• Wildes Gerücht: Metzgerei Alt in Bamberg soll angeblich schließen 
  • Metzgerei-Chef zutiefst verärgert: "werde rechtliche Schritte einleiten"
  • Hintergrund ist eine kuriose Verwechslung - Eindringlicher Appell an die Kunden 
  • Geschäft läuft trotz Corona-Krise gut: "Wir können nicht jammern"

Bamberger Traditionsmetzger fürchtet Kundenschwund nach wilden Gerüchten um Schließung: Matthias Alt betreibt gemeinsam mit seiner Frau die Metzgerei Alt in der Bamberger Ehrlichstraße. Das Traditionsgeschäft mit selbstproduzierten Wurst- und Fleischwaren gibt es bereits seit 1934. Doch jetzt bedrohen Gerüchte über eine mögliche Schließung den Laden. Gegenüber inFranken.de klärt Alt über die Hintergründe der Spekulationen auf - und wie es mit seinem Geschäft wirklich weitergeht. 

Bamberger Traditionsmetzger: Gerüchte um Schließung machen Chef wütend

"Das geht jetzt schon über ein Jahr lang, dass mich Leute fragen, ich würde doch beim Böhnlein arbeiten", so Metzgerei-Chef Alt. Mittlerweile mache er schon selber Witze, er sei "Sicherheitsbeauftragter im Nebenjob" bei dem Metzgereibetrieb am Bamberger Schlachthof. Doch nach Späßen ist Alt mittlerweile nicht mehr zumute. 

"In der letzten Woche sind bei mir dann die Alarmglocken angegangen", sagt Alt. Gleich mehrere Kunden und Kundinnen hätten angerufen, um sich zu erkundigen, ob die Bamberger Metzgerei bald schließe. "Eine Kundin meinte am Telefon, eine Freundin hätte erzählt, dass der Alt zumacht. Dann hat sie gefragt, wo sie denn in Zukunft einkaufen gehen soll."

Es habe ihm wehgetan, Sätze zu hören wie "wenn du jetzt zumachst, brauchen wir auch gar nicht mehr zu kommen", erzählt der Fleischermeister, dessen Großeltern den Laden ab 1934 geführt hatten. Deshalb habe er sich entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen und bei Facebook ein Statement zu veröffentlichen. "Auf den Post haben knapp 100 Leute reagiert und er würde über 50 Mal geteilt, auch von vielen Kunden, da merkt man schon, wie die Leute das interessiert", erzählt er. 

"Die Leute verwechseln das": Bamberger Metzgereichef spricht von "unglücklichem Zufall"

"Wir schließen nicht, dafür gäbe es auch keinen Grund", schreibt Matthias Alt auf seiner privaten Facebook-Seite. Und klärt auf, wie das wilde Gerücht zustande kommt: "Beim Böhnlein jedoch gibt es einen Mitarbeiter, der auch Matthias Alt heißt. Wir sind schon oft 'vertauscht' worden", so Alt in seinem Statement weiter. 

Der Fleischermeister sorgt sich darum, dass durch das Gerücht langjährige Kunden einfach wegbleiben könnten. "Den Menschen, die dieses Gerücht verbreiten, sei angeraten sich erst zu informieren. Wenn Kunden sagen, da brauch ich nicht mehr hin, weil der eh zumacht dann ist das schon sehr bedenklich."

Und Alt droht: "Daher werde ich alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um gegen dieses Gerücht anzugehen!" Seinen Post schließt er mit "Matthias Alt, nicht der vom Böhnlein". Aber nicht nur diese Geschichte macht Alt Bedenken. Auch weil eine andere Traditionsmetzgerei in der gleichen Straße kürzlich die Schließung am 10. Juli 2021 beschlossen hat, würden einige Leute glauben, dass es Alt sei, der bald nicht mehr öffne. 

"Wir können nicht jammern": Metzger erklärt, warum er keine Probleme in der Krise hat 

Dabei laufe sein Geschäft trotz Corona-Krise gut, erklärt der Fleischermeister. "Wir können nicht jammern. Ich bin dankbar, dass wir offen lassen durften." Für das allgemeine Metzgerei-Sterben sieht er andere Gründe: "Wenn ich über Jahre hinweg Investitionsstau habe, drückt es mich irgendwann weg. Und wenn alle nur Fabrikfleisch anbieten, dann können die Kunden gleich bei Rewe oder Edeka einkaufen."

Er sei der Meinung, "ein Metzger sollte seine Wurst selber machen". Dafür ständen seine Frau und er jeden Tag bereits um drei Uhr morgens auf, um erst zu produzieren und anschließend "im Laden an der Theke zu stehen". Dafür müsse man damit leben, dass es bestimmte Produkte manchmal "zwei bis drei Wochen" schlicht nicht gebe. Seine Kunden kämen für die Waren, die alle aus dem regionalen Umland stammten, trotzdem teils "50 Kilometer weit hergefahren". Und so, wünscht sich Alt, soll das auch bleiben - ohne weitere kuriose Verwechslungen.

Davon hat man bei der Metzgerei Böhnlein in Bamberg selbst noch wenig mitbekommen. Der Fleischverkäufer mit demselben Namen wie der Ladeninhaber sei momentan im Urlaub, so ein Sprecher auf Anfrage. "Allerdings kann ich mir kaum vorstellen, dass es hier ein ähnliches Problem gibt. Die Leute rufen schließlich nicht bei uns an, um einen bestimmten Mitarbeiter zu sprechen", so der Sprecher und lacht. 

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