Bamberg
Kabarett

Die heile Welt bekommt Risse . . .

"Modern(d)e Zeiten" nennt sich das neue Programm der Äh-Werker, das am 13. November Premiere feiert. Darin lästern die Kabarettisten wieder schonungslos ab, was zartbesaitete Zuschauer auch schon missverstanden. Als Einstimmung gibt's Videos von früheren Auftritten der Bamberger Truppe.
Respektlos geben sich die Äh-Werker: Hier Harald Schuberth, der die Kabarettisten musikalisch begleitet, mit Albert Herrnleben Foto: Werker Englischr
Respektlos geben sich die Äh-Werker: Hier Harald Schuberth, der die Kabarettisten musikalisch begleitet, mit Albert Herrnleben Foto: Werker Englischr
Garstig ist schon der Titel des Programms: "Modern(d)e Zeiten." Schluss mit der Maskerade! Die Äh-Werker blicken am Freitag, 13., hinter die Fassaden des 21. Jahrhunderts. Abgründe und Absurditäten des Lebens zeigen die Kabarettisten mit schwarzem Humor dem Bamberger Publikum im Alten E-Werk.

"Mit unserem Programmtitel erinnern wir bewusst an Charlie Chaplins (fast) gleichnamigen Film aus den 30er Jahren", berichtet Chef-Äh-Werker Ulf Sowa. Der Mensch - als Rädchen im Getriebe - verliert jede Individualität: "Diese Thematik ist heute doch ebenso aktuell wie damals, obwohl sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen weiterentwickelt haben".


Selbst Mephisto schaut in die Röhre

Grund genug für die Äh-Werker, Massenphänomene wie den Hype um die neuen Medien ins Visier zu nehmen.
So wird die Smartphone- und Selfie-Kultur, die in der Kommunikationsgesellschaft jede "zwischenmenschliche Kommunikation im Keim erstickt" karikiert. Das Web 2.0 regiert und feiert Erfolge, die in "Modern(d)e Zeiten" selbst Mephisto blass aussehen lassen. Ein armer Teufel schaut in die Röhre, nachdem er Faust ans Internet verliert.

Klar, nehmen die Kabarettisten auch unsere "modern(d)e" Moral unter die Lupe. "Ethische und religiöse Maxime, die einst die Leitkultur bestimmten, werden doch längst von der Realität ad absurdum geführt", meint Sowa. Selbst Petrus muss sich bei den Äh-Werkern an der Himmelspforte von einem Kapitalisten sagen lassen, dass seine moraltheologischen Wertvorstellungen restlos überholt sind.



Die Denkmäler wanken

Zurück in heimische Gefilde, wo Satiriker natürlich aus dem Vollen schöpfen können. "Mit Bezug auf die jüngsten Entwicklungen widmen wir uns der zerfallenden Stadt", sagt der leitende Äh-Werker. Und bringt auf den Punkt, was den Zerfall beschleunigt: Bürokraten und Spekulanten. Bröckelnde Denkmäler, leer stehende Häuser und Läden vor dem Hintergrund steigender Immobilienpreise - schwarz sehen die Kabarettisten und bringen ihre Sicht der Dinge augenzwinkernd dem zukunftsgläubigen Publikum nahe.

Aber keine Angst: Die moralische Keule schwingt die Truppe nicht, die seit fast einem Vierteljahrhundert auf der Bühne der Volkshochschule steht - in wechselnder Besetzung. "Nach wie vor bieten wir in diesem Rahmen allen Interessenten auch die Möglichkeit, einzusteigen und selbst aktiv mitzumachen", betont Sowa, der sich die Leitung der Äh-Werker seit 2009 mit Doris Kaschta teilt. Fast 100 Akteure gehörten dem Ensemble im Lauf der Zeit an, mancher kürzer, andere länger. Derzeit engagieren sich 16 Mitglieder im Alter zwischen 17 und 76 Jahren, um dem Publikum alle Jahre wieder ein neues Programm zu präsentieren.



Mit bissigem Humor

Bis heute gilt für alle auch der hehre Vorsatz, unter dem sich die Kabarettisten vor 23 Jahren zusammenschlossen: gesellschaftskritische Themen mit bissigem Humor satirisch aufzuarbeiten. So sah sich das Ensemble stets in der Tradition des politischen Kabaretts. Wobei sich die Programme am klassischen Nummernkabarett orientieren, bei dem sich gespielte Szenen, Solonummern und Lieder abwechseln. "Alle Texte werden von uns natürlich selbst erarbeitet." Während bei den Songs bekannte Melodien neben Eigenkompositionen stehen.


Kein Verständnis

Nicht nur Politik und Gesellschaft bekommen bei den Äh-Werkern ihr Fett ab. Auch dem Individuum halten die Kabarettisten den Spiegel vor, um ihr Publikum zu unterhalten und "nachhaltig zum Nachdenken" zu bringen. Wobei sich nicht jeder aus seiner heilen Welt reißen lassen möchte. "Ja, manchmal kriegen Zuschauer Themen auch in den falschen Hals." So brachten die Äh-Werker vor einigen Jahren die Schöpfungsgeschichte mit Mechanismen des globalen Neoimperialismus in Zusammenhang. "Das war für einige wohl zu hart." Sie witterten Blasphemie. "Dabei liegt die Blasphemie in der gelebten Realität einer Gesellschaft, die sich vorgeblich über christliche Werte definiert."



Schüler und Studenten

Über Nachwuchsmangel können sich die Äh-Werker nicht beklagen, zu denen in jüngster Zeit diverse Schüler und Studenten stießen. Als großen Gewinn fürs Ensemble wertet Sowa auch Harald Schuberth, der die Truppe als Pianist unterstützt: "Ein Vollblut-Musiker, der unseren Programmen eine neue Qualität verleiht." Mit seiner Hilfe würde man sich den musikalisch untermalten Aufführungen klassischer Kabarett-Ensembles der 60er und 70er Jahre annähern.

Auch das neue Programm der Äh-Werker trägt Schuberths musikalische Handschrift. Unter der Leitung von Ulf Sowa spielen Frank Gundermann, Albert Herrnleben, Sabine Hümmer, Thomas Klauer, Conny Pinz, Gerd Reich, Karin Rüdiger, Tanja Thaller, Heike Wiesneth und Heino Wiesneth in "modern(d)e Zeiten".


Auf einen Blick

Das Programm "Modern(d)e Zeiten" ist im Alten E-Werk (Tränkgasse 4) am 13. und 20. November ab jeweils 20 Uhr zu sehen. Tickets gibt's im Vorverkauf beim BVD. Weitere Infos findet man über die Äh-Werker-Homepage.