Paul Paptistella (15) wollte unbedingt in die "Kurzform" am "E.T.A". Seine Mutter war anfangs allerdings skeptisch. Also hat Paul eine schlechte Note in der Matheprobe mit nach Hause gebracht. Nicht, weil er nicht gelernt hatte. Stattdessen stellte er die Frage: "Warum soll ich mich anstrengen, wenn ich eh nicht an die Schule darf, an die ich möchte?"

Heute ist Linda Paptistella froh, dass sie sich mit ihrem Sohn zusammengesetzt hat und sich von ihm überzeugen ließ. "Es läuft bestens. Die Kurzform ist für Paul ideal", sagt sie. Aber woher die anfängliche Skepsis? "Ich wollte nicht, dass das Gymnasium ein einziger Kampf für ihn wird." Pauls Noten waren in der fünften Klasse Realschule nicht so gut, wurden ab der sechsten aber deutlich besser. "Ich war so froh und hatte die Sorge, dass es auf dem Gymnasium wieder nicht mehr läuft", äußert sie ihre Bedenken.

Aber Paul wollte es wissen.
Über seinen Cousin, der ans E.T.A. wechselte, erfuhr er von der "Kurzform". Dieser Weg zum Abitur ist in Bayern mittlerweile einzigartig. In Amberg wurde der Sonderweg im Bildungswesen bereits eingestellt.

In der Kurzform können Schüler, die die sechste Klasse Mittelschule (früher Hauptschule) bestanden und in Deutsch, Mathe und Englisch mindestens den Notendurchschnitt 2,0 haben und im Fach Musik die Note zwei oder besser im Zeugnis steht, zur siebten Klasse ans E.T.A.-Hoffmann-Gymnasium wechseln. Realschüler brauchen in den genannten Fächern den Notendurchschnitt 2,33 (in Musik ebenfalls mindestens eine Zwei). Zudem konnten bisher Schüler anderer Gymnasien nach der sechsten Klasse in die Kurzform wechseln, die in sechs statt acht Jahren zum Abitur führt.

Eignung zeigt sich erst später

Die Kurzform ist in erster Linie für Schüler mit musischer Begabung gedacht, die sich nach der vierten Jahrgangsstufe der Grundschule noch nicht für den Besuch eines Gymnasiums entscheiden konnten, deren Eignung sich aber später zeigt.

So wie auch bei Karolina Kraus. Die heute 22-Jährige studiert mittlerweile BWL und ist ehemalige Kurzform-Schülerin. In der Grundschule hatte sie Konzentrationsstörungen. Nach der fünften Klasse Mittelschule wechselte sie an die Realschule und wiederholte dort die fünfte Klasse.

"Nach der sechsten hatte ich endlich auch in Mathe die entsprechende Note und konnte in die Kurzform am E.T.A. übertreten. Das war genial", sagt Karolina. Sie sei wahnsinnig dankbar, dass es diese Möglichkeit gegeben habe.

Doch genau um die Zukunft "dieser Möglichkeit" sorgt sich Franz Stopfer, Vorsitzender im Elternbeirat des E.T.A.-Hoffmann-Gymnasiums. Ihn beunruhigt ein Schreiben des Bayerischen Kulturministeriums. Danach ist die Einrichtung von Kurzform-Klassen zum Schuljahr 2013/2014 nur möglich, wenn nach Abschluss der Anmeldewoche mehr als zwölf Schüler, die aus anderen Schularten aufsteigend an das Gymnasium übertreten, angemeldet sind.

"Das bedeutet, dass die Schüler, die bisher von anderen Gymnasien kamen, wegfallen. Es zählen nur noch diejenigen, die von der Mittelschule oder Realschule kommen", erläutert Stopfer. Er hofft sehr, dass sich die nötigen 13 Schüler finden werden. "Manche Kinder sind in der vierten Klasse einfach noch nicht so weit, andere entdecken ihre musische Begabung erst später. Diese Sonderform ist eine Möglichkeit, um den Bildungssektor durchlässig zu gestalten." Und sie sei nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal für Bamberg, sondern die ganze Region.
"Wenn einmal nicht genügend Schüler für eine neue Kurzform-Klasse zusammenkommen, ist das der Tod", befürchtet Stopfer.

Im Kultusministerium zeigt man sich dagegen gelassen. "Das Schreiben wiederholt den Rechtstatbestand beziehungsweise die Zielrichtung, die bei der Kurzform angedacht war", sagt Ludwig Unger, Sprecher des Kultusministeriums. Er geht davon aus, dass sich zum nächsten Schuljahr mindestens zwölf Schüler anmelden werden. "Der Einzugsbereich des E.T.A-Hoffmann-Gymnasiums ist nicht nur der Landkreis Bamberg, sondern auch Lichtenfels und Haßberge. Ich bin optimistisch, dass der Schulleiter genug Interessenten aus der Region findet."

"Ja, wir werden uns sehr anstrengen, um die nötigen Adressaten an den Mittelschulen und Realschulen zu erreichen", sagt Schulleiter Wolfgang Schubert. Auch er zeigt sich zuversichtlich, dass "wir das schaffen."

Das gleiche Niveau erreichen

Jedes Jahr sind unter den Abiturienten des E.T.A.-Hoffmann-Gymnasiums zehn bis 15 Schüler, die den Sonderweg Kurzform gewählt haben. Aktuell gehen 64 Schüler in vier Jahrgängen (Klasse sieben bis zehn) in Kurzform-Klassen. "Sie haben mehr Stunden als die Langform-Schüler - müssen sie doch in vier Jahren auf das Niveau kommen, dass andere in sechs Jahren erreichen", erklärt Schubert.

Ist die Stoffmenge für manchen Schüler nicht zu viel? "Es gibt natürlich auch in der Kurzform Wiederholer, vielleicht ein bisschen mehr als in der Langform", sagt der Schulleiter. Manche bräuchten eben noch ein zusätzliches Jahr.

Paul Paptistella ist bisher ohne ausgekommen. Karolina Krauß, ehemalige Kurzform-Schülerin sagt: "Natürlich muss man fleißig sein. Aber die meisten Kurzform-Schüler sind eh motiviert." In der Oberstufe treffen sie mit den Langform-Schülern zusammen, werden in der Qualifikationsphase (ehemals Kollegstufe) in Kursen unterrichtet.

Zum nächsten Schuljahr wird auch Paul in die gymnasiale Oberstufe übertreten. Seine Noten sind soweit okay, finden er und seine Mutter. Paul meint: "Ein bisschen besser könnten sie aber schon sein. Aber das Wichtigste für mich ist, das Abi zu machen - ohne eine Klasse wiederholen zu müssen."

Informationsabend:
Am Mittwoch, 13 März, findet in der Aula (Raum 301) des E.T.A.-Hoffmann-Gymnasiums ein Informationsabend für Eltern zum Thema Kurzform statt. Beginn ist um 19 Uhr.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des E.T.A.-Hoffmann-Gymnaisums.