Die finanzielle Situation für Familien ist nicht einfach. Soziologe Harald Rost vom Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg (ifb) erklärt , woran das liegt und wie sich familienpolitische Maßnahmen auswirken.

Sie haben sich intensiv mit der finanziellen Situation von Familien mit Kindern in Bayern beschäftigt. Wie hat sich diese in den vergangenen Jahren entwickelt?
Harald Rost: Immer mehr Familien und Kinder rutschen an die Armutsgrenze. Faktoren wie die Verteuerung des Wohnraumes treffen Familien verstärkt. Kinderlose haben außerdem höhere Einkommen, da die Frau nach der Familiengründung meist Teilzeit arbeitet. Die Schere zwischen kinderlosen Paaren und Familien geht immer weiter auseinander.

Würde ein Familiensplitting statt des Ehegattensplittings helfen?
Der Schutz der Ehe ist im Grundgesetz verankert. Und aus politischen Gründen hat sich noch keine Regierung getraut, am Ehegattensplitting zu drehen. Aber gerecht ist es nicht. Natürlich hätten Familien mehr davon, wenn nicht die Ehe sondern die Familie steuerlich bevorzugt würde.

Frauen stehen finanziell schlechter da - hat das auch mit der Steuerpolitik zu tun?
Die schlechteren Karriere- und Verdienstchancen von Frauen hängen auch mit der Förderung des Zuverdienermodells zusammen. Das geht ein Leben lang, bis zur Rente. Bei den hohen Scheidungsraten stellt die Versorgung der Frau nach einer Trennung ebenfalls einen wichtigen Faktor dar. 38 Prozent der Alleinerziehenden sind von Armut bedroht.

Welche Alternativen gibt es?
In Schweden zum Beispiel müssen beide Eltern Vollzeit arbeiten, damit sich die Familie über Wasser halten kann. Das hat den Vorteil, dass Mütter sich die finanzielle Unabhängigkeit bewahren und bis ins Alter besser abgesichert sind. Aber die Kindererziehung ist ein Problem. In den Niederlanden ist Teilzeitarbeit weit verbreitet und das Gehaltsgefälle zwischen Männern und Frauen nicht so groß. Wenn Vater und Mutter 30 Wochenstunden arbeiten, halten sich die finanziellen Einbußen im Rahmen und trotzdem bleibt Zeit für die Kinder.

Warum nicht auch hierzulande?
Bei uns arbeiten nur fünf Prozent der Männer Teilzeit, und daran hat sich seit Jahrzehnten nichts geändert. Allerdings haben die Partnermonate beim Elterngeld einen Anstieg der Elternzeit bei Männern von drei auf 35 Prozent bewirkt. Arbeitgeber sollten zunehmend akzeptieren, dass Väter eine Auszeit nehmen. Gerade bei höheren Positionen fehlt Modellen wie Teilzeit oder Jobsharing noch die Akzeptanz.

Das Gespräch führte Natalie Schalk.
 


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