Die Fallhöhe von 1,30 Meter war ein unüberwindbares Hindernis für Fische. Doch die Wasserbauer der Flussmeisterstelle Bamberg haben das alte Wässerwiesenwehr an der Aurach bei Neuhaus (Pettstadt) nun zurückgebaut und den Höhenunterschied durch eine sogenannte Sohlrampe aus Wasserbausteinen ausgeglichen. Fische wie Forellen hätten keine Möglichkeit gehabt im Oberlauf der Aurach abzulaichen, heißt es vom zuständigen Wasserwirtschaftsamt Kronach. Man verfolge nun aber "das Ziel, vom Mündungsbereich in die Regnitz die Aurach in den nächsten Jahren wieder durchwanderbar zu gestalten". Die Aufgabe wird von der Europäischen Wasserrahmenrichtline (WRRL) aus dem Jahr 2000 vorgegeben. Bis spätestens 2027 sollen dem Landesamt für Umwelt (LfU) zufolge in Bayern die Ziele der Richtlinie erreicht werden.

Die neue Durchgängigkeit der Aurach bei Neuhaus herzustellen, ist aber nur ein ganz kleiner Baustein für das nächstgrößere Ziel. Die Aurach entspringt bei Fabrikschleichach im Steigerwald und mündet nach rund 35 Kilometern nördlich von Pettstadt in die Regnitz. Allein auf den unteren 15 Flusskilometern versperren noch vier weitere unpassierbare Wehre - in Stegaurach, Debring, Waizendorf und Höfen - Fischen und anderen Gewässerorganismen den Weg. Dazu kommen noch einige weitere sogenannte Querbauwerke, die die Durchgängigkeit mal mehr, mal weniger einschränken.

Flussaufwärts findet sich erst in Mühlendorf ein Beispiel, wie sich Wehre umgehen lassen. Dort wurde im Rahmen der Flurbereinigung bereits im Frühjahr 2003 ein Fischpass gebaut. Eineinhalb Kilometer weiter flussaufwärts wartet bei Walsdorf aber schon wieder das nächste unpassierbare Wehr. Und aus der Regnitz kommt bis Mühlendorf aufgrund der genannten Hindernisse ohnehin keine Forelle und auch kein anderer Fisch. Denn 5,8 Kilometer oberhalb der Aurachmündung in die Regnitz versperrt das Schützenwehr in Höfen den möglichen Fischwanderweg. Das nächste steht wenig weiter in Waizendorf. Immerhin: Vor dem Durchbruch bei Neuhaus waren nur die untersten knapp zwei Kilometer der Aurach einigermaßen passierbar gewesen.

"Die Aurach gilt als fischfaunisches Vorranggewässer. Die Schaffung der Durchgängigkeit hat an diesen Gewässern höchste Priorität", teilt das WWA Kronach mit. Denselben Status genießen nach Angaben des LfU in Bayern Fließgewässer auf einer Länge von etwa 12 200 Kilometern. In ihnen gibt es demnach rund 8500 undurchgängige Querbauwerke, im Durschnitt also treffen Gewässerorganismen alle 1,4 Kilometer auf eine Barriere. "Die große Anzahl von nicht oder mangelhaft durchgängigen Querbauwerken begründet die Notwendigkeit eines zeitlich und räumlich priorisierten Vorgehens bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der fischbiologischen Durchgängigkeit der Fließgewässer in Bayern", erklärt das LfU dazu. Die Wasserwirtschaftsämter haben also noch viel zu tun in den kommenden Jahren.

Um die Durchgängigkeit von Flüssen herzustellen, haben die Wasserbauer nicht nur die Möglichkeit von Sohlrampen wie in Neuhaus. Möglich sind auch sogenannte Fischaufstiegshilfen, die um das Hindernis herum gebaut werden, wie etwa Fischpässe und Umgehungsbäche. Abhängig ist das jeweils vom Platzbedarf und -angebot. Wenn dafür Grunderwerb nötig ist, erschwert das oft den Gewässerumbau.