Wie können der "Riese" Sozialstiftung Bamberg und der "Zwerg" Krankenhaus St. Jean de Dieu im Senegal voneinander lernen, profitieren? Die Bistumspartnerschaft zwischen Bamberg und Thiès eröffnet da ungeahnte Kooperationen. Diese Partnerschaft versteht sich auch als Solidargemeinschaft: einander verbunden in Freud und Leid, in gegenseitigem Austausch. So ist es nicht verwunderlich, dass die Bamberger Partner ein besonderes Augenmerk auf Einrichtungen in Thiès richten, die für Menschen in Notlagen da sind. Wie das Krankenhaus St. Jean de Dieu, das einzige im Senegal in katholischer Trägerschaft.

Dessen Verwaltungsdirektor, Frère Brice Luc Ouendo, gehörte zur Delegation aus dem Bistum Thiès, die anlässlich der Feiern zum zehnjährigen Partnerschaftsjubiläum nach Bamberg gekommen war. Die Gelegenheit war also günstig, die dank der Initiative einer in der Bistumspartnerschaft ehrenamtlich Engagierten entstandenen Kontakte mit der Sozialstiftung zu vertiefen. Zumal Erzbischof Ludwig Schick und Bischof André Guèye (Thiès) die Krankenhauskooperation inzwischen zur Chefsache erklärt haben.


Wunsch: echte Notaufnahme

Xaver Frauenknecht, Vorstandsvorsitzender der Sozialstiftung, begrüßte seine Gäste aus Afrika und erinnerte an die kürzliche Kunstausstellung "Farben des Senegal" im Foyer des Klinikums. Die Bedeutung dieses Besuches unterstrichen auch Ärztlicher Direktor Georg Pistorius, weitere Ärzte des Klinikums sowie Parlamentarischer Staatssekretär Thomas Silberhorn aus dem Bundesentwicklungsministerium. Die Gastgeber zeigten sich positiv überrascht über den Standard des Krankenhauses St. Jean de Dieu, das Frère Brice Luc Ouendo mit einer Power-Point-Präsentation vorstellte.

"Unser Herzensanliegen ist, eine richtige Notaufnahme aufzubauen", erklärte der Verwaltungsdirektor. Denn bisher würden Notfallpatienten auf den regulären Stationen behandelt, was eine große Belastung für das Krankenhauspersonal bedeute. Wichtig sei auch, so Frère Brice, dass die Ärzte fortgebildet werden könnten im Blick auf neue Diagnosetechniken in der Notfallmedizin und spezielle medizinische Geräte.

Auf finanzielle Unterstützung beim Bau einer Notaufnahme konnte sich Xaver Frauenknecht nicht einlassen. Ein Transfer von Fachwissen sei jedoch möglich, wie auch Ärztlicher Direktor Pistorius unterstrich: "Wir brauchen eine kleine Gruppe von unseren Ärzten, die vor Ort schauen und ausloten, was wirklich gebraucht wird."


Seitz soll Team organisieren

Chefpathologe Gerhard Seitz wurde dazu auserkoren, möglichst bald ein solches Team zu organisieren. Bischof Andrè Guèye zeigte sich erfreut: "Sie sind jederzeit willkommen in Thiès! Die Einladung an die Verantwortlichen des Klinkums Bamberg ist ausgesprochen!"

Staatssekretär Thomas Silberhorn (CSU) berichtete von einem neuen Programm seines Ministeriums, nachdem es für Kontinente übergreifende Krankenhauskooperationen Fördergelder gebe. Er empfahl der Sozialstiftung Bamberg, einen entsprechenden Antrag zu stellen mit dem Schwerpunkt für Aus- und Fortbildung. Wie das Klinikum ist auch das Hospital in Thiès akademisches Lehrkrankenhaus. Die Senegal-Delegation bekam auch eine Exklusivführung durch die Notaufnahme, die deren Chefarzt Joachim Knetsch vornahm.