Dass mit den neuen Plastiksesseln etwas nicht stimmen konnte, glaubte Bert Förtsch zu merken, da waren die grauen Hocker gerade erst eingebaut worden. Der Brose Baskets-Fan, der links in der ersten Reihe der Arena sitzt, kam, saß - und rutschte.

Pech oder Folge von 130 Kilo Lebendgewicht, die der nicht gerade klein gewachsene Basketball-Anhänger auf die Waage bringt? Förtsch war nicht der einzige Freak, der mit den neuen Stühlen in den vergangenen Wochen unfreiwillig auf die schiefe Bahn geraten sollte. Auch unter seinem Sitz-Nachbarn gab der neue Stuhl rasch nach.

Um zu verstehen, dass es hier um mehr als die Statik von ein paar namenlosen Hallenhockern geht, muss man die Vorgeschichte kennen: Die neuen Stühle waren für rund 300 000 Euro auf Wunsch und unter tatkräftiger Mitwirkung des Namenssponsors Brose erst um die Jahreswende 2014 eingebaut worden - um die Halle optisch zu verschönern, aus akustischen, aber auch ergonomischen Gründen. Proteste, dass die alten Stahlsitze zu dem Zeitpunkt noch voll funktionstüchtig waren und dass es sich um öffentliche Gelder handelte, die da in Anspruch genommen wurden, verhallten ohne Wirkung.

Über einen Monat nach dem abrupten Ende der Brose-Baskets Saison ist mittlerweile klar: Nachgebende Stühle sind in der Brose-Arena kein Einzelfall. Ganz im Gegenteil: Bei einer Prüfung stellte sich heraus, dass die Hälfte aller grauen Sitze Sicherheitsmängel aufweist. Konkret bedeutet das: 2000 Sitze, die quer durch die ganze Halle verteilt sind, können im Belastungsfall einknicken.

Was ist der Grund für die Schwäche von "ARC Lite", wie der Stuhltyp des Herstellers Eheim heißt? Sind die Bamberger Freaks etwa zu schwer für das filigrane Kunststoff-Sitzwerk? Hallen-Chef Horst Feulner spricht von einer fehlerhaften Charge in der Lieferung. Die Sitzflächen seien durch einen Produktionsfehler mit zu schwacher Wandstärke hergestellt worden. Folge der Materialschwäche: Es kommt zur Rissbildung, schließlich zum Bruch der Verbindung an den Bohrungen - der Stuhl knickt ein. Nur die roten Hocker sind bislang nicht betroffen.

Für den Hallenchef ist die Panne mit den Stühlen peinlich; andererseits kommt die Stadt mit einem blauen Auge davon. Denn es ist der Stuhllieferant aus Öhringen in Baden-Württemberg, der die Kosten für den Ersatz und die Montage der neuen Stühle trägt.

Anders als beim Fliesenschaden im Bambados muss auch kein Gutachter die Ursachen untersuchen. "Wir arbeiten gut zusammen und es ist unstrittig, dass es sich um einen Schaden im Rahmen der Gewährleistung handelt", sagt Feulner.

Was wird nun passieren? Aus Sicherheitsgründen und weil die Überprüfung der jeweiligen Wandstärken sehr aufwändig wäre, lässt das Stuhl-Unternehmen nicht nur die 2000 fehlerhaften, sondern alle 4000 grauen Sitzflächen auswechseln. Die Montage der neuen Stühle soll bis zum Beginn der neuen Saison im Oktober abgeschlossen sein.

Kritiker der mit Millionenaufwand sanierten Brose-Arena fühlen sich durch den Vorfall bestätigt. Bürger-Block-Stadtrat Norbert Tscherner, der den Rauswurf der blauen Stahlstühle als Verschwendung öffentlicher Gelder gegeißelt hatte, fürchtet, dass die neuen Stühle generell zu wenig robust für die jahrelangen Belastungen in einer Sport- und Kulturhalle sein könnten.

Als logische Konsequenz einer "Auswahl ohne Fachkenntnisse" bezeichnet der Stuhlfabrikant und frühere Namensgeber der Arena, Franz Stegner, die Erfahrungen in Bamberg. Die neuen Sitze seien für den Alltagsgebrauch und die Belastungen in einer Sporthalle einfach nicht geeignet.

Dem widerspricht Frank Eheim, der Lieferant der neuen Plastiksessel: "Dieselben Sitze bewähren sich seit über sechs Jahren zur vollsten Zufriedenheit in der Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim." Eheim, der die Sitze in osteuropäischen Ausland produzieren lässt, sprich von einem einmaligen Produktionsfehler, der nun behoben sei. Gleichzeitig kündigt er für die Zukunft "strenge Qualitätsaufsicht" an.