Frisch gekochtem Spargel, der noch in der Erde steckt, die Spitze abbeißen - das geht tatsächlich, zumindest theoretisch. "Gegen Ende der Spargelsaison, im Juni, kann es unter den Planen bis zu 70 Grad heiß werden", erklärt Spargelanbauer Hans Ott aus Hirschaid.

"Wenn wir bei heißen Temperaturen die Stangen nicht gleich morgens stechen, wachsen sie so schnell, dass die Spitze aus der Erde schaut und unter der Plane angekocht wird."

Davon ist das Gemüse aktuell allerdings noch weit entfernt. Letztes Jahr wurde die Spargelsaison in Hirschaid am 10. April eröffnet. Dieses Jahr hoffen die Erzeuger auf den 22. Wer momentan auf Spargel-Suche ist, muss noch tief in die Erde graben. Es dauert, bis Hans Ott eine kleine "Krone mit Knospen" findet. Er schätzt, dass der Spargel vielleicht einen Zentimeter groß ist.


Eine Woche Wärme

Wenn es endlich warm wird, zeigen die weißen Stangen, was sie können. "Wir bräuchten eine Woche Wärme", sagt Ott. Und Kollege Alois Büttel fügt hinzu: "Am besten 25 Grad am Tag und 12 in der Nacht." Dann wächst der Spargel bis zu drei Zentimeter pro Tag, ganz egal, wie hart und lang der Winter war. "Eigentlich ist ein strenger Winter gar nicht schlecht. Da kriegt der Spargel einen Kälteschock und treibt schön aus, wenn's warm wird", erklärt Hans Ott.

Das ist möglich, weil die Wurzeln in der Erde bleiben. Frisch gepflanzte Spargelpflanzen verweilen drei Jahre in Ruhe im Boden, bis das erste Mal geerntet werden kann. Erst nach etwa sieben Jahren wird der Ertrag geringer und die alten Pflanzen haben ausgedient.

Keine Sorge um Ertrag

Um den Ertrag dieser Saison machen sich Hans Ott und Alois Büttel von der Spargelgemeinschaft Hirschaid trotz des langen Winters keine Sorgen. "Der Spargel kommt, das ist sicher", sagt Ott. Kollege Alois Büttel fügt hinzu: "Wenn die Saison etwas später losgeht, hört sie halt auch etwas später auf."

Mit knapp einem Hektar Größe liegen die Betriebe der beiden im oberfränkischen Durchschnitt. Und beide blicken auf eine lange Familientradition im Spargelanbau zurück. Weil die Familie bei der Ernte hilft, haben die Hirschaider Erzeuger auch keine Schwierigkeiten bei der Organisation von zusätzlichen Erntehelfern, etwa aus dem Ausland.

"Bei Großbetrieben kann es schon eher zum Problem werden, wenn die Erntehelfer bestellt sind, dann aber in der Unterkunft sitzen und auf den Spargel warten müssen", sagt Ott.

Momentan sitzen aber auch er und Kollege Büttel wie auf Kohlen. Wann kommt der Spargel? Wie schnell kommt er? Bleibt die Temperatur konstant? Gerade der letzte Punkt ist wichtig für die Spargelanbauer. "Starke Temperaturschwankungen, eine Woche Frost mitten in der Saison, zum Beispiel im Mai. Das ist nicht gut", erläutert Ott. Der Geschmack des Spargels bleibe zwar gleich. Aber im schlimmsten Falle würden hohle Stangen wachsen. "Da gibt es auch unterschiedliche Meinungen, ob Temperaturschwankungen den hohlen Spargel fördern. Aber wenn sie ihn haben, müssen Sie ihn in der Mitte durchschneiden und innen und außen putzen."

Wenn der Spargel "explodiert"

Durchgehend schön warm soll es bleiben, das wünschen sich die Hirschaider Spargelanbauer. Ott und Büttel rechnen auch in dieser Saison damit, dass der Spargel "explodiert" - "das gibt es eigentlich jedes Jahr, dass er ein paar Tage so schnell wächst, dass man mit dem Stechen gar nicht hinterherkommt", sagt Ott.

So weit ist es allerdings noch lange nicht. Was macht ein Spargelerzeuger, wenn es noch keine Stangen zum Stechen gibt? "Na auf dem Acker stehen und warten, dass der Spargel wächst", scherzt Landwirt Alois Büttel.

Folie kann Temperatur regeln

Wenn das Gemüse denn zu wachsen beginnt, können die Spargelanbauer den Erntezeitpunkt zumindest ein Stück weit beeinflussen: Zeigt die schwarze Seite der speziellen Spargelfolie nach oben, wird das Erdreich darunter wärmer. Bei zu viel Hitze kann die weiße Seite die Erde, in die die Pflanzen eingebettet sind, dagegen einige Grad herunterkühlen.

Momentan sind die Folienbahnen auf den Feldern noch schwarz. Sie werden es wohl auch noch eine Zeitlang bleiben, bis es schön warm bleibt - und der Spargel "explodiert."