Ein leuchtendes Vorbild für eine Touristenstadt sind sie nicht, allenfalls ein Fingerzeig, dass man sich an alles gewöhnen kann - und über fast alles streiten. Klaus Göller zum Beispiel würde die vielarmigen Lichtpilze ungern vom Gabelmann verbannen. Für ihn bedeutet Denkmalschutz auch, "den schlechten Geschmack der Vergangenheit" zu sichern.

Dagegen Ilona Munique, Bewohnerin der Innenstadt. Sie mag sich mit dem zeitlosen Schmuddellook im Herzen Bambergs nicht abfinden: "Wir haben ja diese scheußlichen Teile immer im Blickfeld", klagt sie. Bambergs Leuchten - ein Phänomen: Algen und Moos haben sie seit Jahren im Griff. Doch Tausende von Menschen, die hier Tag für Tag lustwandeln, scheint das kaum zu stören.

Doch kommt Zeit, kommt Einsicht, oder ist es nur die erosive Kraft der Natur, die die Bamberger zum Handeln zwingt? Jedenfalls hat der Bausenat jetzt das Totenglöcklein für die letzten Reste einer Möblierung geläutet, die noch aus den Anfangstagen der Fußgängerzone stammt. Die verbliebenen 18 der nach dem planenden Architekten Winkler benannten Kandelaber sollen kommendes Jahr den gängigen Lichtstelen weichen. Die haben, von der Kettenbrücke einmarschierend, mittlerweile sogar den Maxplatz besetzt. Wahlweise werden sie als Kultobjekt geliebt oder als Fieberthermometer verspottet.

Die Kosten für den Generationenwechsel sind überschaubar. Weil Städtebaufördermittel fließen und auch die Anlieger anlegen sollen, ist die öffentliche Hand mit nur 26 000 Euro dabei. So viel kostet es, die Fußgängerzone in neues Licht zu tauchen, Gabelmann und Martinskirche durch Strahler zeitgemäß zu inszenieren. Dagegen schlagen die neuen Stromentnahmestellen für die Marktbeschicker mit 85000 Euro viel höher zu Buche.

Am Ende könnte allenfalls der Finanzsenat den Zug noch stoppen. Er entscheidet im Herbst über die Ausgaben für 2015, doch eine Kurskorrektur ist eher unwahrscheinlich. Nicht nur der irreversible Grauschleier auf den Lampenschirmen spricht gegen die 37 Jahre alten Leuchtkörper. Vor allem die Technik: Die Leuchten sind nicht mehr reparaturfähig. Es gibt keine Ersatzteile mehr und sie verbrauchen sechs Mal so viel Strom wie die Lichtstelen. Sagen die Experten.

Auch der neue Bamberger Baureferent Thomas Beese wird den Armleuchtern keine Träne nachweinen. Im Gegenteil, er freut sich darauf, dass die Innenstadt von der Königstraße bis zum Grünen Markt erstmals ein einheitliches Erscheinungsbild erhält. Und zweifelt nicht daran, dass manchen ein Licht aufgehen wird. Denn im Unterschied zu den nur Dämmerlicht verbreitenden Vorgängern beleuchten die Stelen nicht so sehr das Weltall, sondern den Bamberger Boden .

Freilich, mit den Urviechern verabschiedet sich auch ein Stück Bamberger Zeitgeschichte. Gemeinsam mit dem legendären Bamberger Röhrenbrunnen eroberten die damals noch rein weißen Lichtmuscheln 1977 Bambergs gute Stube. Doch während der plätschernde Zeitgenosse schon 1978 dem Grimm der Bamberger zum Opfer fiel und nach einem Sturm der Entrüstung abgebaut wurde, haben die Lampen bis heute überlebt.

Und könnten es an neuer Stelle weiter tun. Ursula Sowa, die grüne Stadträtin, sprach sich dafür aus, wenigstens eine der Lampen ins Historische Museum zu befördern. Was passiert mit den anderen? Baureferent Beese schließt eine Versteigerung nicht aus.