Ihre Mutter Elvira Oprchal ist in Dubrovnik aufgewachsen. Deshalb besuchte Marion Krüger-Hundrup Kroatien schon als Kind. Und sie kam immer wieder, bisher an die 50 Mal: weil sie Verwandte dort hat, weil die traditionsreichen Städte es ihr angetan haben, weil sie die Natur und die Strände, das Essen, die Atmosphäre und die Menschen schätzt.


Mittelmeerküche: Knoblauch und Olivenöl

Wenn die Bambergerin Dubrovnik besucht, holt Großcousin Vlaho eine Dorade oder einen Tintenfisch, und seine Frau Ivka bereitet das Essen auf dem Grill zu. "Mit viel Knoblauch und Olivenöl, und dazu gibt's Mangold und Kartoffel", sagt Krüger-Hundrup. "Es versammeln sich zehn, 15 Leute am Tisch, man trinkt Wein, sitzt auf der Terrasse und blickt aufs Meer." Wenn dann mehrstimmig dalmatische Volkslieder gesungen werden, spürt die 58-Jährige eine besondere Verbundenheit mit diesem Land, das nie ihre Heimat war. Es pflegt eine typische Mittelmeerküche mit Meeresfrüchten und schwarzem Risotto, mit Gemüse, Salat und reichlich Olivenöl über allem - ähnlich wie das Nachbarland Italien.


"Kroaten sind keine Italiener"

Doch die Art, wie gefeiert wird, wie gelebt und gefühlt wird, ist anders. "Kroaten sind keine Italiener", sagt Krüger-Hundrup. Sie überlegt kurz, erklärt dann, dass die Kroaten nicht diese lebenssprühende Fröhlichkeit hätten. Eher einen Hang zur Melancholie, wie er den Slawen nachgesagt wird. Und das ist gut? "Jaaaaa!" Die 58-Jährige lächelt versonnen und schwärmt von traurig-schöner Musik, von Volkstänzen mit komplizierten Schrittfolgen und aufwändigen Trachten. Kroatische Folklore sei anspruchsvoll - und für jeden Urlauber eine Empfehlung.
Wer Land und Leute kennenlernen möchte, dem rät Krüger-Hundrup ein paar Worte Kroatisch zu lernen. Der Rest klappt dann meist auf Deutsch (bei älteren Kroaten) oder Englisch (bei jungen Leuten). Eine gute Möglichkeit, Kroaten kennenzulernen, sind Privatunterkünfte. "Die Gastgeber sind hilfsbereit, laden einen auch mal zum Essen ein." Außerdem sind diese Unterkünfte relativ preiswert. Billig sei ein Kroatienurlaub aber schon lange nicht mehr - sehr günstig gebe es nur Grundnahrungsmittel. "Aber wer ernährt sich im Urlaub schon von Weißbrot und Tomaten? ... Ansonsten ist das Preisniveau ähnlich wie bei uns."


Als Oben-ohne

Die Bambergerin hat miterlebt, wie der moderne Tourismus entstand und wie er sich veränderte: Als sie zum ersten Mal in Kroatien war, machte dort keiner Urlaub. "Das war 1960. Ich war drei Jahre alt." Kroatien gehörte zu Jugoslawien und Krüger-Hundrups Mutter Elvira Oprchal, die in Sarajevo geboren und in Dubrovnik aufgewachsen war, nahm Mann und Töchter mit zu den Cousins nach Dubrovnik. Von da an besuchten sie die Verwandten jedes Jahr. Sie merkten, wie Jugoslawien sich langsam den Devisen westlicher Urlauber öffnete.

Das Ostblockland wurde für seine schöne Adriaküste, für Toleranz und Freizügigkeit bekannt. "Oben-ohne war in den 70er und 80er Jahren sehr verbreitet. Heute sieht man das gar nicht mehr", erinnert sich Krüger-Hundrup. Als sie heiratete, führte sie die Tradition der jährlichen Kroatienreise mit ihrem Mann fort: "Nur während des Krieges in den 90ern machten wir kurz Pause. Unmittelbar nach dem Krieg sind wir in ein sehr trostloses Land gereist."

Ihre Begeisterung für Kroatien riss aber nie ab. Zuletzt war Krüger-Hundrup Anfang September dort. In Dubrovnik, wo Vlaho und Ivka eine Dorade für sie grillten und wo sich auf engem Raum all das verbindet, was die Bambergerin so mag: Kultur, Natur und die besondere Art der Menschen. Krüger-Hundrup ist Toleranz besonders wichtig - als Journalistin sind die Weltreligionen eines ihrer Spezialgebiete. Deshalb schreibt sie über die kleine jüdische Gemeinde Dubrovniks: Sie zeigt, wie einfach Harmonie zwischen Religionen sein kann.

Lesen Sie hier, wen Marion Krüger-Hundrup in der zweitältesten Synagoge Europas getroffen hat und warum unter den Religionen in Dubrovik Frieden herrscht.