Das Thermometer hat die 30-Grad-Marke geknackt. Das Lamentieren über zu nasses und oder zu kühles Wetter weicht dem über Hitze. Mehr oder weniger. Wohl dem, der Urlaub hat und den Temperaturen angemessenen Beschäftigungen nachgehen kann. Was aber mit denen, die arbeiten müssen? Wir haben uns einmal umgesehen.

Gut getroffen, so müsste man meinen, haben es dieser Tage Hallstadts Freibadchef, Schwimmmeister Detlef Friedrich und seine Kollegen: Allein schon deswegen, weil Friedrich T-Shirt und Shorts trägt, seine Füße in luftigen Badeschlappen stecken dürfen und er berulich durchs Freibad laufen muss. Was cool aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Knochenjob. Zumal Friedrich zehn Stunden am Stück die Verantwortung für einen in jeder Hinsicht reibungslosen Bad-Betrieb trägt.

Mit zunehmenden Celsiusgraden steigt nicht nur die Zahl der Gäste, sondern auch deren Ansprüche. "Sie werden anspruchsvoller" und wohl auch gereizter, wie seine Schilderungen zeigen. Friedrich verbringt nahezu den ganzen Tag im Freien und plant seine Rundgänge strategisch so, dass er immer wieder unter Schirmen Schatten findet. Dennoch muss er die Haut mehrmals eincremen und viel trinken. Apfelschorle. Als "lang und hart" charakterisiert er jedenfalls die derzeitigen Arbeitstage.

Neun Stunden im Freien

Eine Woche schon absolviert Elena Christian ein Praktikum bei einer Landschaftsbau-Firma, die momentan in Hallstadt einen Garten anlegt. "Es ist furchtbar", stöhnt die 18-Jährige wissen, die dieses Praktikum für ihr Studium als Landschaftsarchitektin benötigt. "Ich bin nicht so der Mensch, der es warm mag", verrät sie. Dabei ist sie momentan täglich neun Stunden im Freien gefordert. Ihr "Kapo" Frank Martin (47) schmunzelt. Dabei bruzzelt er bei schätzungsweise 70 Grad in seinem Minibagger vor sich hin.

"Wenn man den verlässt, ist es draußen erfrischend." Seit 20 Jahren betreibt er Landschaftsbau. Aus dieser Erfahrung heraus findet er die momentane Hitze fast noch schöner, angesichts von Regen und Matsch als Alternativen. Bei Temperaturen wie jetzt trinke er eben mehr. Vier bis fünf Liter täglich. Spezi. Wenn er im Radio hört, dass Menschen in Büros schwitzen, könne er das gar nicht verstehen. "Die haben doch alle Klimaanlagen."

Nicht das Landratsamt. Im Vorzimmer des Landkreischefs sitzen Herta Gleichmann (63) und ihre Kollegin Laura Büttel (22) bei gefühlten 23 bis 24 Grad. Beide so luftig gekleidet wie erlaubt und mit ausreichend Wasser bevorratet. "Wir haben hier keine richtige Klimaanlage", erklärt Gleichmann. Ihre Anti-Hitze-Strategie besteht darin, von 7 bis 10 Uhr zu lüften und im Anschluss "die Schotten dicht zu machen," also alle Jalousien herunter zu lassen. Ansonsten setzt sie darauf, nun "alles a weng langsamer und meinem Alter entsprechend zu machen."

Für Pressesprecherin Stefanie Schuhmann (36) dagegen stellen die Temperaturen kein Problem dar. "Ich bin eher der Wärmemensch", sagt sie von sich. Weil sie es am Arbeitsplatz hell und luftig mag, ist das Rollo auch nur halb herunter gelassen und das Fenster gekippt. Womit hier gleich höhere Temperaturen als im Landratsvorzimmer herrschen. Luftige Bekleidung und Sandalen sind Schuhmanns Zugeständnis an den Sommer.

Eine Kugel Eis und etwas Sahne genehmigt sich da schon der Wasserwart der Marktgemeinde Rattelsdorf.
Zwischen seinen verschiedenen Außenterminen hat sich Karl Hornung in der Hallstadter Eisdiele die Erfrischung geholt. Ansonsten können ihn die gestiegenen und wohl weiter ansteigenden Temperaturen nicht schrecken, auch nicht bei Tätigkeiten im Freien wie etwa Rasenmähen, erklärt der 51-Jährige. "Ich schwitze nicht." Deswegen lebe er nun geradezu auf. "Diese Temperaturen, das ist mein Leben, da tut dir kein Knochen weh." Und als Krönung gibt's ab und zu auch noch mit einem Eis.

Schwitzen vor der Eisdiele

Das hat er bei Katharina (22) und Martina (19) geholt. Die beiden absolvieren eine gastronomische Ausbildung, bei der sie im Moment auch öfter selbst Eis verkosten dürfen. In der kühlen Eisdiele freilich sei es angenehmer zu servieren oder zu verkaufen, als auf der Freischankfläche. "Da kommen wir auch ins Schwitzen."