Drei neue Taschenrechner - in gerade mal drei Monaten. Kosten von insgesamt gut 150 Euro. Die Rechenmaschinen wurden nicht etwa aufgearbeitet, sondern geklaut und mussten ersetzt werden. Schließlich handelt es sich ja um Unterrichtsmittel. Der betroffenen Mutter war es zu bunt geworden. Sie schaltete die Polizei ein und erstattete Anzeige. Die Zustände an ihrer Schule seien doch unmöglich, ja untragbar, befand sie. Kein Grund zu besonderer Sorge, versuchten die Jugend-Kontakt-Beamten der Polizei sie zu beruhigen.

Die waren in auch in diesem konkreten Fall vor Ort. Hier ließen sie wissen, dass die Beute anonym bis zu einer bestimmten Frist wieder zurück gegeben werden konnte. Das war dann aber nicht der Fall. Dennoch, im Großen und Ganzen sind Gerhard Friedrich und Uwe Petrich zufrieden, was die 17 Mittelschulen, drei Realschulen und zwei Förderschulen im Landkreis anbelangt (die Grundschulen werden von den Verkehrserziehern betreut).

Keine Brennpunktschulen

Das ist insgesamt vermutlich das Resultat der Präventionsarbeit an Schulen, die von Polizeibeamten und neuerdings auch von Jugendsozialarbeitern an Schulen geleistet werde. Freilich gebe es immer wieder die unterschiedlichsen Delikte, eben von Diebstahl über Mobbing bis hin zu Schlägereien, "es gibt nichts, was es nicht gibt." Aber: "Brennpunktschulen wie etwa in Großstädten gibt es bei uns nicht", erklärt Friedrich. Umgekehrt merkt er zum oben geschilderten Fall an, es brauche keine Schule auf eine andere deuten.

Friedrich ist seit dem Jahr 2000 Jugend-Kontakt-Beamter im Landkreis, sein Kollege seit 1996. Die Situation habe sich geändert, ebenso wie die Zeiten generell. Der 50-Jährige ist selbst Vater von vier Kindern im Alter zwischen 13 und 30 Jahren und kann hier auch aus persönlicher Erfahrung gut mitreden.

"Das Anzeigenverhalten hat sich ebenfalls verändert", nimmt Friedrich den Faden wieder auf. Das heißt, Eltern erstatten öfters eine Anzeige, als dies vor Jahren der Fall war. Fürs letzte Jahr sind 47 Anzeigen aus dem Bereich Schule dokumentiert, die an den Staatsanwalt weitergehen. "Alles querbeet," sagt Pressesprecher Helmut Fischer dazu. Also vom gestohlenen Radiergummi bis zur Körperverletzung. Zu der zählt es bereits, wenn ein Schüler geschubst wurde, sich verletzte und die Eltern deswegen Anzeige erstattete haben.

"Unter 14 heißt strafunmündig"

Und die Folgen? Da ist zwischen den Unter-14-Jährigen und den Älteren zu unterscheiden. "Unter 14 heißt strafunmündig", macht Fischer deutlich. Statt zum Staatsanwalt geht die Sache ans Jugendamt und die Schule sowieso. Es gibt dann meist eine ganze Reihe von Gesprächen. In den anderen Fällen (für die 14 bis 18-Jährigen) greift das Jugendstrafrecht. Das Prozedere ist vom Prinzip her immer das Gleiche, wie bei Erwachsenen. Und wie sieht es mit der Aufklärungsquote etwa bei Diebstählen aus? "Die ist recht hoch", so Fischers Kommentar. Das ist nun die eine Seite.

Die andere: Die Beamten beobachten, wie Erziehung immer mehr abgegeben werde, auf Kindergärten und auf Schulen. Die hätten zwar einen Erziehungs-Auftrag, aber nicht den alleinigen. "Elternhäuser ziehen sich immer mehr zurück, die gesamte Erziehung wird auf die Schulen abgeschoben", stellt Friedrich fest und fügt an: "In allen sozialen Schichten. "
Einen Wandel machen Friedrich und Kollege Petrich auch auf Seiten der Lehrerschaft aus: "Lehrer genießen nicht mehr den Respekt, den sie vor Jahren hatten." Vorfälle stünden andererseits in gewisser Weise in Relation zu der Art, wie Lehrer und Schulleiter sich engagieren.

Viele Probleme beträfen heute das Internet, Stichwort Cybermobbing. "Da werden Nacktbilder von Mädchen verbreitet", nennt Friedrich einen Auswuchs. Die Dunkelziffer sei seiner Auffassung nach weitaus höher, als die Fälle, von denen er und sein Kollege erfahren. Der Ansatz hier lautet Prävention und Aufklärung. Eine große Herausforderung.

Auf anderem Gebiet allerdings sehen die Beamten die Saat ihrer Bemühungen und die der Sozialarbeit aufgeben: Drogendelikte an "ihren" Schulen gibt es so gut wie keine.

Und was ist jetzt mit den Taschenrechnern? Bedauerlich! Aber in dem Fall wird man wohl nichts machen können, so ärgerlich das nun auch sein mag. Friedrich wendet sich wieder einer Anzeigen Aufnahme zu - ein gestohlenes Handy. Die einen haben die teueren Geräte und da gerät manch einer mit einfachem Gerät dazu. Bei so einem geilen Teil zum Langfinger zu werden. Und gleich am nächsten Tag werden er und sein Kollege nochmal an die Schule mit den gestohlenen Taschenrechnern fahren.