Vorsitzender Richter Matthias Göbhardt sagte bei der Urteilsbegründung, A. sei eine tüchtige Kraft, dessen "Gutmütigkeit immer nur ausgenutzt" worden sei. Er habe aus Zorn auf und aus Enttäuschung über seinen früheren Arbeitgeber - "das büßt der mir" - gehandelt und drei "Beutezüge" gemacht.

Die Staatsanwaltschaft hatte A. zunächst sogar vorgeworfen, das Geld aus 33 Zigarettenautomaten entnommen zu haben.
Den Wert der Beute und den angerichteten Sachschaden bezifferte sie mit rund 29.000 Euro.

Zehn Taten hatte A. sofort gestanden. Dann rangen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung längere Zeit hinter verschlossenen Türen um Gerechtigkeit. Heraus kam ein "Deal": A. gab sieben weitere Delikte zu, die anderen Vorwürfe wurden eingestellt. Es wäre wohl nur schwer möglich gewesen, sie A. zu beweisen. Verteidiger Ludwizak hatte argumentiert, es sei ein "Trittbrettfahrer" beteiligt gewesen, der nach A.'s Methode Automaten geplündert habe.

Rückhaltloses Geständnis

Dank des rückhaltlosen und glaubhaften Geständnisses, zu dem Matthias Göbhardt A. dringend geraten hatte, kam A. mit einer Bewährungsstrafe davon.

Es wurde auch nicht der erwartete Mammut-Prozess mit zwei Verhandlungstagen. Die sieben Zeugen, zum Teil aus dem Raum Hannover angereist, wurden nicht vernommen.

A. war bei einem Tabakwarenhändler in der Region angestellt. Der Lohn - 1300 Euro netto - waren nicht die Wucht, zehn bis 30 Überstunden pro Woche wurden nicht vergütet, zehn Jahre hatte es keine Gehaltserhöhung gegeben. In dieser Zeit hatte sich die Zahl der Automaten vervielfacht, die der Monteure samt Azubis nur verdoppelt.

A. litt unter Stress und an gesundheitlichen Problemen. Er suchte sich einen anderen Job und fand ihn bei Hannover. Daran aber zerbrach dann seine Beziehung zu seiner Freundin.

Aus seiner Tätigkeit in der Rhön hatte er noch Automaten-Schlüssel. Für jedes Gerät gibt es drei: einen für den Monteur, den Befüller und die Werkstatt.

Da kam A. auf dumme Gedanken. Bei Touren in die Rhön im vergangenen Jahr öffnete er "seine" alten Automaten mit den Schlüsseln, entnahm das Geld und manchmal auch Teile.

Auf frischer Tat erwischt

Das ging mehrere Monate gut. Beim letzten oder vorletzten Schlüssel flog er auf. In Weißenbach wunderten sich zwei Männer, dass der Automat schon wieder befüllt werden sollte. Sie verlangten von A. einen Ausweis und drohten ihm im Falle der Weigerung Prügel an.

A. ergriff die Flucht, kam aber nicht weit, weil der absolut unsportliche Mann einen Wadenkrampf bekam. Als er mit seinem Auto wegfuhr, notierte sich jemand das Kennzeichen. Das war's.

A. wurde das "Opfer" der modernen Technik: Für die Kripo war es kein Problem über Handy und Navi festzustellen, wann und wo A. in der Rhön gewesen war. Richter Göbhardt: "Die NSA lässt grüßen."

Froh, dass alles rum ist

A.'s Vortrag, es könnten sich auch andere auf diese Weise an den Automaten bedient haben, überzeugte nicht wirklich. Der Staatsanwalt - "wer soll es denn gewesen sein?" - wies darauf hin, dass die Serie aufhörte, als A. aufgeflogen war. Verteidiger Ludwizak vertrat die Ansicht, jemand "aus dem engeren Umfeld" komme in Frage; zumal A. Kontakt zu seinen Ex-Kollegen hatte. Da konnte weder bewiesen, noch widerlegt werden.

Der Staatsanwalt forderte in seinem Plädoyer, wie in Aussicht gestellt, zwei Jahre mit Bewährung. Für jede der verbliebenen Einzeltaten verlangte er fünf bis sieben Monate Freiheitsentzug. Nach seinen Angaben war ein Schaden von insgesamt mehr als 17.000 Euro entstanden.

Verteidiger Ludwizak schloss sich, "weil im Kern voll zutreffend" an. Und: "Wir können es uns nicht erklären, warum er es gemacht hat." Vielleicht könne man unter zwei Jahren bleiben?

A. - bislang völlig unbelastet - bedauerte in seinem letzten Wort erneut seine Taten. Er habe sich der Strafverfolgung nicht entziehen wollen, sei froh, dass bald "alles abgeschlossen ist."

Neue Heimat Malta

Er hat sich inzwischen eine neue Existenz aufgebaut: Dort, wo er schon immer mal hinwollte, in Malta. Den Job in einem Callcenter eines deutschen Weltunternehmens hat er sich selbst gesucht. Er schwärmte so von der Insel, dass der Richter überlegt, auch mal dorthin zu fahren.