Für Peter Gack, den grünen Haushaltexperten, war es mehr als ein zufälliges Zusammentreffen zweier Ereignisse. Für ihn besteht ein logischer Zusammenhang: Am vergangenen Dienstag hat die Regierung von Oberfranken der Stadt im Finanzsenat noch kritische Worte ins Stammbuch geschrieben. Die Personalkosten im Rathaus Bamberg, mittlerweile bei 36,7 Prozent der Kosten des Verwaltungshaushalts angelangt, kennen seit Mitte des letzten Jahrzehnts nur noch eine Richtung: Von 53 Millionen Euro im Jahr 2005 kletterten sie auf 67,5 Millionen Euro im Jahr 2014. Und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die 70-Millionen-Euro-Grenze durchbrochen wird.
Am Tag danach stimmte eine klare Mehrheit im nicht öffentlichen Teil der Stadtratsitzung der umstrittenen Höherstufung von vier Amtsleitern in die höchste Gruppe der Laufbahnbeamten (A16) zu. Die Zahl der Spitzenverdiener im Rathaus steigt damit auf rekordverdächtiges Niveau, vergleichbar etwa mit dem in der Großstadt Erlangen.

Für die Regierung von Oberfranken als unparteiischer Aufsichtsbehörde gibt es am grundsätzlichen Sachverhalt wenig zu deuteln. Die Personalkosten in Bamberg sind nach ihrer Auffassung hoch. Sie warnt bei ihrer obligatorischen Prüfung der Haushaltszahlen für das Jahr 2014 deutlich davor, die finanziellen Schleusen beim Personal noch weiter zu öffnen: "Ziel der Stadt sollte eine dauerhafte Senkung der Personalkosten oder zumindest eine Begrenzung der Steigerung auf die tariflichen und gesetzlichen Änderungen sein", heißt es da.
Eine Senkung der Personalkosten der Stadt Bamberg - das ist angesichts der Entwicklung der letzten Jahre wohl nicht mehr als ein frommer Wunsch. Die Kämmerei hat die Zuwächse in den nächsten drei Jahren mit jeweils 1,5 Prozent angesetzt. Die Regierung zweifelt, dass es dabei bleibt.

Bamberg rangiert ganz hinten

Es ist aber nicht nur das, was die Stadt fürs Personal zahlen muss, was den Fachleuten der Aufsichtsbehörde zunehmend Sorge macht. Auch beim Schuldenberg wagt man in Bayreuth eine neue Sichtweise. War man in Bamberg bislang gewohnt, mit einer gewissen Portion Selbstgefälligkeit auf die Nachbarn in Ost-Oberfranken und deren Finanzprobleme zu blicken, so zeigt der Vergleich der Verbindlichkeiten ein gänzlich anderes Bild, wenn man auch die Schulden des Entsorgungs- und Baubetriebs sowie aller Unternehmen, Zweckverbände und Einrichtungen in die Rechnung mit einbezieht. In diesem Zahlenspiel rangiert Bamberg plötzlich nicht mehr vorne, sondern ganz hinten im Feld. Die Regierung drückt es in nüchterner Schärfe aus: "Unter Einbeziehung dieser Schulden übersteigt die Pro-Kopf-Verschuldung der Stadt Bamberg sogar deutlich die Verschuldung der Stadt Hof."

Bamberg deutlich stärker verschuldet als das arme Hof? Wie geht das? Der Vergleich, den die Regierung auf Basis von Zahlen des statistischen Landesamtes vorgenommen hat, ist in Bamberg nicht völlig neu. Schon Ende vergangenen Jahres waren auf Nachfrage der Freien Wähler Zahlen veröffentlicht worden, die zeigten, wie die Schulden innerhalb des Konzerns Stadt in den letzten Jahren nach oben geschnellt waren. Die Botschaft, die damals aus der Verwaltung kam, war eine doppelte: Zwar seien die Verbindlichkeiten der städtischen Töchter deutlich gestiegen. Doch stehe diesen Zahlenwerten deutlich gewachsenes Vermögen in Form von Sachanlagen gegenüber.

Kuntke sieht kein Problem

Vor diesem Hintergrund ist es Heinz Kuntke (SPD) nicht sonderlich bange: Die Regierungszahlen bestätigen aus Sicht des finanzpolitischen Sprechers nur, was man schon wisse, dass nämlich der Anlagenbestand, von den Abwasserkanälen bis zu den Gebäuden des Klinikums, in Bamberg stark gewachsen sei. Dagegen sei grundsätzlich nichts einzuwenden, zumal eine Stadt nicht nach dem gleichen Maßstab wie ein Unternehmen beurteilt werden könne. Kuntke geht sogar soweit, den finanzpolitischen Kurs der Vergangenheit zu loben: "Das Verhältnis Schulden zum Vermögen hat sich sogar verbessert."

Mit diesem Satz erntet er freilich Widerspruch: "Es gibt Anlagen, die rentierlich sind, und solche, die es nicht sind", sagt GAL-Stadtrat Gack. Dazu zählt er etwa das defizitäre Fahrradparkhaus an der Brennerstraße, das Hotel am Volkspark oder das Bambados. Hier von einem Vermögen zu sprechen, sei nur die halbe Wahrheit: "Alleine das Sport- und Freizeitbad beschert uns jährlich einen Zuschussbedarf von zwei Millionen Euro."
Während die Meinungen über den Investitionskurs der Vergangenheit auseinandergehen, besteht immerhin bei den Zukunftsaussichten für Bamberg Einigkeit. Wenn etwa Dieter Weinsheimer von den Freien Wählern vor den sich mehrenden dunklen Wolken am Horizont warnt, so weiß er dabei prinzipiell auch Kämmerer Bertram Felix an seiner Seite. "Wir müssen sparen, sparen, sparen", lautet dessen wenig schmeichelhaftes Urteil über die Finanzlage der Stadt. Vor allem eins könnte Bamberg schwer zu schaffen machen: Bliebe das Gewerbesteueraufkommen auf dem niedrigen Niveau der letzten Jahre.

Für die Regierung von Oberfranken drückt sich die Ertragsschwäche Bambergs in der so genannten Steuerkraft aus. Diese Kennziffer, die Gewerbe-, Grund- und Einkommenssteuer und somit die wichtigsten Einnahmequellen subsummiert, sank 2014 auf 814 Euro pro Einwohner. Damit liegt Bamberg nicht nur unter dem Landesschnitt. 19 der 25 kreisfreien Städte in Bayern stehen besser da. Was das bedeuten könnte, verhehlt die Regierung nicht: "Bereits ein teilweiser Ausfall der Gewerbesteuereinnahmen würde dazu führen, dass die Stadt ihren Verwaltungshaushalt nicht mehr ausgleichen kann."