Vor 138 Jahren hat König Ludwig II. von Bayern Bad Kissingen zum Bad erhoben, seit mehr als einem Jahr zählt es zum Unesco-Welterbe. Seit Donnerstag ist das auch ganz offiziell. Birgitta Ringbeck von der Unesco-Welterbe-Koordinierungsstelle des Auswärtigen Amtes sowie Bayerns Wissenschafts- und Kunstminister Markus Blume (CSU) haben feierlich die Ernennungsurkunde der Unesco an die Stadt Bad Kissingen übergeben.

Die Unesco hat mit dem Welterbe-Titel für die "Bedeutenden Kurstädte Europas" das europäische Kurphänomen geadelt. Bei den bedeutenden Kurstädten Europas handelt es sich um eine internationale Bewerbergruppe, in der elf Städte aus sieben europäischen Ländern vertreten sind, darunter auf deutscher Seite Bad Kissingen, Baden-Baden und Bad Ems. In diesen elf Städten hat sich in außergewöhnlicher Weise eine Architektur um die Heilquellen entwickelt und die gesamte Stadt auf die Bereiche Gesundheit und Freizeit - bis heute moderne Ideen - ausgerichtet und innovative Ideen in der Medizin, der Balneologie und der Freizeitgestaltung angestoßen. "Kurstädte haben diesen Bereich in der Zeit von 1700 bis ins lange 19. Jahrhundert hinein in Europa und anderen Teilen der Welt beeinflusst und sie haben zu politischen Austausch und zur Völkerverständigung beigetragen", erklärt Ringbeck.

Ringbeck hat beim Auswärtigem Amt nicht nur mit allen Welterbe-Bewerbungen mit deutscher Beteiligung zu tun, sondern sie Bad Kissingen, Baden-Baden und Bad Ems bei dem mehr als zehn Jahre dauernden Bewerbungsverfahren begleitet. Für ihren letzten Arbeitstag ist sie zur Urkundenübergabe nach Bad Kissingen gekommen. Unter den 51 deutschen Welterbestätten befinden sich auch einige grenzübergreifende und transnationale. Insgesamt kooperiere Deutschland mit 23 Ländern, sagt sie. Die Bedeutenden Kurstädte Europas stechen aber besonders hervor: "Wenn wir eine europäische Kulturstätte haben, dann sind es die Great Spa Towns of Europe", sagt sie.

Bad Kissingen sei für sie immer ein Höhepunkt innerhalb der Gruppe gewesen. Die große Stärke der Stadt sei, dass hier die Kur noch wie früher gelebt wird. "Vieles ist noch in der ursprünglichen Nutzung. Und wo es umgenutzt wurde, wurde baulich sehr gut gearbeitet", lobt sie. Das Welterbe sei in Bad Kissingen lebendig.

Als große Aufgabe sieht sie es, dass die Stadt ihr Erbe weiterhin bewahrt und an künftige Generationen weitergibt. Sich als Stadt weiterzuentwickeln, ohne das Erbe zu stören. "Diese Gratwanderung ist sehr schwer. Man muss sich genau fragen, was macht unsere Stadt aus? Aber das ist auch der Wert des Welterbes: Dass man drei Mal überlegt, was tut der Stadt gut", sagt sie.

Welterbe als Impulsgeber für die Stadt

Bad Kissingen habe sich nie auf seiner Tradition und dem Glanz und Gloria vergangener Tage ausgeruht, so Staatsminister Blume im Gespräch mit dieser Zeitung. Die zehnte Welterbestätte in Bayern "ist ein prächtiger Ort, der sein Erbe bis heute lebendig hält". Blume findet: "Das, was zum Aufstieg geführt hat, ist immer noch erhalten." Er versichert, dass der Freistaat sein größtes Staatsbad auch beim Welterbe weiter unterstützen wird. "Denkmalschutz ist ein Dauerprozess", betont der Minister.

Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) sieht in dem Welterbetitel einen wichtigen Treiber und Impulsgeber für die Stadt. Den Bad Kissingern attestiert er anhand einer Umfrage Zukunftsoptimismus. "Das Weltkulturerbe ist für Bad Kissingen die große Projektionsfläche auf eine bessere Zukunft, vielleicht auch, weil die Menschen die Veränderung in der Stadt spüren", sagte er. Der Titel hat der Stadt überregionale Aufmerksamkeit beschert - auch bei Investoren - und ist eine Chance für die Stadtentwicklung.

"Für den Landkreis ist die Ernennung insgesamt ein tolles Ereignis", meint Landrat Thomas Bold (CSU). Der Welterbetitel habe eine Strahlkraft weit über die Region hinaus, und wertet auch die anderen beiden Staatsbäder des Landkreises, Bad Brückenau und Bad Bocklet, auf. "Wir haben eine große Tradition im Bäderwesen und in der Gesundheitswirtschaft", sagt er. Das werde in dem Welterbetitel ersichtlich.