Diakon Christoph Glaser schildert Schicksale von Menschen, die in der Nachbarschaft leben. Manche Geschichten machen betroffen, andere einfach nur traurig. Es betreffe häufig Menschen, "die nicht mehr weiter wissen", sagt er. Da gibt es die Frau Mitte 40, die im Rollstuhl sitzt und nach einer Trennung vollkommen alleine und abgeschnitten in ihrer Wohnung im dritten Stock lebt.
Da gibt es diese 90-jährige Seniorin, die keine Angehörigen und Freunde hat, die ihr dabei helfen, Behördengänge zu erledigen. Oder da ist der Pflegeheimbewohner, der einfach jemanden sucht, mit dem er sich eine Weile bei einem Brettspiel unterhalten kann.

Diese Menschen haben oft nicht das Geld, um sich Unterstützung zu holen; Sie können keinen Finanzberater beauftragen, ihre Formulare auszufüllen. Oder sie sind einsam. "Dann wird die Zeit lang", sagt Glaser. Jeder Tag dehnt sich für die Betroffenen unendlich. "Wenn man hier Hilfe leisten kann, ist man gut platziert." Die ehrenamtliche Initiative "Eine Stunde Zeit füreinander" gibt den Betroffenen Unterstützung.

Zu viele Anfragen

Seit zwei Jahren gibt es das als erweiterte Nachbarschaftshilfe gestartete Projekt, das von den katholischen Pfarreiengemeinschaften Bad Kissingens und der Caritas ausgeht. 50 bis 60 Ehrenamtliche engagieren sich eine Stunde pro Woche. "Manche aber auch mehr", sagt Glaser. Das entscheidet jeder für sich.

Das Projekt hat sich etabliert und stößt trotzdem an seine Grenzen. "Uns fehlen die Ehrenamtlichen. Wir können gar nicht alle Anfragen bedienen", sagt Koordinatorin Gabriele Makowka. Bei ihr und ihrer Kollegin Elisabeth Wagner laufen die Fäden zusammen. Sie bearbeiten die Anfragen und vermitteln die Ehrenamtlichen nach ihren Begabungen und Wünschen. Es bringt nichts, wenn die Ehrenamtlichen zu einer Tätigkeit überredet werden müssen. "Wir lernen die Leute erst kennen, bevor wir entscheiden, wo wir sie einsetzen", erklärt Makowska.
Um die Initiative stärker bekannt zu machen, wird demnächst ein neuer Werbeflyer herausgegeben. Die Verantwortlichen suchen neue Helfer, die etwas sinnvolles tun wollen. Diakon Glaser: "Viele sagen, dass sie selbst Gutes erfahren haben, das sie zurück geben möchten." Die Kirche und die Gesellschaft ist auf gelebte Nächstenliebe angewiesen.