Auf dem Traktor, da sitzen sie beide gerne: Die zwei Christophs, beide 18 Jahre alt, beide in der Ausbildung zum Industriemechaniker. Und beide packen in ihrer Freizeit auf dem Hof mit an.

Christoph Lieberth aus Hirschaid hilft seiner Familie bei der Landwirtschaft im Nebenerwerb, Christoph Linz aus Stadelhofen unterstützt seinen Schwager mit dessen Biogasanlage. "In der Landwirtschaft auf dem Traktor, da kann ich richtig abschalten", sagt Linz. Und beim Abschalten, da kommen einem manchmal Ideen. Zum Beispiel, wie man die Arbeit erleichtern könnte ...

Es war vergangenes Jahr auf dem Hof des Schwagers. Christoph Linz wechselt bei der Arbeit mit dem Traktor häufig den Hänger. Jedes Mal: Zugmaul verstellen, Höhe anpassen. Immer wieder muss er absteigen, in unbequemer Haltung an der Kupplung der Zugmaschine werkeln. Das muss doch besser gehen.
"Der nächste Denkanstoß kam, als wir auf der Arbeit auf den ,Jugend forscht'-Wettbewerb aufmerksam gemacht wurden", sagt Linz. Auf der Arbeit, das ist bei der Firma Bosch in Bamberg. Hier haben sich die zwei Christophs kennengelernt. Und da fragte der eine (Linz) den anderen (Lieberth): "Hey du kennst das Problem doch auch, dass die Höhe der Kupplung oft nicht passt. Lass uns da was machen."

Kein Verrenken mehr
Das taten sie: Als eine von zwei Gruppen der Firma traten sie beim Wettbewerb an - und schafften es mit ihrer "Zugmaul-Höhenverstellung" bis zum Bundeswettbewerb von "Jugend forscht", wo sie mit dem dritten Platz ausgezeichnet wurden.

Für was? Für die "Easy Adjust", so der offizielle Name der Vorrichtung. "Übersetzt heißt das ,leicht verstellen'", wie Christoph Lieberth erläutert. Genau darum geht es: Wenn ein Landwirt einen Anhänger ankuppeln will, kommt es häufig vor, dass die Kupplung nicht in der richtigen Höhe passend zum Anhänger eingestellt ist. Die Folge: absteigen, nachjustieren - in verrenkter Haltung.

Mit Hilfe der Vorrichtung der Nachwuchsforscher funktioniert das nun per Handrad oder Hydraulik. Der Rücken freut sich. "Wir wollten was Praktisches, eine Vereinfachung", sagt Lieberth. Und Kollege Linz führt aus: "Dazu mussten wir erst mal überprüfen, ob wir mit den Platzverhältnissen am Traktor zurecht kommen. Und, welche Techniken wir verwenden können." Also haben sie einen Spindelantrieb angebaut, der über einen Hydro-Motoer betrieben wird - "weil es Hydraulikanschlüsse am Traktor schon gibt", sagt Lieberth. Bedienen kann der Landwirt die Vorrichtung sowohl vom Traktor aus, als auch von außen. "Die Höhe kann er steuern, die Kupplung rastet dann automatisch ein", erklärt Linz.

Von November 2013 bis Juni 2014 haben die zwei Tüftler an ihrer Erfindung gewerkelt, zwischen Berufsschule und Lehrgängen. Herausgekommen ist eine Kupplungs-Vereinfachung, die auf alle Traktorhersteller übertragbar ist. "Ja, die Erfindungsmeldung ist raus", sagt Sebastian Datscheg, Ausbildungsmeister im Bereich Industriemechanik bei Bosch. Man warte noch auf die Rückmeldung. Ein Patent komme auf jeden Fall.

Auch ein Traktorhersteller ist bereits während des Wettbewerbs auf die beiden Jungforscher zugekommen - und die Landwirte daheim erst recht. "Viele haben gesagt: ,hopp, des baust gleich an mein Schlepper ran'", erzählt Christoph Lieberth und lacht.

Wie das genau aussieht und funktioniert, das zeigten die beiden beim Bundeswettbewerb. Zudem sind sie stilecht vorgefahren - in Tracht, die beide besitzen, weil sie in der Blaskapelle spielen.

Reisen mit dem Traktor
Und wie reist man an, wenn man eine Traktor-Vorrichtung erfindet? Genau, auf eben diesem. Von Bamberg aus ist Christoph Linz dreieinhalb Stunden mit dem Fendt von Oberfranken nach Baden Württemberg getuckert, wo der Bundeswettbewerb stattfand. Namensvetter Christoph Lieberth ist mit dem Kleintransporter vorgefahren.
Vor Ort hätten die Leute dann schon geguckt, dass die Erfindung gleich so praktisch vorgeführt wird, sagen die beiden. Noch dazu kam der Traktor mit einem eigens angefertigten Nummernschild mit der Aufschrift "Jufo 2014" - für "Jugend forscht 2014" - an. Den Bulldogg wollten sie schon liebevoll ausstaffieren. Schließlich fahren sie gerne Traktor, die beiden Jungs.