Pilot Jürgen Kess überprüft die Instrumente im Cockpit, funkt mit dem Tower, dann zieht er am Geschwindigkeitshebel. Bei 120 Kilometern pro Stunde hebt das Motorflugzeug am Flugplatz in der Au ab. "Wir fliegen die Ostroute", sagt Kess. Er muss laut sprechen, um sich über den Motorenlärm hinweg verständlich zu machen.
Kess und Luftbeobachter Benno Zellhan fliegen seit vergangener Woche regelmäßig die Landkreise Bad
Kissingen, Rhön-Grabfeld, Schweinfurt, Kitzingen und Haßberge ab und suchen nach Rauchsäulen in ausgedehnten Waldgebieten. Die Flüge starten abwechselnd von Bad Kissingen und Haßfurt aus.

Aufgrund der anhaltenden Hitze und der langen Trockenheit hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) vergangene Woche die höchste Gefahrenstufe für Teile der Region verhängt. "Ab Waldbrandgefahrenstufe vier gibt die Regierung von Unterfranken den Einsatzbefehl. Dann rücken die ausgebildeten Luftbeobachter aus", sagt Zellhan von der Rückbank des Aufklärungsfliegers. Der Oberschenbacher ist einer von 40 in Unterfranken.


Überwachung großer Wälder

Von Bad Kissingen aus fliegt Kess über Schweinfurt in Richtung Haßfurt. "Die Route ist von der Regierung vorgegeben und führt über große Waldgebiete", erklärt Zellhan. Diese Flächen sind vom Boden aus schwer einsehbar. Bis ein Brand vom Boden bemerkt wird, hat sich das Feuer bereits stark ausgebreitet. "Deshalb suchen wir nach Brandnestern." Zellhan hilft Kess beim Navigieren. Auf seinem Schoß liegt eine von mehreren Flugkarten, auf der die Kurse eingezeichnet sind. Sichten die beiden ein Feuer, bestimmt Zellhan den genauen Standpunkt. Über Funk setzt er dann einen Notruf ab.

"Durch die extreme Trockenheit langt eine weggeworfene Glasflasche oder glimmende Zigarettenkippe, um ein Feuer auszulösen", schimpft Kess. "Manche Leute sind teilweise sehr unvernünftig." Dennoch ist die Region bisher ohne größere Schäden davon gekommen. Seit 2006 fliegt Zellhan Einsätze, zwölf waren es bisher. "Alle glimpflich." Er ist gleichzeitig erster Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Obereschenbach. "Man erkennt am Rauch, wenn es ernsthaft ist." Zellhan hat genug Routine, um weiß-gräulichen Brandqualm von aufsteigenden Nebelbänken und Staubwolken, die Bauern beim Mähdreschen aufwirbeln, zu unterscheiden.

Mittlerweile hat das kleine Motorflugzeug die Volkacher Mainschleife überflogen und sich nach Norden gewendet. Über Fuchsstadt und Oberthulba lenkt Kess es in Richtung des Dreistelzes bei Bad Brückenau. Dann, südlich von Modlos, erspäht Zellhan eine Rauchsäule auf einer Lichtung zwischen den Bäumen. Pilot Kess kreist um die Säule und geht auf etwa 200 Meter hinunter. Der Brandgeruch ist sogar im Flugzeug deutlich zu riechen. Kess sucht leise, weil das Feuer offenbar unbeaufsichtigt brennt. Zellhan setzt unverzüglich einen Notruf ab, das Risiko ist ihm zu hoch.

Kess dreht ab und fliegt in Richtung Oberleichtersbach, um der alarmierten Feuerwehr notfalls den Weg zu weisen. Knappe fünf Minuten später ist das erste Löschfahrzeug vor Ort. Kommandant Walther Muth erklärt, dass es sich bei dem Einsatz um eine Vorsichtsmaßnahme gehandelt habe. "Die Luftbeobachter mussten handeln. Wenn ein Feuer beim Entstehen entdeckt wird, lässt es sich am Besten ablöschen." Haben die Flammen bereits um sich gegriffen, wird es richtig gefährlich. Frühzeitiges Handeln verhindert, dass es zu Katastrophenmeldungen kommt, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. "Bei dieser trockenen Witterung darf keinesfalls ein Feuer oder ein Grill im Wald entzündet werden", betont Muth. Man müsse Vorsicht walten lassen.

Die jüngsten Regenfälle haben für eine Entspannung der Lage geführt. Am Wochenanfang stufte der DWD die Waldbrandgefahr für Unterfranken auf niedrig. Doch die Böden sind nicht ausreichend gesättigt. Bereits ab Freitag galt wieder die Warnstufe drei. Nicht mehr lange und Kess und Zellhan müssen wieder fliegen.