Gleich zwei leibhaftige Benediktiner hatten die Herausgeber zur Präsentation ihres opulenten Werkes "1000 Jahre Kloster Michaelsberg" ins Stadtarchiv mitgebracht. Domkapitular Norbert Jung, Leiter der Hauptabteilung Kunst und Kultur im Erzbischöflichen Ordinariat, und Holger Kempkens, Chef des Diözesanmuseums, freuten sich sichtlich, somit einen Hauch benediktinischer Tradition in Bamberg wiederbeleben zu können. Die Mönche Pater Franziskus Büll aus der Abtei Münsterschwarzach und Bruder Silvester Jorinka aus der Erzabtei Pannonhalma (Unesco-Weltkulturerbe in Ungarn) nahmen geduldig und bescheiden die besonderen Willkommensgrüße entgegen.

Und zwar in der überlegenen Weisheit von älteren Brüdern der einstigen Michelsberger Mönche: Münsterschwarzach wurde schon im Jahr 877 von Benediktinern besiedelt, Pannonhalma 996, Bamberg bekanntlich "erst" 1015.

Diesem 1000-jährigen Jubiläum widmet sich das beachtliche Ausstellungsprojekt "Im Schutz des Engels ..." an den fünf Standorten Diözesanmuseum, Historisches Museum, Staatsbibliothek, Staatsarchiv und Stadtarchiv. Der Begleitband und Katalog liegt nun vor: "ein neues Standardwerk über das Kloster Michael", wie Holger Kempkens die Publikation einordnete. Diese werde der Bedeutung des Michaelberges nicht nur in inhaltlicher, sondern auch in ästhetischer Hinsicht voll und ganz gerecht, ergänzte Domkapitular Jung.

Tatsächlich bietet dieses pralle Geschichts- und Geschichtenbuch eine Fülle an bekannten und weniger bekannten Fakten, Daten, brillanten Fotos, die zum Einen wissenschaftlichen Ansprüchen hoch genügen, zum Anderen dem Heimatinteressierten erhellenden Lesestoff bieten. In 27 Essays entfalten namhafte Autoren ein überzeugendes Kaleidoskop an fundiertem Wissen über das Kloster Michaelsberg im Spiegel der Jahrhunderte.

Der fast 700 Seiten umfassende, großzügig bebilderte Foliant entfaltet Aspekte der Ordens-, Kloster- und Kulturgeschichte des Michaelsberges und damit auch Bambergs und Oberfrankens. Eigene Aufsätze widmen sich zudem der bis heute andauernden Zeitspanne nach der Säkularisation 1802/03. Was hat es mit der Bürgerspital-Stiftung, dem nunmehrigen Eigentümer der Klosteranlage, auf sich? Wie sah die Städtische Kunstsammlung auf dem Michaelsberg aus? Auch auf solche Fragen geben Experten Antwort.

Und natürlich ebenso auf das aktuelle Fragezeichen, dass Bamberg umtreibt: Wie wird die Klosterkirche St. Michael wieder fit für die nächsten 1000 Jahre? Das Gotteshaus musste bekanntlich am 8. November 2012 auf Grund erheblicher statischer Probleme für die Öffentlichkeit geschlossen werden. Der berühmte Himmelsgarten droht einzustürzen. Der Leser des entsprechenden Beitrages kann die Schritte nachvollziehen, die erforderlich sind, um dieses einzigartige Denkmal wieder zugänglich machen zu können.

Ob die Benediktiner früherer Jahrhunderte von ähnlichen Sorgen geplagt wurden? Selbst Pater Büll aus Münsterschwarzach weiß es nicht, der als promovierter Historiker den Aufsatz "Benediktinisches Leben in Franken vor 1015" beigesteuert hat. "Der Michelsberg gehört zu den älteren Klöstern, ist aber nicht das älteste in Franken", erklärte der Pater und verwies auf Michaelsberger Gründungsmönche aus Amorbach, Fulda und Münsterschwarzach.

Facettenreiche Details finden sich in dem überaus empfehlenswerten Buch, dass sich "für Mord und Totschlag eignet", wie Norbert Jung humorig meinte. Er spielte damit auf das stattliche Gewicht des Bandes an - etliche Kilos, die niemand als Bettlektüre stemmen wird. Auch nicht als Begleiter durch die Ausstellungen. Doch die ausführlichen Erläuterungen der einzelnen hochkarätigen Exponate im Katalogteil können auch daheim nachgelesen werden. Sozusagen im Schutz des Erzengels Michael. Er galt auch als "Helfer in irdischen Schlachten", wie der Domkapitular in seinem Essay "Zur Verehrung des heiligen Erzengels Michael" erwähnt.

Das im "Michael Imhof Verlag" erschienene Buch ist zum Preis von 49,95 Euro an den Kassen der Ausstellungsstandorte, im "Bamberger Stiftsladen" auf dem Michaelsberg sowie im Buchhandel erhältlich.