Was verbindet die Schauspieler Heinz Erhardt, Fred Raupach, Karl Dall, Georg Thomalla, Mario Adorf, Marie Versini, Terence Hill, Pierre Brice, Lex Barker, Götz George, Elke Sommer und Uschi Glas? Wer schon ein paar Jahrzehnte auf dieser Welt weilt, der ahnt es wahrscheinlich: Sie alle haben Karl-May-Figuren verkörpert. Seit genau 100 Jahren sind die Helden des berühmt-berüchtigten Autors (1842- 1912) auf der Kinoleinwand präsent. Eine gute Gelegenheit, um einen Mann zu besuchen, der die Karl-May-Literatur kennt wie kaum ein anderer und dessen Großvater mit dem Schriftsteller freundschaftlich verbunden war: Bernhard Schmid, Inhaber des Karl-May-Verlags in Bamberg.

"Karl May im Kino: Das fing in den 1920er-Jahren mit den ersten Stummfilmen an. Dann folgte in den 30ern der erste Tonfilm", blickt Schmid zurück. In den 50ern begann die Zeit der Farbfilme ("Die Sklavenkarawane", "Der Löwe von Baylon", der in Würzburg uraufgeführt wurde). "So richtig boomten aber erst die Winnetou-Filme in den 60ern. Sie gelten bis heute als erfolgreichste Kinoreihe in Deutschland." In elf Verfilmungen brillierte Pierre Brice als Häuptling der Apatschen, dessen weißen Blutsbruder Old Shatterhand Lex Barker unübertrefflich darstellte. "Noch heute haben die beiden quasi Kultstatus."

Zahlreiche weitere Adaptionen für Film und Fernsehen ließen den Mythos weiterleben, darunter auch Zeichen- und Puppentrickfilme ("WinneToons", "Die Spur führt zum Silbersee") und 2001 dann die Persiflage von Michael "Bully" Herbig: "Der Schuh des Manitu". Wie Schmid die Komödie fand? "Klasse! Ich konnte oft herzlich lachen. Zudem weiß man ja: Nur was gut ist, wird persifliert. Das spricht also sehr für Karl May."

Insgesamt sind in einem Filmjahrhundert 25 höchst unterschiedliche Karl-May-Filme in die Kinos gebracht worden. Dazu kommen TV-Produktionen und Kurzfilme.

"Dass Karl May oft als typischer Jugendbuchautor wahrgenommen wird, liegt wahrscheinlich daran, dass gerade seine abenteuerlichen Orient- und Wildwest-Geschichten verfilmt wurden", sagt Bernhard Schmid. "Doch diese Geschichten sind nur ein Teil dessen, was er geschrieben hat. Viele Romane hat er für Erwachsene verfasst."

Anders als Karl Mays Bücher, die vorwiegend im deutschsprachigen Raum Erfolg hatten, sorgten die Filme weltweit für Aufsehen. Winnetou und Old Shatterhand ritten in Japan, Australien und Südafrika ebenso über die Kinoleinwände wie in großen Teilen Südamerikas, in den USA, in Kanada und fast ganz Europa.

Nach 100 Jahren Kino stellt sich die Frage: Wird es ein zweites Jahrhundert mit Karl May im Kino geben? Bernhard Schmid nickt bedächtig. 2021 soll der Kinofilm "Der junge Häuptling Winnetou" anlaufen, dessen Hauptfigur Winnetou im Alter von zwölf Jahren ist. "Das wird ein Film für die ganze Familie. Der Junge will seinem Vater beweisen, dass er bereit ist, Verantwortung zu übernehmen", sagt der Bamberger. "Und wie es danach weitergeht, kommt ganz auf die Filmbranche an." Die Werte, die Karl Mays Bücher vermitteln - Völkerverständigung, Frieden, Sieg des/der Guten - böten sich für Verfilmungen geradezu an.

Er selbst, sagt Schmid, hoffe seit langem auf eine Neuauflage Winnetous - "so im Stil von 'Der mit dem Wolf tanzt'. Aber auch darüber hinaus hat der Schriftsteller Karl May auf jeden Fall genügend Material für ein weiteres Kino-Jahrhundert hinterlassen."