Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka kann seine führende Marktposition weiter ausbauen. Das Bundeskartellamt gab dem Handelsriesen am Dienstag (16. März 2021) grünes Licht für die Übernahme von bis zu 51 Real-Filialen in Deutschland. Darunter befinden sich fünf in Franken.

An sechs der 51 Standorte muss Edeka allerdings Teilflächen für mindestens zehn Jahre an Wettbewerber vermieten oder eigene Standorte vorher schließen. An 21 Standorten musste der Handelsriese wegen Bedenken der Wettbewerbshüter seine Übernahmepläne begraben. Zuletzt gab Real auch einige Standorte bekannt, die geschlossen werden

Unangefochtener Marktführer Edeka

"Wir hatten bei einer Reihe von Standorten die Sorge, dass Edeka mit der Übernahme in den jeweiligen regionalen Märkten zu stark würde. Edeka musste deshalb auf rund 30 Prozent der geplanten Übernahmen verzichten", betonte Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Montag.

Das Bundeskartellamt will so sicherstellen, dass Verbraucher auch in Zukunft zwischen verschiedenen Lebensmittelhändlern auswählen können. "Diese Auswahlmöglichkeit erzeugt Wettbewerbsdruck auf die Anbieter und sorgt so für bessere Preise, Auswahl und Qualität", betonte Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

Tatsächlich ist der Lebensmittelhandel in Deutschland schon heute hochkonzentriert. Der Marktanteil der "großen Vier" - Edeka, Rewe, Aldi und der Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland - liegt laut Kartellamt mittlerweile bei mehr als 85 Prozent. Unangefochtener Marktführer ist dabei Edeka mit rund 112.000 Lebensmittelmärkten und einem Umsatz von über 55 Milliarden Euro.

Real macht großen Umsatz trotz Problemen

Übernahmen im Lebensmittelhandel rufen deshalb schon seit Jahren regelmäßig die Wettbewerbshüter auf den Plan. Auch im Fall Real: Schließlich wird hier noch einmal ein großer Brocken neu verteilt. Die SB-Warenhauskette machte zuletzt trotz etlicher Probleme einen Umsatz von rund sieben Milliarden Euro.

Deshalb war auch nicht nur Edeka interessiert, als der russische Finanzinvestor SCP im vergangenen Jahr die gut 270 Real-Filialen von der Metro übernahm, um die Handelskette zu zerschlagen und weiterzuverkaufen. Auch Kaufland und etliche kleinere Händler wie Globus oder Kaes warfen ihren Hut in den Ring.

Bereits im Dezember hatte der Großflächen-Discounter Kaufland von den Wettbewerbshütern grünes Licht für die Übernahme von bis zu 92 Real-Märkten erhalten. Die Supermarktkette Globus bekam die Freigabe für den Erwerb von bis zu 24 Real-Standorten. Der Edeka-Rivale Rewe zeigte dagegen kein Interesse an den - in seinen Augen überdimensionierten - Real-Filialen.

Worüber macht sich Kartellamt Sorgen?

Sorgen macht den Wettbewerbshütern bei der Zerschlagung von Real aber nicht nur, dass es den Verbrauchern an Einkaufsalternativen in ihrer Region fehlen könnte. Auch die Einkaufsmacht der Handelsriesen gegenüber ihren Lieferanten treibt die Kartellwächter um. Akzeptabel sei die Abgabe so vieler Filialen an Edeka und Kaufland nur, weil sich SCP verpflichtet habe, Real-Standorte mit einem Absatzvolumen von rund 430 Millionen Euro an mittelständische Lebensmittelhändler zu veräußern, betonte Mundt am Mittwoch.

Damit blieben alternative Absatzwege für die Hersteller erhalten. Ohne die Einflussnahme des Bundeskartellamtes hätten die mittelständischen Händler wohl überhaupt keine Standorte erwerben könne, meinte die Behörde.

Traditionell wird bei den Preisverhandlungen zwischen Handel und Lebensmittelherstellern mit harten Bandagen gekämpft. Und die Übernahme der Real-Filialen ist für die Handelsketten trotz aller Bedenken des Kartellamtes ein Grund mehr, über Konditionen zu feilschen. Nach Angaben des Bundeskartellamtes erhoben Edeka und Kaufland gegenüber Lieferanten im Zusammenhang mit der Real-Übernahme bereits Forderungen. Das Bundeskartellamt leitete deshalb gegen beide Unternehmen Ermittlungen ein.

Vorteile für Verbraucher durch Zerschlagung?

Edeka hatte die Lieferanten zu einer "Sonderverhandlungsrunde" eingeladen, stoppte sein Vorgehen aber nach dem Einschreiten der Wettbewerbshüter. Erst einmal. Der Handelsriese betonte auf Anfrage, dass er davon überzeugt sei, das sein Vorgehen "rechtlich einwandfrei war und ist".

Für die Verbraucher könnte die Zerschlagung von Real so oder so in vielen Fällen Vorteile bringen. Denn die SB-Warenhauskette litt in den vergangenen Jahren nicht nur unter einem erheblichen Investitionsstau in vielen ihrer Filialen. Auch die Einkaufskonditionen der Handelskette konnten mit denen der Konkurrenz oft nicht mithalten, was natürlich Auswirkungen auf das Preisniveau hatte.

Ein neuer Eigentümer könnte deshalb in vielen Fällen auch bedeuten: Aufgehübschte Läden und günstigere Preise.

Welche Real-Filialen in Franken werden zu Edeka?

Das Bundeskartellamt listet alle Standorte auf, bei denen die Kartellwächter keine "wettbewerbsrechtlichen Bedenken" gegen den Erwerb der Real-Filialen durch Edeka hat. In Franken sind das die Filialen in:

  • Bamberg, Kirschhäckerstraße (96052)
  • Bayreuth, Riedinger Straße (95448)
  • Kronach, Weissenbrunner Straße (96317)
  • Aschaffenburg, Horch-Straße (63741)

Die Real-Filiale in Würzburg (Nürnberger Straße, 97076) zählt laut Bundeskartellamt zu den sechs Standorten, bei denen Edeka "wegen der wettbewerbsrechtlichen Bedenken des Bundeskartellamtes Teilflächen im Rahmen von langjährigen Mietverträgen an Wettbewerber abgibt oder Standorte vorher schließt."