Da steht sie säuberlich geordnet im Regal, die Schrannen-Kreuzung. Vier Ordner braucht sie Platz und ist damit eine der kompliziertesten Kreuzungen in Bamberg. Sie ist umringt von den anderen Bamberger Ampelanlagen, 107 gibt es insgesamt. "Jede hat bei uns ihren Lebenslauf, abgeheftet im Ordner und digital im Computer", erklärt Verkehrsingenieur Alfred Friedrich. Der Mann aus dem Stadtplanungsamt heißt hier "Ampel-Friedrich".

Sein Name ist Programm, fast jede Anlage kennt er auswendig. Nummer 155 zum Beispiel. Nummer 155 macht seit vergangener Woche Probleme. Es ist die "Lichtsignalanlage" - so der fachlich richtige Begriff für eine Ampelanlage - für die Kreuzung Memmelsdorfer Straße/Berliner Ring. Ein Steuerungsgerät ist kaputtgegangen, seit neun Tagen gibt es Behinderungen. Autofahrer und Fußgänger schimpfen, warum das so lange dauert. Deswegen: Alfred Friedrich öffnet die Akte zu Nummer 155, legt einen Plan auf den Tisch. Man erkennt eine Kreuzung. Sonst nicht viel. Gelbe Kästchen, grüne Kästchen, orange-farbene Kreise, blaue Pfeile, rote Pfeile, rote Linien.

Es ist die Welt von Ampel-Friedrich. Der Programmierer füttert von seinem Computer im Büro aus die Steuerungsgeräte der Ampelanlagen mit den richtigen Informationen. Eine hochkomplizierte Angelegenheit.
"Das Steuerungsgerät ist das Gehirn der Anlage", erklärt Florian Probst, Abteilungsleiter Straßen- und Brückenbau des Bamberger Entsorgungs- und Baubetriebs (EBB). Kollege Friedrich bringt das Gehirn zum Denken. "Eine Ampel ist nichts von der Stange. Sie können nicht hergehen und sagen: Ein Stück Ampel, bitte", sagt Friedrich.

Die Bamberger Ampelanlagen sind zusammengeschaltet in einem vernetzten System, alte Steuergeräte müssen mit neuen abgestimmt werden. Da gibt es welche, die mit bis zu vier Programmen laufen und welche, die nur ein Programm abspielen können.

Den Technikern zuvorgekommen

Vierteljährig müssen die Ampeln gewartet werden, alle zwei Jahre wird die komplette Anlage überprüft. Ampel-Friedrich erklärt: "Das Steuergerät an der Kreuzung Memmelsdorfer Straße/Berliner Ring hätten wir in den Sommerferien eh austauschen wollen. Die Anlage ist 23 Jahre alt." Nun ist sie den Technikern zuvorgekommen.
Das ist natürlich bitter an der meist befahrenen Kreuzung Bambergs. 60 000 Fahrzeuge passieren sie täglich, diese Daten liefern die Messstellen an der Anlage. Schulwegverkehr, Pendlerverkehr, Fahrradfahrer, Fußgänger, sie alle dürfen sich nicht in die Quere kommen und sollen bestmöglich durchgeschleust werden. "Mittags läuft auf der Anlage ein anderes Programm als morgens und nachmittags, wenn die Pendler rein und raus wollen", erklärt Friedrich. Vier Programme kann die Anlage.

Die müssen erst mal auf das neue Steuergerät übersetzt werden. "Ein größeres Problem ist die Behelfsampel", bemerkt Florian Probst. "Das ist eine komplett neue Programmplattform, die man ans System anschließen muss." Sie läuft, während das neue Steuergerät für die Hauptampel installiert wird - die übrigens gleich auf LED-Lichter umgerüstet wird. Das neue Ampel-Gehirn wird dann von Alfred Friedrich denkfähig gemacht. Es folgen Testläufe, schließlich darf nichts schief gehen. Es geht um Menschenleben.

Einen kompletten Tag kann es dauern, bis eine Anlage richtig programmiert ist. Nummer 155 ist Donnerstagnachmittag wieder ans Netz gegangen und funktioniert. Damit hat die Serie an Ampelausfällen in Bamberg vorerst ein Ende.

An der Anlage Brennerstraße/Zollnerstraße hatten sich Vandalen zu schaffen gemacht, die Lichtsignalanlage am Luitpoldeck hatte immer wieder unerklärliche Aussetzer gehabt, ist aber mittlerweile auch repariert. Einen Zusammenhang gibt es laut Friedrich nicht.

Wie lange die Reparatur dauert, hängt vom Fehler ab. In bestimmten Fällen werden Techniker der Firma Siemens hinzugerufen, von der die meisten Steuerungsgeräte stammen. "Grundsätzlich hat der EBB die Aufgabe, sich um die Straßen und Ampeln zu kümmern", erklärt Florian Probst. Die Wartung übernahm ursprünglich Siemens, nach einer Ausschreibung 1997 arbeiten die Stadtwerke Bamberg im Auftrag des EBB. Für Planung, Steuerungsprogramme und Verkehrsführung ist schließlich das Stadtplanungsamt zuständig. Und damit landet man wieder bei Ampel-Friedrich.

Der erzählt von Bambergs schlauster Ampel: Sie steht an der Stechert-Arena und hat weit über 50.000 Euro gekostet. Fast zwei Jahre hat er an ihr getüftelt. "Was machen Sie, wenn 7000 Leute auf einmal kommen und später wieder weg wollen?" Die Detektoren erkennen, wann viel Verkehr ist und verlängern die Grünphase. "Wenn alles gut funktioniert, ist die Sache in einer Viertelstunde erledigt", sagt Friedrich.

Und wenn irgendwo etwas nicht funktioniert, rufen die Leute bei ihm an. "Ich erkläre dann die jeweilige Schaltung. Denn manchmal liegt der Anlass für eine Schaltung drei Ampeln vorher." Oder ein Bus kommt entgegen.

Bis zur Haltelinie fahren

Der wird auf bestimmten Strecken bevorzugt behandelt und beeinflusst ebenfalls die Schaltung. "Ansonsten beträgt die maximale Wartezeit an unseren Ampeln 45 bis 50 Sekunden." Was läuft schief, wenn man minutenlang steht? "Dann sind Sie nicht bis zur Haltelinie vor gefahren. Manche Anlagen haben eine Induktionsschleife unter der Fahrbahn. Darüber stellt die Anlage fest, ob ein Auto an der Ampel steht." Da ist es wieder, das Gehirn.