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Bamberg
Verkehr

Eine klare Mehrheit stimmt für den Neubau der Buger Brücke

Immer wieder wurde der Neubau der Buger Brücke verschoben, nun soll es endlich losgehen. Dabei halten sich Zweifel, ob das Großprojekt wirklich nötig ist.
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Eine neue Spannbetonbrücke soll bis 2022 bei Bug über die Regnitz gebaut werden. Eine Simulation zeigt, wie das 104 Meter lange Bauwerk aussehen soll.  Quelle: Stadt Bamberg
Eine neue Spannbetonbrücke soll bis 2022 bei Bug über die Regnitz gebaut werden. Eine Simulation zeigt, wie das 104 Meter lange Bauwerk aussehen soll. Quelle: Stadt Bamberg
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Manfred Drescher hatte kein Rederecht und riss das Wort trotzdem an sich: "Ich bedanke mich bei allen, die so entschieden haben. Seit elf Jahren ist die Brücke nur mit Ampel befahrbar. Wer sie jeden Tag zwei Mal benutzen muss, weiß was das bedeutet", rief er beim Verlassen des Sitzungssaales.

Der Grund für die emotionale Botschaft an die Adresse der Stadträte: Seit 20 Jahren kämpft der Vorsitzende des Bürgervereins Bug für den Neubau der Franz-Fischer-Brücke. Drei Baureferenten kamen in dieser Zeit und drei gingen. Immer wieder wurde das Projekt in letzter Minute verschoben, um Kosten zu sparen.

Entschieden statt aufgeschoben

Nun hat sich der Stadtrat selbst den Weg zu einem Rückzieher verbaut. Das Großprojekt soll, so entschied der Bausenat, nächstes Jahr begonnen werden. Voraussichtlicher Baustart wird der Oktober 2020 sein. Wenn alles gut geht, könnten die ersten Fußgänger zwei Jahre danach über die neue Brücke spazieren.

Anders als bei den Brückenprojekten des letzten Jahrzehnts verlässt sich die Stadt dieses Mal nicht auf Kostenschätzungen. Diese hatten mit 10,8 Millionen für die Luitpoldbrücke, 17,6 Millionen Euro für die Löwenbrücke und 18 Millionen Euro für die Kettenbrücke deutlich höhere Kosten verursacht als ursprünglich genannt.

Sicherheitszuschlag

Nun also der Versuch, alles richtig zu machen: Laut einem bepreisten Leistungsverzeichnis vom November 2019 belaufen sich die Gesamtkosten des Neubaus bei Bug inklusive Abbruch der bestehenden Brücke und der Erneuerung der nach Bug führenden Hans-Schmitt-Straße auf 12,9 Millionen Euro. Zu dieser laut Verwaltung "nahe am Markt liegenden Berechnung" kommt noch ein Sicherheitszuschlag von bis zu 20 Prozent.

Mindestens so wichtig wie die Bruttobausumme wird aber der Eigenanteil der Stadt sein. Er soll wegen der in Aussicht stehenden Fördermittel von Bund und Land bei 5,5 Millionen Euro liegen - zwei Millionen mehr als noch 2017 gehofft.

Im Haushaltsentwurf der Stadt für 2020 steht die Buger Brücke deshalb auf Platz drei der Großprojekte - nach dem Lagardecampus (12 Millionen Euro für das Abbruch- und Recyclingmanagement) und der Offizierssiedlung (9 Millionen Euro für den Hochbau).

Der hohe Eigenanteil war der Grund, dass die Entscheidung für den Bau der neuen Verbindung nach Bug nicht einstimmig fiel: "Ich glaube nicht, dass jetzt ein unmittelbarer Zwang besteht zu handeln", sagte Ralf Dischinger von Grünes Bamberg. Es gebe andere Haushaltsstellen, die wichtiger seien. "Deshalb glauben wir, dass wir mit der Buger Brücke noch ein, zwei Jahre warten könnten", sagte Dischinger. Die Befürchtungen, die Brücke könne wegen statischer Mängel einstürzen, bezeichnete er als haltloses Schreckensszenario. "Von den Vorgängen in Genua sind wie hier weit entfernt."

Freilich: Eine Vollsperrung der Brücke wäre nicht auszuschließen gewesen, glaubt man den Ergebnissen einer im Jahr 2017 erfolgten Brückenprüfung. Der nach DIN-Normen ablaufende Brückentest ergab für die Franz-Fischer-Brücke die Note 3,4 ("nicht ausreichender Zustand"). Ab einer Zustandsnote von 3,5 könne es bei einer erneuten Untersuchung zur Sofortsperrung der Brücke kommen, stellt dazu die Stadt fest.

Franz-Wilhelm Heller (CSU) nennt drei Gründe für die Zustimmung der CSU. Neben der technischen Notwendigkeit, die marode Brücke zu ersetzen, gehe es der CSU vor allem darum, die gute Förderkulisse auszunutzen. Auch müsse eine vernünftige Anbindung an den "wunderbaren Stadtteil" geschaffen werden. Die Straße über das Klinikum reiche nicht.

Diesen Gesichtspunkten folgt auch die SPD . Heinz Kuntke betont, dass es keinen Sinn macht, das Projekt weiter hinauszuschieben, da dann die Kosten weiter steigen würden, wie es bereits der Fall sei. Deshalb müsse jetzt eine Entscheidung getroffen werden: "Wer jetzt nein sagt, muss auch sagen, dass er diese Anbindung nicht will."

Doch davon ist die Bamberger Politik weit entfernt: "Das Projekt muss angepackt werden. Es darf nicht riskiert werden, dass es zu einer Vollsperrung kommt", sagt Herbert Lauer (Bamberger Allianz). Ähnlich urteilt Norbert Tscherner; "Die jetzige Teilsperrung ist eine Zumutung. Kein Gutachter wird das Risiko eingehen, die Brücke als sicher zu erklären."

Breite Radwege

Was verbessert sich für die Anwohner? Es geht nicht nur um den Kfz-Verkehr, der jetzt noch durch eine Ampelschaltung ausgebremst wird. Auch für die an den Rand gedrängten Radfahrer und Fußgänger wird sich einiges tun. So soll das neue Bauwerk auf jeder Seite einen drei Meter breiten Geh- und Radweg erhalten.

Müssen die Bewohner Bugs und die Besucher des Schwimmvereins mit Sperrungen während der Bauzeit rechnen? Auch hier gibt es eine gute Nachricht: Weil die alte Brücke erst nach der Fertigstellung der neuen abgebrochen wird, bleibt die Verbindung nach Bug während der zweijährigen Bauzeit in vollem Umfang offen. Allerdings: Die Ampel bleibt.