Sebastian Schlereth steht noch ganz unter den Eindrücken der vergangenen Tage: "Ein Wahnsinn, wie sich die Bevölkerung gekümmert hat - diese Hilfsbereitschaft und auch die große Dankbarkeit den Helfern gegenüber."

Der Vorsitzende der Wasserwacht-Ortsgruppe Hammelburg und seine Mitstreiter Florian Bremer, Markus Merz, Micha Büttner und Sven Weigand haben vier anstrengende Tage hinter sich.
Trotz aller Strapazen kehrten sie am Wochenende aber auch mit einer gewissen Befriedigung zurück. "Was wir bei unseren vielen Übungen gelernt haben, konnten wir hier in die Praxis umsetzen. Wir haben unser Spezialwissen eingebracht und damit Menschen geholfen", freut sich Sebastian Schlereth.


Morgens um 4 Uhr in Plattling

Zu Beginn des Einsatzes sammelte sich der aus etwa 30 Personen bestehende Wasserrettungszug Unterfranken zunächst spätabends in Geiselwind. Von dort ging es weiter nach Plattling, wo die Helfer kurz nach vier Uhr morgens eintrafen. Nach einer zweistündigen Ruhepause folgten bereits die ersten Einsätze in Fischerdorf und Natternberg. Hier galt es, vom Hochwasser eingeschlossene Menschen zu evakuieren. Die Helfer aus Unterfranken suchten die meist frei stehenden Gehöfte ab und brachten zusammen mit anderen Einsatzkräften über 40 Personen in Sicherheit.

Da spielten sich zum Teil auch bewegende Szenen ab. Sebastian Schlereth erinnert sich an ein älteres Ehepaar, das kaum zu bewegen war, sein Haus zu verlassen, dann aber doch ging - mit Tränen in den Augen. "Wir haben ihre Katze gerettet. Ohne das Tier wollten sie nicht gehen", schildert Schlereth.

Natürlich konnten die Einsatzkräfte nicht alle Tiere der Gehöfte mitnehmen, doch eine gewisse Hilfe war bisweilen möglich. So haben die Hammelburger zum Beispiel in einem Hof die Hühner gefüttert, die sich ganz oben in ihrem Stall versammelt hatten. "Hoffentlich haben sie das Hochwasser überlebt", meint Schlereth.

Vielen Tieren der Landwirte konnte der Rettungszug aber nicht helfen. Tatenlos mussten die Männer und Frauen zuschauen, was ihnen nicht leicht fiel. "Wir haben unterwegs auch Wild gesehen, Rehe, die sich auf eine Anhöhe gerettet haben, aber vom Wasser eingeschlossen waren. Das ist alles schon tragisch", bekennt Schlereth.

Als bedrückend empfand er auch den Anblick der Häuser, die bis zum Dach unter Wasser standen. "Man kann sich ja vorstellen, welche Schäden da zurückbleiben und was das für die Menschen bedeutet", weiß er.


Gesten der Dankbarkeit

Es gab aber auch viele schöne Momente, wenn zum Beispiel die Einheimischen anboten, einen Kuchen für die Helfer zu backen oder Kaffee brachten. "Ein Metzger aus dem Ort kam auch vorbei und hat Brötchen mit Leberkäse verteilt", schildert der Vorsitzende der Hammelburger Wasserwacht. Ansonsten kam die Verpflegung aus Feldküchen.

Die Versorgung mit Strom und Trinkwasser funktionierte vielerorts noch, doch die Kanäle konnten oft nicht mehr genutzt werden. Daher wurden zahlreiche Dixie-Klos aufgestellt.

Untergebracht waren die Helfer anfangs in einer Turnhalle. Nach zwei Tagen wurde ihr Einsatzgebiet nach Mühlham bei Osterhofen verlegt. Hier schob ein Wirt kurzerhand die Tische in seinem Gastraum zur Seite, um den Unterfranken eine Bleibe zu bieten.

In Osterhofen musste ein Dammbruch verhindert werden, wozu ein Deichsegel - eine große Plane - eingebracht und mit Sandsäcken gesichert wurde. Neben den Wasserrettern kamen hier auch Taucher zum Einsatz. Die Lage war äußerst kritisch, die Fluten drückten gegen das Bauwerk. "Es fehlten nur zwei oder drei Zentimeter, dann wäre der Damm überflutet gewesen", schildert Schlereth.

Auch Einsatzkräfte von Feuerwehr und Bundeswehr halfen mit, die durch die Wasserwacht gesichert werden mussten. Bei der Evakuierung eingeschlossener Personen wurden zudem die Luftretter des Wasserrettungszuges benötigt.


"Bin noch total gerädert"

Viel Schlaf bekamen die Helfer nicht. Der Einsatzleiter ordnete zumindest regelmäßige Ruhepausen an, damit sie wieder einigermaßen zu Kräften kommen konnten. Am vierten Tag ging es dann zurück nach Geiselwind, wo sich der Zug am Nachmittag auflöste. Am Abend trafen die heimischen Helfer dann in Hammelburg ein. "Ich bin noch total gerädert. Man braucht schon zwei bis drei Tage Ruhe, um einen solchen Einsatz auch körperlich zu verkraften", so Sebastian Schlereth.