Der Dom, das Alte Rathaus oder vielleicht die Altenburg? Willibald Mertl hat sich lange geweigert, die Orte in Bamberg zu malen, die Touristen anziehen. "Wir Bamberger haben oft das Gefühl: Wenn wir dieses oder jenes Motiv umsetzen, schaffen wir etwas für die Touristen", sagt Mertl.

Aber: "Es geht darum, zu zeigen, wie jemand aus Bamberg seine Heimat zeichnet. Deswegen funktioniert die Ausstellung", sagt Ekkehard Arnetzel, Stadtheimatpfleger und Zweiter Vorsitzender der Interessengemeinschaft "InteresSand".

Seine Heimat zeichnet Künstler Willibald Mertl, der im Hauptberuf Architekt ist, seit 2007. Damals hat er angefangen, mit Acrylfarben und Permanent-Markern Bamberger Motive auf die Leinwand zu bringen.
Besonders haben es ihm Felder, Wälder und Ortsränder in der Bamberger Umgebung angetan. "Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, habe ich immer eine Digitalkamera dabei.
Falls ich einen Ausschnitt sehe, den ich malen will." Ein Motiv findet er so gut wie immer und überall, "die liegen bei uns vor der Haustür."

Kräftige Farben

Mertl steht nie vor der Leinwand und überlegt. Das Bild, das er malen möchte, hat er bereits im Kopf. Als Vorlage dient das Foto, das er unterwegs mit der Kamera geschossen hat. Daran orientiert er sich. "Die Proportionen müssen genau stimmen", betont Mertl.

Er verwendet kräftige Farben, aus seinen Werken darf es heraus leuchten. Sein Lieblingsbild, auf dem er ein gelbes Feld bei Tütschengereuth festgehalten hat, ist unverkäuflich. Die anderen quadratischen Werke können sich Kunstliebhaber ins Wohnzimmer holen. Welche Botschaft werden sie aus den Werken herauslesen?
"Es geht nicht um eine bestimmte Aussage. Wenn die Leute meine Bilder anschauen, sollen sie sich fragen, wo sich der Ausschnitt befindet, den sie sehen. Und dann den Anblick genießen."

Stadtheimatpfleger Ekkehard Arnetzel ergänzt: "Die Betrachter sollen angeregt werden, wieder genauer hinzuschauen, lustvoll ihre Umgebung wahrzunehmen." Umgebung, das ist nicht nur die Natur im Umland oder Wahrzeichen in der Stadt. Mertl malt, was ihm ins Auge springt.

Das kann ein Bagger bei Nacht auf dem Feld sein. Oder die Ottokirche mit ihrem grünen Dach. Oder - ein Blick auf die Hochhäuser an der Starkenfeldstraße. "Jede künstlerische Auseinandersetzung - auch jenseits der Bamberger Selbstwahrnehmung - ist für uns heimatpflegerisch interessant", sagt Arnetzel.

Interessant sei es auch, Willibald Mertls Kunst einmal abseits der Sandkerwa zu betrachten. Seit 1983 gestaltet er die Plakate und Anstecker zur Sandkerwa. "Es ging uns eben nicht darum, was am naheliegensten war. Bei einer Ausstellung mit Willi Mertl muss es sich nicht zwangsläufig um eine Sandkerwa-Plakate-Ausstellung handeln", betont Arnetzel.

Bei "Bamberg im Quadrat" gehe es um Mertls Heimat-Ansichten, nicht nur die eines Bambergers. Sondern von jemandem aus dem Quartier, dem Sandgebiet, der "eine zeitgenössische Interpretation von Vertrautem" zeige.
Wer sich diese Interpretation ansehen möchte, kommt ins Kesselhaus in der Unteren Sandstraße (Öffnungszeiten siehe Infobox). Vielleicht läuft einem ja der Künstler persönlich über den Weg - oder er ist gerade wieder unterwegs, auf dem Fahrrad im Bamberger Umland, mit der Digitalkamera im Rucksack.