Saada (5), Sofia (4) und Yasmina (3) stürzen sich auf das Backblech und wollen naschen. Der Kuchen, den ihre Mutter Bella Suleymanova gebacken hat, duftet auch zu verführerisch. Doch die drei Mädchen müssen sich gedulden: Erst am Nachmittag steigt das Sommerfest in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Aschbach. Kathrin Kirkskothen, die sich ehrenamtlich um die Bewohner kümmert, hat dieses kleine Fest besonders für die Kinder organisiert.

Etwa 70 Personen sind derzeit in dem Aschbacher Haus untergebracht, vor allem Familien aus Tschetschenien, Aserbaidschan, Georgien, Armenien, Ukraine, Eritrea, Äthiopien, Iran. Wildfremde müssen sich also die Unterkunft teilen: "Das ist eine permanente Hotelsituation und kein Urlaub, niemand kann sich zurückziehen", weiß Carola Wieland von der Arbeiterwohlfahrt (Awo), die im Auftrag der Regierung von Oberfranken beziehungsweise des untergeordneten Landkreises Bamberg die Asylsozialberatung in Aschbach leistet. Zwar würden sich viele der Asylbewerber sprachlich verstehen. Doch das bedeute nicht zwangsläufig, "dass sie sich wirklich verstehen", bringt die Diplom-Pädagogin das explosive Gemisch auf den Punkt.

Bella, die aus Tschetschenien stammt, bestätigt diesen Eindruck. Sie könne sich wohl mit etlichen auf Russisch verständigen. Aber jeder sei in seinem je eigenen Schicksal verfangen, kämpfe für sich um einen Aufenthaltsstatus und mit der abgelegenen Lage der Unterkunft in Aschbach am Rande des Landkreises Bamberg.


Stadt in der Pflicht

Gleichwohl hat sich Bella, eine studierte Lehrerin für Russisch, Englisch und Literatur, jetzt mit anderen Müttern zusammengetan: Sie wollen Deutsch lernen, brauchen aber für die Zeit des Kurses eine Betreuung für ihre Kinder. Auch die Buben und Mädchen von Asylbewerbern haben denselben Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz wie einheimische Kinder. Somit ist die Stadt Schlüsselfeld in der Pflicht, entsprechende Plätze zur Verfügung zu stellen.

Im Ortsteil Aschbach sind die Kapazitäten jedoch begrenzt: Der katholische Kindergarten St. Marien ist voll belegt und kann nur noch zwei Vorschulkinder von Asylbewerbern aufnehmen. Bleiben noch mindestens zwölf weitere Kinder im Alter von ein bis fünf Jahren, die unterkommen müssen. Und tatsächlich könnte sich für sie eine Tür öffnen: "Wir haben mit unserem neuen Erweiterungsbau und der Betriebserlaubnis die Plätze und das Personal", erklärt Kunigunde Schellhorn, Leiterin der katholischen Kindertagesstätte St. Sebastian mit Familienstützpunkt im Ortsteil Reichmannsdorf.

Vor allem hätte diese Kita - Krippe, Kindergarten, Hort - auch die Kompetenz und Erfahrung, den Kleinen wie etwa Bellas Töchtern eine angstfreie Beheimatung zu geben, Traumatisierungen zu heilen, Spracherwerb zu fördern, unerlässliche Werte zu vermitteln.

"Wir sehen Andersartigkeit als Chance und Bereicherung", macht Kunigunde Schellhorn klar, dass auch die muslimischen Kinder der Asylbewerber willkommen sind und integriert werden können. Mit der Diplom-Sozialpädagogin Monika Losgar habe die Kita St. Sebastian sogar eine ausgebildete Fachkraft für Integration im Personalteam. Oder mit Carmen Kübrich eine ausgewiesene Fachpädagogin für Krippenkinder.


