Farblos, aber bestimmt nicht harmlos. Eine Altlast der früheren Tierkörperbeseitigungsanlage (TBA) bei Münnerstadt - Tetrachlorethen (PER) - wird die Experten noch lange beschäftigten. "Das werden Sie und ich nicht erleben", zitierte Geschäftsleiter Manfred Körber einen Gutachter auf die Frage, wie lange denn noch das Grundwasser aufwändig gereinigt werden müsse.

Dennoch hat der Zweckverband Tierkörperverwertung Unterfranken (TKVU) diese
Problematik offenbar im Griff. Landrat und Verbandsvorsitzender Thomas Bold (CSU) sagte, "wir spüren keine deutliche Veränderung, das kann Jahrzehnte dauern". Auch Textilreinigungen hätten damit zu tun.

In der 1979 abgerissenen Anlage wurde seit 1943 PER als Fettlöser eingesetzt. Jetzt besteht die Gefahr, dass die Chemikalie das Grundwasser verseucht. Der TKVU betreibt daher seit März 2005 im Talgrund bei Münnerstadt eine Reinigungsanlage mit fünf Sanierungsbrunnen im Dauerbetrieb. Sie muss weiter betrieben werden, da ein Abklingen der Schadstoffrückgewinnung nicht erkannbar sei, so Körber.

Das koste pro Jahr 45.600 Euro. Das kann sich der TKVU - Mitglieder sind außer Aschaffenburg und Miltenberg alle Landkreise und kreisfreien Städte Unterfrankens - locker leisten. Er ist schuldenfrei, hat 270.000 Euro auf der hohen Kante und, laut Körber, im Vorjahr einen Überschuss von 73.300 Euro erwirtschaftet.

54.800 Tonnen Tierkörper und -teile wurden insgesamt in der TBA Walsdorf bei Bamberg verarbeitet. 6948 Tonnen Fett und 11.048 Tonnen Mehl wurden erzeugt. Das Mehl muss verbrannt werden, das Fett findet reißenden Absatz für die Reifenherstellung und als Bio-Diesel.

Die Verarbeitungskosten waren zwei Mal gesenkt worden. Heuer werden sie um zwei auf 40 Euro pro Tonne erhöht. Die Transportkosten steigen um elf Prozent. Voraussichtlich müssen 6306 Tonnen (2012: 6405 Tonnen) entsorgt werden.

PER steht für Tetrachlorethen (C2Cl4). Der Kohlenwasserstoff ist farblos und riecht nach Chlor. Er wurde unter anderem als Lösungsmittel, Weichmacher bei Kunststoffen und als Fettlöser - so bei der Tierkörperbeseitigung - eingesetzt. Aufgrund seiner großen Verbreitung und Mobilität gehört er zu den Hauptverschmutzern des Grundwassers. Die chronische Aufnahme der Chemikalie, die in der Metallindustrie und chemischen Reinigungen verwendet wird, kann Krebs verursachen. Leber- und Nierenschäden drohen.

Genzwert Für Trinkwasser gilt ein PER-Grenzwert von zehn Microgramm pro Liter. PER ist in Wasser sehr schlecht löslich.

1,19 Millionen Kubikmeter Wasser wurden bislang gereinigt. Knapp drei Tonnen PER wurden ausgefiltert. Alleine im Vorjahr waren es aus 148.000 Kubikmetern rund 419 Kilogramm. Dazu mussten 8400 Liter Aktivkohle eingesetzt werden. Insgesamt 53 Proben wurden an verschiedenen Stellen des Systems entnommen und untersucht. Es gab keinerlei Beanstandungen.