Die Versorgungslücke hätte nicht entstehen müssen, lautet die Diagnose von Dr. Jörg Kerling und Dr. Matthias Dreyer. Erst aus der Presse und in der Gemeinderatssitzung hätten sie erfahren, dass Kollege Dr. Christian Weghorn noch in diesem, Jahr in Burgwindheim die allgemeinärztliche Versorgung vor Ort sicherstellen will. Die Tatsache an sich begrüßen sie grundsätzlich. Kritik üben sie allerdings an der Vorgehensweise. Konkret daran, dass es offenbar schon fast drei Jahre lang darüber Gespräche gegeben hatte - und sie nicht eingebunden waren.

Zur Vorgeschichte: 2009 übernahm Kerling die Allgemeinarztpraxis in Burgwindheim. Dann drohte einerseits der Ausstieg der Kassen aus dem Hausarztmodell. Dieses stellt unter anderem sicher, dass Patienten immer zuerst einen Hausarzt aufsuchen und der sie dann gegebenenfalls zu den Fachärzten weiterschickt. "Das bedrohte meine Existenz", merkt Kerling dazu an. Zudem begannen sich bei ihm gesundheitliche Probleme bemerkbar zu machen, rekapituliert der 42-Jährige.

So überlegte er, wie dies eventuell durch eine Praxisgemeinschaft abgefedert werden könnte. Kollege Dr. Matthias Dreyer (58), lange Allgemeinarzt in Schönbrunn, war auch in der Phase der Zukunftssicherung der hausärztlichen Versorgung in der Region. Der Bau eines Ärztehauses auf dem Areal der Steigerwaldklinik stand an. In Kerling fand er den passenden Partner für eine Gemeinschaftspraxis. Die Praxis in Burgwindheim öffnete Kerling in der Folge über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren jeweils drei Tage die Woche für insgesamt zehn Stunden. "20 bis 25 Patienten in der Woche bedeuteten jedoch ein sehr hohes Defizit." Auch aufgrund der Anbindung an Fachärzte und die Steigerwaldklinik hätten viele Patienten ihm immer wieder erklärt, sie kämen lieber gleich nach Burgebrach, statt in die Praxis in Burgwindheim.

In Verbindung

Mit der politischen Gemeinde habe man weiter in Verbindung gestanden. Es ging darum, dass sie kostengünstig oder kostenneutral Räumlichkeiten stelle, "wir Equipment und Manpower", so Dr. Dreyer. "Wir wurden über Monate vertröstet und dann kam die Krankheit von Dr. Kerling", führt er weiter aus.

Dreyer und Kerling gehören der Ärztegenossenschaft Steigerwald an, die mit 19 Allgemeinärzten den westlichen Landkreis, ein Gebiet mit rund 40.000 Menschen versorgt. Darunter sind auch 70-jährige Mediziner. In den nächsten vier bis fünf Jahren wird sich die Zahl auf elf Allgemeinmediziner reduzieren, prognostiziert die Genossenschafts-Vorsitzende, Dr. Andrea Schöppner. Deswegen werde in der Genossenschaft schon länger an Ansätzen für neue Lösungen gearbeitet.

Generell, so betonen die Mediziner, würden nur flexible Lösungen Erfolg bringen können. "Die Medizin wird weiblicher", nennt Schöppner einen Aspekt, auf den es zu reagieren gelte. Immerhin 70 Prozent der Studienanfänger seien weiblich.

Der Trend gehe zudem weiter dahin, im Arztberuf Familie und Beruf zu vereinbaren. Dazu bedürfe es entsprechender Teilzeitmodelle. Wie sie bei Dreyer und Kerling bereits praktiziert würden.

Keine räumliche Veränderung

Positiv, so Dr. Sören Maaß, Schöppners Amtsvorgänger in der Genossenschaft, wirke sich in Sachen Allgemeinarzt-Nachwuchs auch hier die Nähe zur Steigerwaldklinik aus. So können junge Ärzte nach ihrer klinischen Ausbildung gleich die in der Allgemeinmedizin anhängen, ohne sich räumlich noch einmal verändern zu müssen. "Es gilt, die jungen Ärzte in der Region zu halten, fürs Land zu begeistern", fasst Dreyer zusammen. Deswegen werde auch schon überlegt, wie man möglichst frühzeitig bereits jungen Medizin-Studentinnen und Studenten den ländlichen Raum schmackhaft machen kann.

Kongresse und Fachtagungen bestätigen den Trend, dass angehende Allgemeinärzte die Arbeit in Teams bevorzugen. Dafür gelte es, durch zunehmende Vernetzung und flankierende Angebote der Gemeinden ( in den Bereichen Krippen-/Kindergartenplätze, Bauland) Weichen zu stellen, führen die Medizinier aus.

Gerade vor diesem Hintergrund verstehen sie "den Alleingang" Weghorns nicht. Sie hatten ihn und den Bürgermeister zu einem Gespräch eingeladen. Auch um, zu erfahren, wie sich der Kollege die Versorgung vorstellt. Leider seien die beiden Herren der Einladung nicht gefolgt. , "Die Ärzte der Region sind irritiert", stellt Maaß fest. Das könne man durch Klarheit aus der Welt schaffen. Klarheit auch darüber, was mögliche Kooperationen betrifft, wie sich der Kollege die Integration ins Team und die Zusammenarbeit mit der Genossenschaft vorstelle.

Weiter gesprächsbereit

Eine Verbesserung der Situation vor Ort, so sind sich die Ärzte einige, könne ihnen nur recht sein. Gesprächsbereitschaft sei seitens der Ärztegenossenschaft Steigerwald jedenfalls weiterhin vorhanden.