Projekte für Auszubildende gibt es mittlerweile einige. Abbrechern soll eine zweite Chance gegeben werden, die jungen Menschen sollen gefördert werden, Netzwerke knüpfen und als Fachkräfte in Unternehmen arbeiten.
Aber was ist eigentlich mit der anderen Seite? Mit den Firmen, die gerne gute Azubis hätten und diese auch behalten wollen? "In der IT-Branche haben wir es als mittelständisches Unternehmen massiv gemerkt: Die Großen sind wie ein Magnet haben die Azubis weggekauft". Das sagt Ingolf Brauner, Präsident des Bundes der Selbstständigen (BDS) und Initiator der Azubi-Akademie.

"Ich habe mir gedacht, wir müssen mehr für unsere Azubis tun." Gleichzeitig habe er sich gewünscht, dass jeder Mitarbeiter auch ein wenig Unternehmer sei - "die Konsequenzen des Handels einschätzen, über den Tellerrand schauen.
Das fängt bei den Azubis an."


Seminare zwei Mal pro Monat
Also führte Brauner bei sich im Unternehmen zwei Mal pro Monat Seminare durch, in denen er seinen Azubis das beibrachte, was sie im Berufsalltag oder in der Berufsschule nicht lernten - "Stichwort soziale Kompetenzen, eine anständige Begrüßung, Teamarbeit zum Beispiel."

Zunächst tat er sich mit einem befreundeten Unternehmer zusammen. Bei einem Bier entscheiden die beiden, das Projekt auf größere Beine zu stellen: 2006 begannen sechs Betriebe mit der Kooperation, heute machen 18 Betriebe mit. Bayernweit gibt es 15 Standorte der BDS-Azubi-Akademie - vielleicht auch bald in der Region?
Michael Nürnberger vom Regionalmanagement Wirtschaftsregion Bamberg-Forchheim geht davon aus: 64 Vertreter kleiner und mittelständischer Firmen waren zur Informationsveranstaltung der Azubi-Akademie gekommen, einige hätten laut Nürnberger bereits ihr Interesse bekundet, sich am Projekt beteiligen zu wollen.

Aber wie funktioniert die Azubi-Akademie? Interessierte Unternehmen tun sich zusammen und bieten ihren Auszubildenden alle zwei bis drei Wochen eine Unterrichtseinheit von etwa drei Stunden an. Die Azubis der unterschiedlichen Firmen treffen sich zum Betriebsunterricht, der abwechselnd von und in den beteiligten Unternehmen gehalten wird. So kann die Akademie kostenlos arbeiten.

"Wir werden immer wieder gefragt, wie die Azubis zu den Seminaren kommen. So, wie sie woanders auch hin kommen: Sie organisieren sich. Auch das gehört zum System", erläutert Initiator Ingolf Brauner.

Laut Kooperationspartner Michael Nürnberger treffen sich die interessierte Firmen aus der Region Bamberg am 11. April zum ersten Mal, um den geeignetsten Wochentag für die Schulungen und den Ausbildungsplan zu besprechen. "Wir gehen davon aus, dass das Projekt dann starten wird", sagt Nürnberger.

Welche Themen könnten die Auszubildenden der teilnehmenden Firmen erwarten? Vom "Basistraining Telefonieren", "Business English" über "Datenschutz" oder "Neue Medien richtig einsetzen", "Organisieren am Arbeitsplatz" oder "Verhandlungstechniken", was gelehrt wird, legen die Unternehmer in einem Lehrplan vor Beginn des Ausbildungsjahres fest.

Bedenken, dass es zu Kollissionen mit dem Berufsschulunterricht kommt, brauche man laut Brauner nicht haben. "Die Berufsschule geht ganz klar vor." Wenn ein Auszubildender Blockunterricht habe, der mit einem Akademie-Seminar zusammen falle, könne er eben an dieser einen Sitzung der Akademie nicht teilnehmen.


Mit den Großen mithalten
Letztendlich ist das Ziel der Azubi-Akademie, dass kleine und mittelständische Unternehmen durch geschickte Kooperation die gleichen oder sogar bessere Ziele bei der Ausbildung von jungen Menschen wie Großbetriebe erreichen.

Noch gibt es keine konkreten Zahlen, wie viele Anmeldungen von Seiten der Unternehmen nach der Informationsveranstaltung Ende letzter Woche eingegangen sind. Aber Michael Nürnberger gibt sich optimistisch: Drei Anmeldungen gebe es sicher, zwei weitere Firmen hätten bereits ihr Interesse bekundet.

Unternehmerin Doris Roppelt findet das Projekt grundsätzlich gut. "Ich wünsche mir, dass durch Aktionen wie diese die Jugend besser an die Hand genommen wird. Berufsschule und Handwerkskammer arbeiten meiner Meinung nach noch nicht gut genug zusammen."

Von "an die Hand nehmen" spricht auch Fabian Westphal, Ausbildungsleiter in einem Hallstadter Unternehmen. "Die Azubis sollen mehr Selbstständigkeit erlernen, mehr Verantwortung übernehmen. Ich erhoffe mir, dass die Azubi-Akademie gerade in den Bereichen greift, in denen man im eigenen Betrieb schwer selbst ausbilden kann. Und natürlich ist eines immer wichtig: Die Soft-Skills." - also die soziale Kompetenz. Oder wie Ingolf Brauner von der BDS-Azubi-Akademie sagt: "Der Schreinerlehrling muss auch mit den Kunden umgehen können."