Es geht los! Am zweiten Altar, dem der Kommunionkinder tröpfelt es. Regnet's?. "Eigentlich nicht", merkt die Mutter von Kommunionkind Christin tapfer gegen das Nass von oben an. Dekan Albert Müller befürchtet schon, dass sich die vielen tausend Pilger nicht mehr auf die Worte und Gesänge konzentrieren. Für Markus Habersack und seine Kollegen von der Garde steht einfach fest: "Es regnet nicht." Eben weil es am Blutsfest nicht regnet! Das gehört zur Tradition des Festes, das jedes Jahr am Donnerstag nach Fronleichnam Tausende hierher führt; beim 550, Jubiläum sind es noch mehr.

Ein fester Termin ist das "Blutsfest", wie die Wallfahrt zum Heiligen Blut kurz heißt, für Pfarrer Wolfgang Schmidt aus Pettstadt. Seine persönliche Blutsfest-Tradition. Seit Jahren hält er die erste Messe in der Blutskapelle. Um 4 Uhr. Da sind auch schon junge Mädchen und Frauen wie Katharina Habersack auf der Straße aktiv: Sie legen Blumenteppiche. Vor jedem der vier Altäre, zu denen die Prozession nach dem Festgottesdienst führt, einen. Vor der Kapelle kreieren Britta Rauscher (34) und Helena Dietz (17) das Blüten-Kunstwerk. Dafür kommt die 34-Jährige, die nun in Oberhaid wohnt, eigens hierher. "Das Fest bringt Leute in Bewegung," freut sich Schmidt.

Kurz vor acht wird's ernst. Die Marktstände stehen. Valentin Dorn (62) vom Bauhof sieht nach dem Rechten. Denn auch die Stände gehören zur Tradition des Festes. Und dass Verwandtschaft kommt. "Früher hat man vom Paten oder Onkel ein Spielzeug bekommen", erinnert sich Dorn. Wie alle Burgwindheimer ist auch er in die verschiedenen Funktionen hineingewachsen. Nach dem Ruhestand wird er sicher weiter involviert bleiben. Erstmals seit 58 Jahren ohne Funktion darf Xaver Nistler (63) das Fest genießen. Gattin Anneliese (61) dagegen erlebt beim Stand des Frauenbundes einen wahren Run auf Jubiläums-Artikel - eine neue Tradition?

Traditionell aufgeregt, obwohl sie's eher nicht eingestehen, sind die Kommunionkinder vor ihrem großen Auftritt am zweiten Altar. Vor dem Festgottesdienst gibt Pfarrsekretärin und Mesnerin Elke Bätz ihnen letzte Instruktionen. In der Kirche dürfen sie den Erzbischof begrüßen. Der Gesangverein entzückt von der Empore aus. Beim Wallfahrtsgeschehen draußen brilliert die Jugendblaskapelle, die Garde sorgt fürs Geleit - alles wie gewohnt.

Seit Ludwig Schick das Erzbistum Bamberg lenkt, kommt er nach Burgwindheim, "gerne", wie er betont und mahnt, das große Glaubensfest unbedingt lebendig zu halten: "Es soll in den nächsten Jahren und Jahrhunderten fortgeführt werden" weshalb er bereits sein Kommen fürs 551. Blutsfest verspricht. Alles andere hätte die vielen treuen Wallfahrer und Pilger gewundert. Zu denen zählen wohl auch Barbara Fischer (72) aus Unterneuses, oder Reta Schellhorn (86) aus Reichmannsdorf. "Man muss doch Buße tun", findet sie. Nichte Luise Kromer (58) und Tochter Kristina (27) haben sie hierher gebracht. "Interessant, dass so viele Menschen sich die Zeit nehmen und herkommen und so viele sich die Mühe machen, das Fest zu gestalten", sagt die Jüngste anerkennend.

Blutsfest gibt einem etwas

Seit er Rentner ist, hat Johann Merkel (78) Zeit, das Blutsfest zu besuchen. Es gebe ihm viel, "da behält man was." Im Unternehmen der Familie Schattle müssen am Blutsfest die Mitarbeiter ran. Denn Katrin (34) und Thomas (36) ist das Fest wichtiger. Töchterchen Emiliy (3) streut Blumen und ihr älterer Bruder Leon ist ebenfalls aktiv. "Sie wachsen in die Tradition hinein", sagt die Mama. "Es gehört dazu, wenn man hier wohnt, dass man teilnimmt", das weiß bereits Mathias von Borany, der erst seit kurzem hier wohnt. Mit seinen Kindern Jonathan (5) und Mathilda (3) ist er selbstverständlich zur Prozession gekommen. Sie werden in die Tradition hineinwachsen.

Gerne ginge Petra Uri in den Festgottesdienst und zur Prozession. Weil das Eine-Welt-Zentrum sich an diesem Tag immer für die Gäste öffnet, ist sie hier gefragt. Die 50-Jährige betrachtet ihr Engagement gleichfalls als Beitrag zum Glaubensfest. Wenn die Eucharistie hier so verehrt wird, dann müsse da doch was dahinterstecken, philosophiert ein profunder Fest-Kenner: Bezirkstagspräsident a.D. Edgar Sitzmann. Das steht für Dekan Müller zweifelsohne fest. Am Ende freut Müller sich über ein rundum gelungenes Jubiläums-Fest. Ein - traditionell - regen-freies.