Bernhard Struck freut sich. Als Naturschutzreferent im Landratsamt Bamberg kämpft er bisweilen auf verlorenem Posten. Der Nutzungsdruck auf die letzten naturnahen Flächen steigt auch im Landkreis rapide an. Bunte Blumenwiesen werden in Äcker umgewandelt, Hecken zu Hackschnitzeln gemacht, Dünger verwandelt artenreiches Grünland in hoch produktive, aber öde Flächen.

Umso mehr bestätigt es Struck und seine Kollegen, wenn dann und wann auch einmal ein großer Wurf gelingt. Ein solcher scheint das zu sein, was das Landratsamt jetzt bestätigt: Die Bahn hat den großen Steinbruch bei Ludwag gekauft, um hier die Ausgleichsflächen für den Neubau der Bahntrasse quer durch den Landkreis bereitzustellen.

Das gewaltigste und zweifellos schönste Loch im Landkreis Bamberg im Besitz eines Transportunternehmens? Was erst einmal widersinnig klingt, ist die Folge deutscher Naturschutzvorschriften.
Sie sollen verhindern, dass jedes neue Bauvorhaben zu immer neuen unwiederbringlichen Einbußen an Landschaften führt.

Genau genommen sind es die Verluste für die geplante Neubaustrecke zwischen Hirschaid und Strullendorf, die zumindest hier oben, auf der über 500 Meter hohen Jurahochfläche dazu führen, dass Natur Natur sein darf. Denn die Deutsche Bahn hat nicht etwa vor, das 18 Hektar große Areal aufzufüllen. Sie will es als Biotop erhalten und weiter entwickeln, wie Pressesprecher Frank Kniestedt sagt.

Selbstverständlich ist das nicht. Denn ein Steinbruch und sei es der schönste, ist kein Naturschutzgebiet, sondern erst einmal eine Art Industriefläche. Der Verkauf an einen Motorsportclub, die Umwandlung in eine Bühne für Indianer-Festspiele, die sich offenbar tatsächlich im Gespräch befand, ja selbst ein Auffüllen wären laut Struck nicht auszuschießen gewesen, hätte nicht die Bahn als Investor zugegriffen, um ihr Verkehrsprojekt realisieren zu können.


Uhu verlor seine Brut
Dass sich die Rettung des nördlich von Ludwag gelegenen Areals lohnt, wissen nicht nur jene Spaziergänger, die den auf der Liste der bayerischen Geotope befindliche Steinbruch gelegentlich in ihre Wanderungen einbauen. Das rund 18 Hektar große Areal wird seit etwa zweieinhalb Jahrzehnten nicht mehr für den Abbau von Jurakalk genutzt und hat sich in dieser Zeit zu einem wahren Naturparadies mit vielen Pionierarten verwandelt.

Niemand weiß das besser als der Bayreuther Geoökologe Christian Strätz, der derzeit dabei ist, das kraterartige Felsgelände nach den hier vorkommenden Arten zu durchforsten Bei seinen Inspektionen stieß Strätz auf viele seltene Tiere wie Kreuzkröte, Kammmolch oder die Heidelerche. Orchideen blühen auf den Mergelbänken im Bereich der Hangschulter, an den Rändern des natürlichen Amphitheaters hat sich eine nicht alltägliche Magerrasenflora ausgebildet. "Das ist schon etwas ganz Besonderes", sagt Strätz auch mit Blick auf den Uhu, dessen Rufe hier mit Regelmäßigkeit zu hören sind.

Leider hat die Tatsache, dass immer wieder Motocrossfahrer im Steinbruch unerlaubterweise ihrem lautstarken Hobby nachgehen, dazu geführt, dass der größte Eulenvogel unserer Heimat auch heuer wieder seine Brut verloren hat. Bedenkt man die Tatsache, dass im westlichen Oberfranken nur 18 Brutplätze von Uhus bekannt sind, ist das ein schmerzhafter Verlust.



Für Brigitte Weinbrecht vom Landratsamt ist der Steinbruch bei Ludwag auch deshalb ein Glücksfall, weil die Suche nach Ausgleichsflächen für die zahlreichen Bauvorhaben in den letzten Jahren immer schwieriger geworden ist. Vor allem die Landwirtschaft kämpfe mit allen Mitteln um jeden Quadratmeter Boden.

Und die Vielfalt nimmt ab. Von immer länger werdenden roten Listen auch in Franken berichtet der Bamberger Pflanzenexperte Bernhard Bösche. "Wertgebende Arten verschwinden, der Druck steigt, wie man jetzt auch an den Plänen für die Bamberger Muna und den Schießplatz sieht, wo Gewerbegebiete entstehen sollen." Das Problem in Deutschland schildert Bösche so: "In den Gesetzen stehen tolle Sache. Doch bei der Umsetzung hapert es."