Viele Widerstände

Schon seit geraumer Zeit beschäftigt sich Leiterin Schellhorn mit der drängenden Frage, wie die Familien in der Aschbacher Asylbewerberunterkunft unterstützt werden könnten. Sie stößt auf Widerstände, Vorurteile, Hindernisse - und bleibt dennoch mutig in der Spur. "Wir haben gerade als Kirche die Verantwortung, uns um Menschen zu kümmern, die am Rande stehen und ausgegrenzt werden", begründet Kunigunde Schellhorn ihren Einsatz.

Bei diesem weiß sie sich unterstützt vom Träger ihrer Kita, der Kirchenstiftung St. Sebastian Reichmannsdorf, und dem dortigen bisherigen Ständigen Diakon Burkhard Farrenkopf, der trotz seines Wechsels zur Jugendburg Feuerstein noch der pfarrliche Verantwortliche für die Kindertagesstätte ist. "Wir müssen für Menschen auf der Flucht da sein", betont der Diakon.

Doch als ob dieses Dasein so einfach wäre. Kunigunde Schellhorn hat wohl inzwischen mit dem Kreisjugendamt geklärt, dass der Kindergartenbeitrag für die Asylbewerberkinder sowie die Kosten für das Mittagessen bis auf den obligatorischen Eigenanteil von einem Euro übernommen werden. Das ist eine gesetzliche Regelung, die auch für einheimische Eltern gilt, die Grundsicherung oder Hartz-IV-Leistungen bekommen.


Wer übernimmt die Kosten?

Als ungelöstes Problem erweist sich nun der Transport der Kinder von Aschbach ins 14 Kilometer entfernte Reichmannsdorf. Keine Behörde ist dazu verpflichtet, die Fahrtkosten zu übernehmen. Auch die Stadt Schlüsselfeld stellt aus ihrem Haushalt dafür keine Gelder zur Verfügung.

Bürgermeister Johannes Krapp (CSU) beruft sich auf "Gleichheits- und rechtliche Gründe": "Im Hinblick auf die Akzeptanz der Flüchtlinge in der heimischen Bevölkerung wäre es fatal, den Flüchtlingen Rechte zu gewähren, die wir den Eltern vor Ort nicht zugestehen dürfen", teilte Krapp Kunigunde Schellhorn auf ihre Anfrage hin mit.

Ein örtliches Busunternehmen wäre bereit, die Kinder mit einer erwachsenen Begleitperson zu transportieren: für 60 Euro pro Tag, macht 1200 Euro im Monat. Eine Summe, die auch die Kirchenstiftung St. Sebastian nicht aufbringen kann, wie Johann Güttler aus der Kirchenverwaltung bedauert.


Die Zeit läuft davon

So schreiben Kita-Leiterin Schellhorn und Diakon Farrenkopf Bettelbriefe an mögliche Sponsoren, Institutionen und Einzelpersonen. "Uns läuft die Zeit davon", befürchten die beiden, dass der Kita-Besuch der Kleinen am Geld scheitern muss. Auch Awo-Asylsozialberaterin Wieland streckt ihre Fühler in alle nur denkbaren Richtungen aus, um Abhilfe zu schaffen. Bisher sind die Bemühungen vergeblich.

Bella, ihr Ehemann Salyakh und ihre Töchter wollen auf jeden Fall in Deutschland bleiben. Ihr Status als politische Flüchtlinge ist inzwischen die Duldung, also die Aussetzung der Abschiebung. Mit Zustimmung der Ausländerbehörde ist den Eltern eine Erwerbstätigkeit gestattet. Voraussetzung dafür sind natürlich Deutschkenntnisse.

Salyakh hat bereits einen entsprechenden Kurs absolviert, Bella könnte nun einen regulären Integrationskurs zur Erstorientierung und zum Spracherwerb in Bamberg besuchen. "Meine Kinder sollen im Kindergarten Deutsch lernen, das ist sehr wichtig für sie", sagt die 32-jährige Mutter und schaut liebevoll auf ihre Mädchen.
Wer in Sachen "Transport" helfen kann, möge sich melden. E-Mail schreiben an: st-sebastian.reichmannsdorf@kita.erzbistum-bamberg.de.