Schaum auf Regnitz und Kanal gibt Rätsel auf: Auf der Wasseroberfläche der Regnitz und des Main-Donau-Kanals schwimmt derzeit ein immenser Schaumteppich. In der Nähe der Bamberger Schleuse tritt das seltsame Schauspiel besonders deutlich zutage. Es scheint, als wäre der Inhalt mehrerer Hundert Waschmittelpackungen ins Wasser gekippt worden. Doch kann dies wirklich der Auslöser für die rätselhaften weißen Schaumkronen sein? 

Nein - zumindest nicht im vorliegenden Fall. "Waschmittel können wir ausschließen", erklärt Jörg Blömer von der Außenstelle Neuses des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Donau MDK inFranken.de. "Der Schaum ist organischen Ursprungs". Infolge von Starkregen und Hochwasser wie unlängst im Umfeld der Aisch gebe es sehr viele "Einschwemmungen" von Blüten, Laub oder Holz. "Das ergibt dann diesen Effekt, dass es schäumt." Das nicht alltägliche Phänomen trat demnach neben Bamberg auch in Neuses, Forchheim und Hausen auf.

Schaum auf Kanal und Regnitz: Bamberger Wasserschutzpolizei regelmäßig im Einsatz

Zu Schaumbildung auf Gewässern kommt es Blömer zufolge immer wieder. Eine mögliche Ursache hierbei: synthetisch hergestellte Tenside, wie sie etwa in Waschmitteln oder Putzmitteln enthalten sind. In Verbindung mit Sauerstoff und aufgewühltem Wasser erzeugen sie Schaum. Tritt Schaum auf Kanal oder Regnitz auf, kommt die Bamberger Wasserschutzpolizei zum Einsatz. "Unsere dortigen Kollegen nehmen dann Proben. Rückstände von Waschmitteln wurden aber noch nie gefunden", berichtet der Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts, "obwohl wir das anfangs auch gedacht haben."

In der Regel gibt es für den Schaum auf Flüssen, Bächen oder Seen einen natürlichen Auslöser. Dort bildet sich Schaum etwa, wenn sich im Wasser viel organisches Material wie Holz oder Laub befindet, das sich nach und nach zersetzt. Das Phänomen ist also keineswegs neu. Wasser-Fachmann Blömer hält diesbezüglich indes fest: "Jetzt ist es stark ausgeprägt". Grund ist demnach das derzeitige Hochwasser in zahlreichen fränkischen Gegenden infolge des Dauerregens. Aus Zuflüssen wie der Aisch, der Reiche Ebrach und der Rauhe Ebrach, die zuletzt allesamt nur wenig Wasser verzeichneten, werde nun "alles, was im Graben ist" herausgespült. Dabei handelt es sich beispielsweise um Pflanzen, Sand oder modriges Holz. 

"Das kommt alles in die Regnitz und fließt später bei der Hainspitze in den Kanal hinein", erklärt Blömer. "Unterhalb der Schleuse in Bamberg sammelt sich dann alles." Dies hänge letztlich auch mit dem dortigen Wehr zusammen. "Wenn das Wasser am Wehr herunterläuft und sich dort in einer Art Walze dreht, dann schäumt es natürlich. Wo das Wasser herunterfällt und belüftet wird, kommt es zu Schaum." Gefahr für Mensch und Umwelt besteht Blömer zufolge nicht. "Es sieht nicht schön aus. Es riecht manchmal auch etwas fischig." Aber: "Das ist nichts Bedenkliches."

Main-Donau-Kanal in Forchheim: "Tonnenweise Holz" versperrt Wasserkraftwerk

Neben Bamberg bildete sich auch in Neuses, Forchheim und Hausen weißer Schaum auf dem Main-Donau-Kanal. "Dort schäumt es auch, da sieht es genau so aus", sagt Blömer.

Am Wehr im Forchheimer Stadtteil Buckenhofen kommt es demnach am Dienstag (13. Juli 2021) sogar zu einem größeren Einsatz. "Dort müssen wir ganz viel Totholz bergen. Dafür brauchen wir einen Bagger und einen Lkw", berichtet Bauingenieur Blömer. "Da fahren wir wahrscheinlich zehn bis zwanzig Fuhren weg."

Die Massen an Totholz versperren demnach aktuell die Anlage des örtlichen Wasserkraftwerkbetreibers. "Wir holen momentan wirklich tonnenweise Holz heraus." Auch dies ist eine Folge des jüngsten Unwetters in der Region. "Forchheim ist gerade ganz schlimm", konstatiert der Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts. 

Im Landkreis Erlangen-Höchstadt stand der Wasserpegel am Wochenende bei über sechs Metern, der höchste jemals gemessene Stand. Auch am Dienstag warnt der Deutsche Wetterdienst vor schwerem Gewitter. In mehreren fränkischen Regionen kann es über den Tag stark regnen. In einigen Gegenden besteht auch Überschwemmungsgefahr.