Selten hat die Stadtverwaltung so viel Zustimmung erhalten wie bei ihrem am Donnerstag bekannt geworden Plan, 100 große Mietwohnungen vorzeitig aus dem Bestand der US-Kaserne herauszulösen. Bürger, Politiker und Experten aus der Wohnungswirtschaft begrüßten die Vereinbarung, die eine Entwertung des Immobilienvermögens durch Leitungsschäden verhindern soll. Einigkeit herrscht bei den Zielen für die Bürger: Der angespannte Wohnungsmarkt in Bamberg kann jede Entlastung gebrauchen.

Bei der Stadtbau GmbH, die die US-Wohnungen vermieten soll, klingelten bereits die ersten Telefone. Vier Interessenten haben sich am Freitag gemeldet. Heiner Kemmer ist zuversichtlich, die Wohnungen bereits Mitte März 2015 anbieten zu können. Nach seinen Erkenntnissen gibt es weder einen Instandhaltungsstau, noch sind größere Altlasten zu befürchten.
"Wir gehen davon aus, dass in den allermeisten Wohnungen eine Endreinigung genügt."

Interessenten können sich ab sofort auf einer Liste der Stadtbau eintragen lassen; der Mietpreis wird derzeit mit 6,50 Euro pro Quadratmeter taxiert. Der Durchschnittszins der Stadtbauwohnungen liegt bei knapp über fünf Euro. Kemmer bezeichnet die Wohnungen als frisch saniert und in guter Lage befindlich. Sie bieten sich mit einer Größe von 80 bis 130 Quadratmetern für Familien, aber auch für Wohngemeinschaften an.

Noch vor kurzem war die Stadtverwaltung davon ausgegangen, dass die ersten Wohnungen auf dem US-Gelände erst 2018 auf den Markt gelangen. Deshalb ruft der überraschende Vorstoß der Stadt auch Kritiker auf den Plan. Wolfgang Heim, Vorsitzender der Mittelstandsunion der CSU, wirft der Stadt vor, erst auf den Druck der Öffentlichkeit eine 180-Grad-Wende hingelegt zu haben. Zudem dürfe man sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stadt die wahren Probleme der Konversion noch lange im Griff habe. Es fehle am Geld, um die Kosten zu bestreiten.

Kliemann: Stadt darf nicht trödeln
Das Ergebnis der jetzt getroffenen Vereinbarung lobt aber auch Heim. Günstige Wohnungen seien für Bambergs Unternehmen ein Standortvorteil. Gerade die gesuchten Facharbeiter leiden laut Heim unter dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Der Inhaber einer Metallbaufirma bestätigte, dass die US-Wohnungen vor wenigen Jahren aufwändig saniert wurden: "Dort wurde die höchste Qualität verbaut, die es gibt."

Genügen die 100 Einheiten, um den rasanten Anstieg der Mietpreise zu bremsen? Thomas Kliemann vom Mieterverein Bamberg glaubt nicht daran. 100 Wohnungen seien eine willkommene Entlastung. Doch müssten diesem Schritt weitere folgen, um etwa die nach wie vor starke Abwanderung in den Landkreis zu stoppen: "Die Stadt muss sich ihrer sozialen Verpflichtung bewusst sein und darf auch nicht trödeln", sagt Kliemann.

Wie wichtig der Faktor Zeit bei der Konversion ist, darauf weist auch Klaus-Peter Möller hin. Der Autor des Konzepts Stadtentwicklung Wohnen warnt davor, den Prozess der Konversion zu langsam anzugehen, weil zum Ende des Jahrzehnts mit einem deutlichen Rückgang der Nachfrage zu rechnen sei. Bei einem entsprechenden Wohnraumangebot könne die Bevölkerung der Stadt um bis zu 3000 Menschen zunehmen.

Möller freut sich, dass die Stadt die Chancen aktiv nutzt, die das US-Gelände bietet. Sein Rat ist freilich auch, jetzt nicht aufzuhören: "Ich kann nur dringend empfehlen, möglichst viele der 900 US-Wohnungen der zivilen Nutzung zuzuführen. Davon haben alle was: der Staat, die Stadt und die Bürger."

An der politischen Unterstützung für solche Pläne dürfte es nicht mangeln. Für eine vorzeitige Nutzung der US-Wohnungen hatten sich nicht nur die Grünen, sondern auch die SPD stark gemacht.

Helmut Müller von der CSU sieht auf dem Kasernen-Gelände gar die Chance schlummern, Bambergs Einwohnerzahl auf 75 000 zu steigern. Dies nicht nur vor dem Hintergrund, dass mit der Ansiedelung von Brose neue Bürger nach Bamberg kommen werden. Auch um die Infrastruktur der Stadt auf Dauer zu finanzieren, gebe es keine Alternative zum Wachstumskurs, meint Müller.

Was also passiert mit den anderen 800 US-Wohnungen, wenn die Amerikaner heuer im Oktober gehen? Wird man auch sie vor dem Verfall retten? Laut Ulrike Siebenhaar möchte die Stadt nach dem gleichen Muster noch mehr Wohnungen vorzeitig sichern, sollte die Nachfrage vorhanden sein. Für weitere Freigaben spricht auch, dass der Betrieb des US-Leitungsnetzes umso wirtschaftlicher wird, je mehr Menschen es nutzen.

Die Immobilienbranche sieht den Zuwachs im Bamberger Osten unterdessen gelassen. Thomas Winkler von der Sparkasse Bamberg hält den Wohnungsmarkt in Bamberg für so robust, dass er auch stärkere Zuwächse wegstecken kann.