Sehr beeindruckt zeigte sich Staatsminister Thomas Kreuzer (CSU) von der Werkstatt der Bundeswehr. Hier beginnen jedes Jahr 30 junge Leute ihre Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker oder Industriemechaniker. Kein anderer Betrieb in der Region hat so viele Lehrstellen zu bieten. Der Rundgang durch die Hallen mit ihrer modernen Technik machte dem Leiter der Bayerischen Staatskanzlei die Bedeutung der Bundeswehr für die Stadt und den Landkreis deutlich.

"Einmalige Sammlung"

Bei der anschließenden Diskussionsrunde ging Landrat Thomas Bold (CSU) auf den geplanten Abbau von rund 1000 Dienstposten bei der Bundeswehr in Hammelburg ein. "Diese Menschen wohnen dann nicht mehr hier, sie kaufen nichts mehr ein, engagieren sich nicht mehr in den Vereinen und Gemeinden", betonte Bold.

Die Einrichtung eines Deutschen Infanteriemuseums in einem Gebäude am Rande der Kaserne wäre eine von verschiedenen Maßnahmen zur Kompensation. Hier könnte die existierende einmalige Sammlung von Exponaten viele Besucher aus nah und fern anlocken, meinte der Landrat. Der Minister, der in Bayern mit dem Thema Konversion betraut wurde, zeigte sich angetan. "Das ist eine gute Idee, die nehme ich mit. Das passt ja auch zum Infanteriemuseum", will Kreuzer ausloten, was möglich ist.

Hammelburgs Bürgermeister Ernst Stross (SPD) verwies auf die millionenschwere, laufende Generalsanierung der Mittelschule. Die Förderquote betrage 61,29 Prozent. Stross wollte wissen, ob nicht eine Erhöhung der Quote möglich sei. Zu Beginn der Konversionsgespräche sei einmal von 80 Prozent die Rede gewesen. Der Minister will diesen Wunsch prüfen lassen. "Ich kann nichts versprechen. Am besten wäre es, einen Zusammenhang mit der Konversion herzustellen", meinte Kreuzer. Er werde mit Finanzminister Markus Söder sprechen.

Bold für eigene Fördermittel

Der Staatsminister sprach ferner das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept an. Mit Mitteln der Städtebauförderung könne Hammelburg bei der Sanierung seiner Altstadt geholfen werden.

Landrat Bold plädierte dafür, einen eigenen Fördertopf für die Konversion einzurichten. Bisher sei eine Förderung nur über vorhandene Programme und eine Anhebung der Sätze möglich. Die Gemeinde Wildflecken benötige viel Geld allein für den Rückbau der Infrastruktur. Einst für 11.000 Einwohner konzipiert, gebe es nach Abzug der US-Army und Truppenabbau bei der Bundeswehr nur noch 3000 Einwohner. Und die leer stehenden Immobilien seien kaum zu vermarkten.

Dieses Thema griff Wildfleckens Bürgermeister Alfred Schrenk (SPD) auf. Mit dem Bundesvermögensamt sei noch zu verhandeln gewesen, doch mit der nun zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gebe es Probleme. Sie erstelle Wertgutachten, die zu Preisen führten, "die mit der Realität nichts zu tun haben", monierte Schrenk.

Thomas Kreuzer erklärte, das Problem sei bekannt. Das Recht des ersten Zugriffs auf die Immobilien für die Kommunen reiche nicht aus. Durch "Verbilligungsgrundsätze" müssten sie für die Gemeinden auch erschwinglich sein.

Als weitere Möglichkeit, die Kommunen zu unterstützen, führte Kreuzer die Ansiedlung von Behörden an. So habe der Landkreis gute Chancen, dass eine Gebührenabrechnungsstelle für Asylbewerber mit 20 bis 30 Arbeitsplätzen hier angesiedelt werde. Landrat Bold bestätigte: "Ich habe hierfür meinen Hut in den Ring geworfen". Sogleich bewarb sich Wolfgang Back (CSU), Bürgermeister von Bad Bocklet, um diese Behörde. Auch weitere Aylbewerber seien willkommen, so Back.

Angst vor Abwanderung

Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) verwies darauf, dass Bad Brückenau sich etablieren wolle als schöne und günstige Gegend zum Wohnen. Wenn nun im Zuge der Konversion attraktiver Wohnraum in der Region Schweinfurt geschaffen werde, fürchte sie eine Abwanderung. "Wir kämpfen um jeden Einwohner", so Meyerdierks.

Landrat Bold schwebt die Bildung eines "Wissenschaftsstandortes" vor. Der Bäderlandkreis habe einen Schwerpunkt im Gesundheitsbereich, weshalb eine medizinische Fachschule, eine Berufsfachschule oder berufsbegleitende Studiengänge wünschenswert seien.

Die Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär (CSU), auf deren Einladung der Minister nach Hammelburg kam, berichtete von der Gründung einer Arbeitsgruppe durch verschiedene Ministerien. Für die Vertreter der Kommunen hatte sie einen "Praxisratgeber Militärkonversion" dabei, den offenbar viele Bürgermeister noch nicht kannten. Den Ratgeber gibt es auch zum Runterladen auf der Internetseite des Bundesverkehrsministeriums (www.bmvbs.de).