Am 5. Oktober 2020 geschieht, was monatelang für undenkbar gehalten wurde. Wenn nicht die Pandemie wieder eingreift wie in der letzten Spielzeit, in der ihr die letzten vier von zehn geplanten Veranstaltungen zum Opfer gefallen sind, eröffnet um 19.30 Uhr die Shakespeare Company Berlin auch den Theaterring der Stadt Bad Kissingen wie schon so oft in den letzten Jahren. Aber damit endet schon das Gewohnte.

Denn weder der Spielort noch der Abonnementcharakter noch die mögliche Anzahl der Zuschauer bleiben bei dieser 36. Auflage der bisherigen Abonnementveranstaltung der Stadt Bad Kissingen gleich. Die gravierendste Änderung betrifft den Ort, denn aufgrund der vielen rechtlichen Vorgaben wie Sitzen mit Einhaltung des Mindestabstands und daraus resultierenden wesentlich geringeren Zuschauerkapazitäten der Räume kann die Veranstaltung nicht in Littmanns intimem Kurtheater (Da wären nach Auskunft der Organisatoren der Staatsbad GmbH nur 60 Personen zugelassen.) stattfinden, sondern muss in den Max-Littmann-Saal verlegt werden. Dass der mehr als 1100 Besucher fasst, ist allerdings irrelevant, da zum jetzigen Zeitpunkt die Besucherzahlen bei Kulturveranstaltungen auf maximal 200 Gäste beschränkt sind.

Abgesehen von diesen sich vielleicht noch ändernden Auflagen durch die bayerische Regierung ist ja auch der weitere Verlauf der Pandemie von niemandem vorauszusehen, weshalb in der kommenden Spielzeit 2021/22 das bisher genutzte Abonnementsystem mit fest gebuchten Karten und Plätzen für die gesamte Spielzeit ausgesetzt werden muss.

Manche Aufführungen können allerdings nicht in eine Konzerthalle wie den Littmann-Saal verlegt werden, weshalb aufgrund all der Unwägbarkeiten die Veranstaltungen für die neue Spielzeit auf eine als Reihe von acht Einzeltheaterabenden reduziert worden ist, bei denen zunächst einmal die bisherigen Abonnenten bevorzugt berücksichtigt werden sollen. Sie haben ein Vorkaufsrecht für die 200 Plätze innerhalb von zehn Tagen ab dem Beginn des jeweiligen Vorverkaufs, der für die Auftaktveranstaltung im Moment zu Ende geht. Anschließend sind die Karten zum freien Verkauf für alle Interessenten verfügbar.

Etwa ab dem 10. September können Karten von den übrigen Interessenten Karten an der Tourist-Information im Arkadenbau abgeholt oder im Service-Center unter Tel.: 0971/8048 444 bestellt werden. Wer früh bucht, kann sich die besten Plätze sichern.

Für die Mimen der Shakespeare Company, die ja im Sommer zu Hause auf einer Freilichtbühne spielen, dürfte die breite, nicht sonderlich tiefe Bühne des Konzertsaals nicht das größte Problem sein. Sie kämpften in unseren Corona-Zeiten um passende Probenräume für die nun in Bad Kissingen stattfindende Premiere der Aufführung in Bad Kissingen. Sie kommen trotz aller Handicaps nach Bad Kissingen mit einem der berühmtesten Stücke William Shakespeares, seiner Tragödie "Othello. D

Das Stück spielt während eines Krieges zwischen der Mittelmeergroßmacht Venedig und der Türkei, in den die Venezianer ihren besten Feldherrn, den dunkelhäutigen Othello, schicken, der erwartungsgemäß den Kampf um Zypern gewinnt. Doch das Unheil wartet zu Hause auf ihn. Im Vielvölkergemisch Venedigs ist Othellos Hautfarbe vielen ein Dorn im Auge, denn Othello hat auch die allseits begehrte venezianische Adelige Desdemona geheiratet, die er abgöttisch liebt. Das weiß sich sein Untergebener und Neider Jago zunutze zu machen, indem er Othellos Eifersucht mit bösartigen Intrigen anstachelt und ihn zum Mord an seiner Frau treibt.

Die Company dazu: "Othello - ein Meilenstein der Theaterliteratur und eins der klügsten Stücke Shakespeares - ist ein reizvolles Vorhaben. Ein packender Thriller, charakterstarke Figuren im unweigerlichen Sog der menschlichen Katastrophe, getrieben von Liebe und Neid, Hass und Eifersucht. Und mitten in der Gesellschaft der Fremde, erfolgreich in seinem Tun, geachtet und angesehen. Und doch bleibt er der Fremde, jederzeit in Gefahr angefeindet zu werden, Ziel von Vorurteilen und rassistischen Ressentiments. Noch heutiger kann Shakespeare kaum sein."

Die Umsetzung der Berliner erfolgt in ihrer seit Jahren gefeierten Machart, mit neuer Übersetzung, Musikalität, rasanten Verwandlungen der sechs Spieler Katharina Kwaschik, Katja Uhlig, Michael Günther, Thilo Herrmann, Oliver Rickenbacher und Thomas Weppel unter der Regie von Nico Selbach und mit der musikalischen Einrichtung von Toni P. Schmitt.

Wie schon seit Jahren in William Shakespeares "Problemstücken" spielt die Kulttruppe beim Theaterring die Tragödie in ihrer typischen Verquickung von Tragik und Witz, wodurch das wirkliche Leben, wirkliche Probleme wirklicher Menschen zum Vorschein gebracht werden. Man darf gespannt sein auf die Wiedererweckung des Theaterrings an ungewohntem Ort mit einer glücklicherweise altbewährten Truppe.