"Bad Kissingen ist der exklusivste und teuerste Staatsbad-Standort, den wir in Bayern haben", kommentierte Heimat- und Finanzminister Markus Söder die Investition von 70 Millionen Euro an der Saale. Das sei das Zehnfache dessen, was in jedes der anderen vier bayerischen Staatsbäder fließe. Allerdings könne er die Investitionen vertreten, weil der Landkreis Bad Kissingen zwar "einer der schönsten in Bayern" sei, aber eben auch große strukturelle Herausforderungen
zu bewältigen habe.
Wenn Mitte 2020 das Kurhausbad und der Neumann-Flügel fertig sind und die Außenstelle des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit etabliert sei, werde Bad Kissingen ein "echtes Kompetenzzentrum Kurortmedizin", betont der aktuelle Finanz- und frühere Gesundheitsminister. Dieser Erfolg solle nicht nur mit der typisch fränkischen "inneren Euphorie" gefeiert werden.
War es ein Fehler, der Steigen-berger-Gruppe 2010 zu kündigen? Bei dieser Frage wich Söder aus "Es ist sehr robust entschieden worden, man hätte sicherlich noch einmal miteinander reden können", gestand Söder Fehler im Umgang ein. In der Sache jedoch sei die Entscheidung "alternativlos" gewesen: "Nach allen Unterlagen, die mir zur Verfügung stehen, wäre am Ende dasselbe herausgekommen." Umso wichtiger sei ihm gewesen, jetzt ein offenes Dialogverfahren zu wählen.
Der Umgang miteinander wurde von allen Seiten gelobt: "Ich spüre den Willen aller Beteiligten, hier zu einem vernünftigen Ergebnis zu kommen", sagte SPD-Oberbürgermeister Kay Blankenburg. "Bad Kissingen glaubt an diese Lösung und Bad Kissingen tut alles, um diese Lösung voran zu bringen."


Söders Einsatz gewürdigt

Zufrieden waren auch Söders Parteifreunde Landrat Thomas Bold und Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner. "Bad Kissingen und die Region braucht an dieser Stelle ein Hotel für die weitere Entwicklung", betonte Bold. "Niemand hat sich so stark engagiert wie Markus Söder", lobte der Landrat den Minister und zeigte sich optimistsich, dass das neue Konzept aufgeht.
Der Finanzminister ist sich sicher, dass die neue Ausschreibung im kommenden Jahr erfolgreich über die Bühne geht. "Da brauchen wir auch keinen Prinzen aus Katar", ist Söder sogar sehr zuversichtlich, dass sich Investoren aus der Region finden. Entsprechende Nachfragen für ein Vier-Sterne-Hotel samt Eigentumswohnungen habe es gegeben. Dabei habe der Freistaat klare Bedingungen für jede Investition: "Es muss sich verbessern, es muss mit den Partnern vor Ort geschehen, aber es muss auch wirtschaftlich tragfähig sein."


Arbeit für den Stadtrat

Laut OB Blankenburg erlaubt bereits die aktuelle Kurzonen-Satzung die Ansiedlung öffentlicher Verwaltungen, auch die Konzentration von Wohnungen auf einer Teilfläche sei zulässig. Allerdings müsse die Stadt einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan auf den Weg bringen.

Und eine weitere Info gab es gestern: 1,95 Millionen Euro hat der Abriss des Kurhaushotels und des Kurgastzentrums gekostet. Das bestätigte das Finanzministerium auf Nachfrage nach dem Besuch Söders. Die Summe sei im Rahmen der Kostenschätzung, hieß es aus München.

Überblick Rund um das frühere Kurhaushotel gehören dem Freistaat Bayern rund 10 500 Quadratmeter Grund. Das Luitpoldbad westlich der Saale ist zudem 150 Meter lang und 70 Meter breit, hat also auch eine Grundfläche von weit über einem Hektar.

Neumann-Flügel Der so genannte Neumann-Flügel steht an der Stelle des früheren Königlichen Kurhaushotels, das 1739 gebaut, 1827 durch einen Neubau ersetzt und 1927 vom Architekten Max Littmann um ein Geschoss aufgestockt wurde. Bis 2010 wurde der denkmalgeschützte Neumann-Flügel zusammen mit dem neuen Kurhaushotel entlang der Kurhausstraße als Steigenberger-Hotel genutzt.

Kurhausbad Ebenfalls nach den Plänen von Max Littmann entstand 1927 das Kurhausbad mit Innenwänden aus Nymphenburger Porzellan und Schmuckfliesen von Villeroy & Boch. Das denkmalgeschützte Gebäude hat 4140 Quadratmeter Nuttzfläche auf vier Etagen und war bis Herbst 2014 in Betrieb.

Luitpoldbad Eine Aktiengesellschaft von Kissinger Bürgern ließ von 1867 bis 1872 das Luitpoldbad errichten. 1887 ging es an die bayerische Krone, unter Prinzregent Luitpold wurde es zum größten Badehaus Europas ausgebaut. Seit Ende der 1970er Jahre stehen 4000 Quadratmeter Nutzfläche leer, nur Casino und Restaurant wurden genutzt.