Im August kamen Zakrya Darwisch (38) und Rimal Ililati (26) in Bamberg an. Nach der Flucht aus Aleppo fand das syrische Ehepaar hier wieder etwas Ruhe. Im Januar kam Töchterchen Mirvat auf die Welt, Ende Februar erhielten die frisch gebackenen Eltern ihre Anerkennung als Flüchtlinge. Ihr kleines Glück wäre perfekt, wenn sie jetzt noch eine Wohnung fänden und die Unterkunft "An der Breitenau" verlassen könnten.

Doch der dreiköpfigen Familie geht es wie derzeit 285 anderen Flüchtlingen in Stadt und Landkreis Bamberg: Weil ihre Suche nach einer erschwinglichen Wohnung bisher vergeblich war, lebt sie auch ein Vierteljahr nach ihrer Anerkennung noch in einer städtischen Unterkunft - in einem Zimmer, in dem auch das Bett von Zakryas Neffe Ibrahim Makki (21) steht.

Küche und Sanitäranlagen müssen sie sich mit drei Männern teilen.
Vor allem für die junge Mutter sei das eine sehr belastende Situation, berichtet Susanne Schreyer vom Verein "Freund statt fremd". Schreyer kümmert sich als "Patin" gemeinsam mit einer anderen Frau ehrenamtlich um die vier Syrer.

Fakt ist: Der schon länger herrschende Mangel an preiswerten Wohnungen in Bamberg spitzt sich noch zu, seit eine wachsende Zahl von Kriegsflüchtlingen mit den einheimischen Normal- und Geringverdienern konkurrieren.


Niemand wird vor die Tür gesetzt

Das Thema brenne allen Kommunen auf den Nägeln, sagt Rathaus-Pressesprecherin Ulrike Siebenhaar. Nach dem Buchstaben des Gesetzes müssten Asylbewerber umgehend aus staatlichen oder städtischen Unterkünften ausziehen, wenn ihr Antrag anerkannt sind.

In Bamberg ist man laut Siebenhaar in der komfortablen Lage, dass genug Plätze vorhanden sind und niemand "vor die Tür gesetzt" werde. Es sei also kein Flüchtling genötigt, "die allerletzte Bude" zu akzeptieren.

Bis Flüchtlinge in der Lage sind, finanziell selbst für sich zu sorgen, stehen ihnen dieselben staatlichen Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II zu wie der einheimischen Klientel des Jobcenters. Dieses übernimmt beispielsweise die Kosten der Unterkunft, wenn Wohnungsgröße und/oder Miethöhe der sogenannten Angemessenheitsgrenze entsprechen.

Das sind nach Auskunft von Dieter Schierbaum, dem Leiter des Jobcenters Stadt Bamberg, 25 Quadratmeter pro Person, im konkreten "Fall" von Zakrya Darwisch und seiner kleinen Familie also 75 Quadratmeter, oder 497 Euro Kaltmiete. Für Heizkosten gibt es monatlich rund 100 Euro.

Obwohl private Vermieter das Geld direkt vom Jobcenter bekommen, ist die Bereitschaft, Flüchtlinge ins Haus aufzunehmen, gering. So die Erfahrung von Simone Oswald, Sprecherin des Arbeitskreises Wohnungen von "Freund statt fremd".


Verunsicherte Hausbesitzer

Nach ihrer Ansicht sind in der Bevölkerung Verunsicherung und Fehlinformationen weiter verbreitet als Vorbehalte gegen Menschen aus anderen Kulturkreisen. So wüssten viele Hausbesitzer nicht, dass auch für Flüchtlinge als Mieter die ganz normalen Kündigungsfristen gelten würden. Oder, dass sie eine Kaution hinterlegen können, die vom Jobcenter nicht selten in Form eines Kredits übernommen werde.

Simone Oswald bietet potenziellen Vermietern an, sich bei Fragen und Unklarheiten per E-Mail an den Arbeitskreis zu wenden unter der Adresse wohnungen@freundstattfremd.de.

Weil sich auch die deutsche Bürokratie für Flüchtlinge auf Wohnungssuche als Hindernis erweist, arbeitet "Freund statt fremd" gerade an einem Handzettel in mehreren Sprachen. Es genüge eben nicht, sich einmal bei einer Wohnungsbaugesellschaften registrieren zu lassen und dann zu warten, sagt Oswald. Weil es nicht genug Ehrenamtliche gibt, die mit den Flüchtlingen immer wieder vorsprechen, setzt man nun auf Aufklärung per Handzettel.

Die Stadtbau GmbH ist als einziges kommunales Wohnungsbauunternehmen oft erste Anlaufstelle für Migranten. Deren Bewerbungen würden nicht anders behandelt als die von deutschen Wohnungssuchenden, versichert Prokurist Holger Mennel. Hauptproblem sei, dass der Markt durch die Flüchtlinge noch angespannter geworden sei.

Die Politik hat das Problem inzwischen erkannt, schnelle Entspannung ist aber nicht in Sicht, weil erst Wohnraum geschaffen werden muss. Die Staatsregierung setzt auf einen "Wohnungspakt Bayern". Er sieht für Oberfranken unter anderem den Bau von Wohnanlagen für Flüchtlinge in Bayreuth (Röntgenstraße) und Coburg (Haßfurter Straße) vor: 41 Wohneinheiten für insgesamt 164 Personen sollen dort noch 2016 bezugsfertig werden, teilte auf Anfrage Thomas Wich von der Pressestelle der Regierung in Bayreuth mit.

Außerdem würden Gemeinden finanziell unterstützt,wenn sie "geeignete leerstehende Gebäude im Ortskern" für die Unterbringung von Flüchtlingen herrichten.