Ja, aufgeregt sind alle. "Die Situation kennt man ja nicht. Man wird schließlich nicht so oft aufgefordert, sein Haus zu verlassen", sagt Georgine Demel.

Sie und ihr Mann Harald sind zwei vom 3500 Bambergern, die am Sonntag um neun Uhr evakuiert werden. Der Grund: Auf dem Flugplatz an der Breitenau wurden zwei Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden, die entschärft werden. In einem Umkreis von einem Kilometer müssen alle Menschen ihre Häuser und Arbeitsplätze verlassen. Am späten Nachmittag soll alles vorbei sein.

Aber was nimmt man mit, wenn man das Zuhause wegen einer Bombenentschärfung verlassen muss? "Nicht mehr als sonst auch, wenn wir einen normalen Ausflug machen", sagt Harald Demel. Keine wichtigen Unterlagen, keinen Notfallkoffer. Ausweis und Geldbeutel habe er eh immer dabei.

Gelassenheit statt Panik

Demel ist gelassen. Er ist pensionierter Polizeibeamter, kennt Evakuierungs-Situationen aus seiner aktiven Zeit. Allerdings: Dass 3500 Menschen gehen müssen, das hat er in all den Jahren im Beruf nicht erlebt.

"Ich gehe davon aus, dass die Aktion zu 99 Prozent gut geht." Mancher Nachbar ist da wohl etwas skeptischer. Da werden zur Sicherheit doch ein paar wichtige Papiere eingepackt. "Eine Nachbarin hat mich deswegen angerufen. Ich habe ihr gesagt, dass sie keine Unterlagen mitzunehmen braucht. Aber sie hat sich nicht überzeugen lassen", erzählt Demel.

Es ist nichts Außergewöhnliches, dass Nachbarn den pensionierten Polizisten in diesen Tagen um Rat fragen. "Manche wollen wissen, ob denn die Häuser sicher vor Einbrechern sind. Ich erkläre dann, dass natürlich Polizei-Patroullien durch die Sperrzone laufen und aufpassen."

Wer gleich am Mittwoch angerufen hat, waren die drei Söhne der Dremels. Ob die Meldung denn auch stimmt, dass Fliegerbomben gefunden wurden und am Sonntag entschärft werden sollen.

Ein Sohn, der außerhalb des Sperrbezirks lebt, hat die Eltern gleich mal mittags zum Spanferkel-Essen zu sich eingeladen. "Ich weiß aber nicht, ob er das wirklich ernst gemeint hat", sagt Georgine Dremel.
Sie und ihr Mann wären aber eh nicht zu Hause. "Ob Bombenentschärfung oder nicht, wir hatten einen Ausflug geplant", sagt der Ehemann. Die beiden Kramersfelder wollen entweder zum verkaufsoffenen Sonntag nach Nürnberg fahren oder in die Therme nach Bad Staffelstein.

Information über Medien

Ob sie direkt am späten Nachmittag zurück nach Bamberg kommen, wenn die Evakuierung aufgehoben werden soll, wissen die beiden noch nicht. "Wir verfolgen über die Medien, wann wir zurück können. Aber wir machen uns keinen Stress."

Stress hatte dagegen der Briefträger, der am Freitag mit stapelweise Post durch den Stadtteil geeilt ist. Jeder Anwohner hat einen Brief von der Stadtverwaltung mit Informationen zur Evakuierung bekommen. Demnach sollen die Anwohner einen beigefügten Abschnitt an die Tür hängen, wenn sie das Haus verlassen haben. Außerdem können sie den Evakuierungstrupps, die zur Sicherheit jedes Haus in der Sperrzone kontrollieren, durch heruntergelassene Rollläden deutlich machen: Dieses Haus ist leer.

Allerdings wird es wohl auch Menschen geben, die sich trotz dieser nach außen zur Schau gestellten Zeichen noch im Haus verstecken. Das weiß Demel aus Erfahrung. "Manche wollen ihr Haus nicht verlassen. In den vergangenen Tagen habe ich den Satz gehört: ,Im Krieg sind die Bomben direkt neben dem Haus eingeschlagen, da sind wir auch geblieben.'"

Er wisse nicht, ob das tatsächlich ernst gemeint sei. Demel hofft jedenfalls, dass bis Sonntag alle einsichtig sind. "Ich kann nur an jeden in der Sperrzone appellieren: Leute, seid vernünftig und verlasst rechtzeitig euer Anwesen." Im Fall von Kramersfeld ist das das komplette Viertel.

So ist es kein Wunder, dass die Bombenentschärfung momentan das Thema ist. Eine der meistgestellten Fragen unter den Nachbarn: "Was macht ihr am Sonntag?" Georgine Demel scherzt: "Wir hätten ja einen Kramersfeld-Ausflug machen können." Doch dann wird sie ernst. Denn eine andere häufig gestellte Frage lautet: Wie viele Blindgänger liegen da wohl noch?

"Wir sitzen hier auf einem Pulverfass", sagt sie nachdenklich. Ihr Mann fügt hinzu: "Mal sehen, wie oft wir diese Übung noch machen müssen." So unwahrscheinlich ist das nicht. Während des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche Bomben über dem Flugplatz abgeworfen.

Falls eine erneute Evakuierung notwendig werden sollte, weiß Harald Demel jedenfalls schon, dass er auch bei seiner Versicherung anrufen muss, eine Art Vorwarnung abgeben, wegen der Photovoltaikanlage auf dem Dach.
Sein Haus liegt nur etwa 300 Meter vom Fundort der beiden Splitterbomben entfernt. Sollten sie doch gesprengt werden müssen, würde die Solar-Anlage auf dem Dach wohl etwas abbekommen. Und nicht nur die. Aber daran möchte momentan niemand denken.

Bürgertelefon der Stadt Für Anfragen zur Evakuierung steht das Bürgertelefon der Stadt Bamberg zur Verfügung, das am Samstag von 9 bis 16 Uhr und am Sonntag ab 8 Uhr bis zum Ende der Evakuierungsmaßnahmen unter der Rufnummer 0951/87-2525 erreichbar ist.