Bamberger Optiker wendet sich mit Schaufenster-Botschaft an Kunden: Die Corona-Pandemie hat insbesondere den Einzelhandel vor viele Probleme gestellt. Die ständig wechselnden Regeln bereiten den Geschäftsleuten vielerorts Kopfzerbrechen. In der Bamberger Innenstadt sorgt derweil ein Schaufenster-Aushang aktuell für neugierige Blicke. Mit einer nicht alltäglichen Botschaft wendet sich das Fachgeschäft Butscher Optik darin an Passanten und Öffentlichkeit. Unter der Überschrift "Willkommen als Mensch" verweist das Optikergeschäft in der Langen Straße auf den Gebrauch seines Hausrechts.

"Egal ob (un-) geimpft, (nicht) getestet, genesen, gesund, männlich, weiblich, divers, groß, klein, dick oder dünn, (Nicht-) Raucher, alt, jung, (un-) sportlich, blond, braun, rot, schwarz oder weiß, mit Hund, Katze oder Vogel, allein oder mit Familie, mit Auto oder (Elektro-) Velo, Bargeld oder Kreditkarte, Cumulus oder Supercard, mit oder ohne Zertifikat", wendet sich der Laden an seine Kundschaft. Die Botschaft: "Schön, dass Sie da sind! Sie sind als Mensch herzlich willkommen bei uns!" inFranken.de hat nachgefragt, was es mit dem ungewöhnlichen Schaufenster-Aushang auf sich hat. 

Corona-Krise: Bamberger Optiker fühlt sich von Politik im Stich gelassen

"Unsere Botschaft ist: Wir möchten niemanden ausgrenzen", berichtet Geschäftsführer Benjamin Butscher inFranken.de. Neben diesem Ansatz der Versöhnung sei das Ladenschild gleichermaßen als Zeichen des Protests gegen die bislang getroffenen Corona-Maßnahmen gedacht. "Das ist gleichzeitig auch unsere Antwort auf eine repressive Politik, die seit eineinhalb Jahren keine Lösung anbietet und uns mittelständische Unternehmen im Stich lässt."

Gerade auf Kundenseite sei die Verunsicherung seit dem Pandemie-Beginn allgegenwärtig zu spüren gewesen, konstatiert der Bamberger Optiker. "Ich kann niemanden zwingen, sich impfen zu lassen", betont er. "Bei uns rufen noch immer viele Kunden an und fragen, ob sie überhaupt noch den Laden betreten dürfen." Aus diesem Grund wolle man mit dem Aushang nun gewissermaßen "eine Brücke schlagen" - als Zeichen des gesellschaftlichen Miteinanders. 

Der Einzelhandel hat unter der Corona-Krise besonders hart leiden müssen. Lockdown und andere pandemiebedingte Maßnahmen setzen insbesondere mittelständischen und kleineren Unternehmen und Läden enorm zu. "Richtig erholt haben wir uns bis heute nicht", berichtet der Bamberger Optiker Benjamin Butscher inFranken.de. "Das wird auch noch ein, zwei Jahre dauern."

"Der eine lebt vom anderen": Fehlende Laufkundschaft für Händler großes Problem

Als "gesundheitsnaher Dienstleister" durfte Optik Butscher zwar durchgehend geöffnet bleiben - spurlos vorüber gingen die allgemeinen Ladenschließungen aber dennoch nicht. Der Grund: fehlende Laufkundschaft. Seien Restaurants, Cafés und die meisten anderen Geschäfte geschlossen, fehle den Menschen eine Anlaufstelle in der Innenstadt. "Der eine lebt vom anderen", sagt Butscher. "Dann hast du selbst zwar offen, es kommt aber niemand in den Laden hinein. Meine Angestellten haben nichts zu tun und ich muss sie in Kurzarbeit schicken", schildert der Optiker sein Problem.  

"Es gab auch keine Touristen, die Sonnenbrillen gekauft haben." Ein Umsatzrückgang indes sei insbesondere bei einer Personengruppe deutlich erkennbar gewesen. "Die Frequenz unserer älteren Kundschaft war gleich null. Viele haben sich nicht mehr vor die Tür getraut", schildert Butscher die Auswirkungen in der Anfangszeit der Corona-Pandemie. Auch Arztbesuche seien vielerorts auf das Nötigste beschränkt worden. "Es haben wesentlich weniger Menschen einen Gehörtest gemacht. In der Folge habe sein Fachgeschäft deutlich weniger Hörgeräte verkauft, erklärt Butscher den Zusammenhang. 

Gerade für Seniorinnen und Senioren habe die kritischen Phasen der Corona-Zeit indes vielfach zu Vereinsamung geführt, ist sich der Bamberger Geschäftsmann sicher. "Das war eine toxische Mischung." Die von Bund und Ländern getroffenen Corona-Maßnahmen betrachtet der Bamberger Unternehmer noch immer kritisch. Für den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 habe er Verständnis gehabt - die Situation sei schließlich für alle neu gewesen.

"Das war wirklich Hardcore": Optiker kritisiert Lockdown-Maßnahmen

Als bedenklicher stuft er indes die daraufhin erlassenen Regelungen ein. "Erst Lockdown, dann Lockdown light - das war ein schleichender Prozess", konstatiert Butscher. "Das war wirklich Hardcore." Bei vielen der auf den Weg gebrachten Schutzmaßnahmen - etwa der zeitweiligen Ausgangssperre - habe schlichtweg die Verhältnismäßigkeit gefehlt, kritisiert der Unternehmer. 

In wirtschaftlicher Hinsicht geht es laut Butschers Schilderung unterdessen allmählich wieder bergauf. "Die letzten drei Monate waren in Ordnung." Der Grund ihm zufolge: "Da waren natürlich auch wieder Touristen in Bamberg. Die Cafés waren voll, die Innenstadt war voll." 

Am Donnerstag (7. Oktober 2021) weist die Stadt Bamberg derweil sogar die niedrigste 7-Tage-Inzidenz in ganz Franken auf. Deshalb könnte es schon in Kürze weitreichende Lockerungen geben.