Erfahrene Reisende wissen: Zwischen drei Sternen und drei Sternen kann es gewaltige (Preis-)Unterschiede geben. Diese Klassifizierung durch den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa) ist für viele nicht nur Qualitätsmerkmal und Marketinginstrument, sondern auch Ansporn, noch mehr zu bieten.

Das erste Haus am Platz - vier Sterne Superior - ist aktuell das "Frankenland" mit 835 Betten in 500 Zimmern und 230 Beschäftigten.
Geschäftsführerin Andrea Hergenröther hält diese Klassifizierung für "sehr wichtig" und "unverzichtbar". Die Kunden orientieren sich daran und finden, was sie suchen. Ihr Haus investiert pro Jahr mehrere 100 000 Euro , um diesen hohen Standard zu halten. Mit einem klaren Nein beantwortet Andrea Hergenröther die Frage, ob sie fünf Sterne anstrebe. Denn bei einer solchen Größe wie beim "Frankenland" wäre es schwierig, die nötige Individualität bis ins Detail zu erbringen. Und: Manche Tagungspartner buchen keine Fünf-Sterne-Häuser.

Luxus zum Sonderpreis

Der "Kaiserhof Victoria" mit 172 Zimmern und 65 Beschäftigten hat ebenfalls vier Sterne. Der vierte "ist schon sehr wichtig für die Vermarktung", sagt Geschäftsführer Christian Weghofer: "Unser Kunde erwartet diesen hohen Standard". Zielgruppe sei "50 plus". "Kaiserhof Victoria" bietet Arrangements für ab 199 Euro für drei Tage Halbpension an. Dazu sagt Weghofer, damit werden noch Geld verdient, "sonst könnten wir nicht eine halbe Million Euro im Jahr investieren". Es gebe Mitbewerber, die "weit unter diesen Preisen liegen". Mit einer Jahresauslastung von 65 Prozent zeigt er sich zufrieden.

Für Ina Labunets vom Hotel "Weißes Haus" ist die Klassifizierung notwendig. Die vier Sterne seien wichtig für Marketing und Verkauf, erschlössen eine gehobene Klientel und ermöglichten entsprechende Preise. Sie machten sich bei dem 26-Zimmer-Haus insgesamt positiv bemerkbar, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin.
"Unbedingt" notwendig sind für Günther Wedler die vier Sterne seiner "Residence von Dapper" (50 Zimmer/ 30 Mitarbeiter). Man müsse sich von Mitbewerbern abheben. Wedler sagt, die Klassifizierung sei keine Pro-Forma-Sache, die Prüfer testeten alles genau. Auch gehe der Hotel- und Gaststättenverband gegen Portale vor, die unberechtigt Sterne vergeben. Rund 1,2 Millionen Euro habe er neu investiert, um den Vier-Sterne-Standard zu festigen. Zielgruppe seien 20- bis 40-jährige Wellness-Gäste. Man biete auch Programme für Paare an.

Die "Genießer-Villa"

Klein (32 Betten), aber fein ist das "Parkhotel" von Sterne-Koch Hermann Laudensack, das er die "Genießer-Villa" nennt. Vier Sterne hat sie nicht, "aber wir erfüllen locker diesen Standard". Eigentlich gehöre eine Klassifizierung dazu, aber der Vier-Sterne-Bereich habe "eine irrsinnig große Bandbreite".

Auf manchen Portalen ist das Hotel "Sonnenhügel" noch mit dreieinhalb Sternen gelistet. Geschäftsführer Hans Markwalder sagt, "wir werben nicht mehr mit Sternen". Er nannte das System eine "sehr statische Angelegenheit". Außergewöhnliche Leistungen wie ein riesiger Spielplatz oder ein großes Schwimmbad würden nicht bewertet. Markwalder: "Viel wichtiger sind für uns Mitgliedschaft bei Familotel und dessen drei Kronen." Die gäben den Gästen stärkere Informationen.

Dreieinhalb Sterne habe auch das "Westpark Hotel", man werbe aber nicht damit. Senior-Chef Heinz Stempfle: "Weil wir noch nicht so weit sind. Wir wollen vier. " Das soll 2014 geschafft sein. Der Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes nannte das System wichtig. Der Verband favorisiere es. Der Interessent könne sich orientieren, was ihn erwarten.

* Einfache Ansprüche (unter anderem Dusche/ WC, Farb-TV, Tisch und Stuhl, Getränke).

** Mittlere Ansprüche (Frühstücksbuffet, Leselampe, Badetücher, Kartenzahlung).

*** Gehobene Ansprüche (14 Stunden besetzte Rezeption, Telefon, Getränke im Zimmer).

**** Hohe Ansprüche (Internetzugang, Restaurant, Minibar, 24 Stunden Roomservice),

***** Höchste Ansprüche (Safe und Internet-PC im Zimmer, Schuhputz-Service).

System Vor mehr als zehn Jahren wurde die bundesweit gültige Hotelklassifizierung eingeführt. Heute wird nach 270 Kriterien in sechs Bereichen geprüft. Für einen Stern muss der Bewerber, der für die freiwillige Klassifizierung bezahlt, mindestens 90 Punkte erreichen, für zwei Sterne 170 oder mehr. Maximal 860 Punkte sind möglich. Ab 570 gibt es fünf Sterne. Für das Prädikat Superior braucht es weitere Zähler. Außerdem ist ein Katalog von bis zu 120 Mindestkriterien zu erfüllen. Eine Klassifizierung ist drei Jahre lang gültig, Dann erfolgt eine erneute Überprüfung.

Statistik Bundesweit gibt es 8314 nach DeHoGa klassifizierte Betriebe. In Bayern stehen 24 Fünf-Sterne-Häuser und 514 mit vier Sternen. In Bad Kissingen dürfen diese Bezeichnung laut Hotel- und Gaststättenverband tragen "Frankenland" (Superior), Hotel "Kaiserhof Victoria", Hotel "Weißes Haus" und "Residence von Dapper". Jeweils drei Sterne haben Hotel "Saxonia", "Sonnenhügel", Kurhotel "Sonneneck" und VdK-Kurzentrum. Andere, oft hervorragende Häuser, haben sich noch oder nicht mehr klassifizieren lassen. Infos unter www-Hotelsterne.de.3