Er hätte wohl auch das Zeug zum Formel-1-Piloten. Für den Kick des Katapult-Startes genügt ihm aber auch nur 1 PS statt ein paar Hundert: Herbert Preisach ist Deutschlands schnellster Barrel-Racer. Übersetzt heißt das, er ist im Pferd-Mensch-Team schneller als alle anderen unterwegs, wenn es darum geht, Metall-Fässer zu umrunden. Nach einem vorgegebenen Muster. Der amtierende Europameister scharrt schon wieder mit den Hufen: In Kürze geht's zur Weltmeisterschaft nach Brasilien, im Mai nach Sao Paulo. Er ist einer von Zweien, die im Team für Deutschland starten.

Dafür hat er sich nach dem Punktesystem qualifiziert. Eine komplizierte Sache. Für den Nicht-Reiter. Der versteht aber auch so die Begeisterung, die in jedem Satz mitschwingt, wenn Preisach von diesen besonderen Wettbewerben spricht, die von den USA nach Deutschland importiert wurden. Ursprünglich handelt es sich um die einzige Disziplin, bei der Frauen bei Rodeos antreten durften. Heute hat sich Barrel Race zusammen mit Pole Bending (das sieht wie Slalom zu Pferd um Pfosten aus) und Viertel-Meilen-Rennen etabliert.

Wie kommt nun ein Tierarzt zum Barrel Racing? Preisach überlegt kurz. "Ich bin schon als kleiner Junge geritten, ohne Sattel, Kutschpferde, alles was ich erwischt habe." Erwischt, also gekauft hat er irgendwann mehr oder weniger per Zufall ein Fohlen. Ein Westernpferd, ein so genanntes Quarterhorse. Sie gelten als die schnellsten Pferde auf eine Distanz von einer Viertel (Quarter) Meile. Ebenfalls zufällig hat der damalige Freizeitreiter dann an einem Barrel-Race-Wettbewerb mitgemacht und kam, ohne dafür trainiert zu haben, gleich auf den dritten Platz.

Das war die Initialzündung sozusagen. Dann hat Preisach mit gezieltem Training begonnen und war ein Jahr später, also 2007, Deutscher Meister in dieser speziellen Disziplin des Westernreitens. Seitdem sammelt er nur so Preise und Pokale. Auf nationaler wie internationaler Ebene. Zuletzt bei Weltmeisterschaften in der Mongolei.
Viele seiner Erfolge holte er mit seinem schwarzen Hengst "TNT Magic King", den er als Fohlen gekauft hatte. Der Hengst starb leider vor zwei Jahren. "Ich bin noch kein schnelleres Pferd geritten", trauert Preisach ihm nach. "Das war nicht nur ein Pferd, das war ein Partner, ein Freund."

Auf den vierbeinigen Partner im Barrel Race muss man sich verlassen, ihm vertrauen, macht der Tierarzt deutlich. Innerhalb weniger Sekunden katapultiert einen das Pferd auf eine Geschwindigkeit von etwa 60 Stundenkilometern. Aus denen heraus muss es die 180-Grad-Wendung um die Tonne schaffen. "Die Fliehkräfte sind enorm." Deswegen hält sich der Reiter mit einer Hand am Horn fest, während er mit der anderen lenkt. Der Tonne kommt man dabei äußerst nah, deswegen die Knie- und Schienbeinschützer.

Man darf die Tonnen berühren. Umwerfen wird allerdings mit fünf Strafsekunden geahndet. "Da kann man den Wettbewerb praktisch vergessen, es geht um Zehntelsekunden." Denn nach im Schnitt 15 Sekunden ist ein Durchgang beendet. Innerhalb dieser Zeit wird jede der drei Tonnen auf einem Kurs, der einem Dreieck entspricht, umrundet. Der Reiter darf sich heraussuchen, ob er links oder rechts beginnt. "Man wählt die für das eigene Pferd bessere Seite aus."

Das kennt Preisach logischerweise bei den zwei Nachkommen seines Hengstes, die er bei Turnieren reitet. Bei Weltmeisterschaften ist es ungleich schwieriger, weil alle auf ausgelosten Fremdpferden starten. Die sind warm geritten. Dann hat man fünf Minuten Zeit, sich mit ihnen vertraut zu machen, "und ab geht's." Ist ihm da nicht bisweilen etwas mulmig? "Angst darf man nicht haben." Freilich müsse man als Reiter genauso durchtrainiert sein wie das Pferd. Deswegen macht Preisach Aufwärmübungen wie beim Fußball auch.


Nachfolger der Wunsch

Nachdem er bald alle Titel geholt hat, wie geht es für ihn weiter? "Jetzt freue ich mich erst einmal auf Brasilien." Und danach? "Was will ich noch gewinnen? Ich wäre froh über einen Nachfolger, der das auch mit so großer Leidenschaft macht."
Sein Können will Preisach an die Jüngeren weitergeben, im nächsten Jahr als Bundestrainer oder dessen Co-Trainer. Er kennt die Szene und die ihn, hat er doch einen Barrel-Race-Verband mit aufgebaut. Etwa 2000 Reiterinnen und Reiter sind in dieser Sparte aktiv, die auch als die Formel 1 des Westernreitens bezeichnet wird.