was einen enormen Aufwand für die Mitarbeiter des technischen Bereiches und die IT-Abteilung bedeute.

Zudem sei das Abrechnungssystem umgestellt worden, da die Bundesnetzagentur eine strikte Trennung bei der Abrechnung von Netz und Vertrieb gefordert habe. Und: "Es gibt derzeit weit über 4000 unterschiedliche Tarife zur Abrechnung von Anlagen nach EEG", sagt die Pressesprecherin.
Weshalb es - auch bei den Stadtwerken und anderen Netzbetreibern - etliche unterschiedliche Vergütungssätze für Solarenergie gibt, darauf weiß Peter Gack eine Antwort: "Im Gesetz hat man sich für monatliche Abstufungen entschieden. Das heißt: Wenn jemand seine Anlage im Juni 2013 ans Netz bringt, bekommt er für die nächsten 20 Jahre die aktuelle Vergütung dieses Monats für seinen Strom."
Ein Stromkunde, der einen Monat später mit seiner Solaranlage ans Netz geht, hat schon wieder einen anderen Vergütungssatz, in dem er monatlich eine Abschlagssumme bekommt.

Wann diese zum ersten Mal auf dem Konto landet, hängt aber noch von einem anderen Punkt ab, auf den Jan Giersberg, Pressesprecher der Stadtwerke, aufmerksam macht: "Der Vergütungssatz wird erst ausgezahlt, wenn der Kunde nach der Inbetriebnahme seiner Anlage diese bei der Bundesnetzagentur angemeldet hat."
Manchen Kunden sei dies nicht bewusst oder möglicherweise würden sie von den Solaranlagen-Anbietern nicht ausreichend darauf hingewiesen. "So kann es zwar sein, dass der FT-Leser seine Anlage im November in Betrieb genommen hat. Aber wenn er sie zum Beispiel erst im März der Bundesnetzagentur gemeldet hat, bekommt er die gesetzlich geregelte Einspeisevergütung erst ab diesem Zeitpunkt." Bis dahin erhalte er den Marktpreis, zu dem der Strom an der Börse gehandelt werde. Dieser liege nur bei einem Bruchteil der Einspeisevergütung.

Giersberg gibt aber auch zu: "Es ist unglücklich, dass Kunden auf ihre Vergütung warten mussten. Das bedauern wir." Insgesamt seien etwa zwölf von 700 Anlagenbetreibern betroffen. Warum? "Es handelt sich um Kunden, die um die Jahreswende ihre Anlagen in Betrieb genommen haben. Es kam zu Verzögerungen, weil das Energie-Wirtschafts-Gesetz und das Erneuerbare-Energien-Gesetz geändert wurden - rückwirkend."
Diese Gesetzesänderungen hätten Auswirkungen auf den Vertragstext der Kundenverträge gehabt, mit denen sich ein Fachanwalt hätte beschäftigen müssen. Mittlerweile seien aber fast alle Verträge auf dem Weg zu den Kunden oder bereits angekommen.

Vergütungssätze sind vorgegeben

Übrigens: Unbedingt notwendig sind diese Verträge nicht, wie Peter Gack erklärt. "Eigentlich braucht man keinen Vertrag mit den Stadtwerken, da eine gesetzliche Regelung besteht. Die Stadtwerke müssen sich nach den Preisen richten, die im Gesetz stehen." Dennoch sei es üblich, Verträge zu schließen. Darin sei zum Beispiel geregelt, was bei einer Überspannung passiere.

Georg K. jedenfalls hofft, dass von nun an "alles hinhaut. Diese Anlage war eben ein Sprung ins kalte Wasser." Am Jahresende wird er eine Endabrechnung von den Stadtwerken erhalten. Dann bekommt er entweder noch etwas Geld raus oder muss nachzahlen. Wie bei der klassischen Stromabrechnung.