Die Sonne brennt, das Thermometer zeigt 33 Grad, eigentlich kein Tag zum Sport treiben. Doch einige Unentwegte drehen ihre Runden auf der roten Bahn, stoßen die schwere Eisenkugel und springen so weit sie können - der Schweiß fließt in Strömen.

Kurt Kühnlein ist einer der Athleten, die beim Aktionstag des TV/DJK unter den Augen der Prüfer am Sportzentrum antreten.
"Das ist mein zweites Abzeichen, das erste habe ich 1972 bei der Bundeswehr gemacht", erzählt der 61-jährige. Jetzt will er seinen Leistungsstand erneut testen. Sportlich ist er ohnehin, spielt seit 50 Jahren Fußball, kickt jetzt bei den Alten Herren, jede Woche gibt es ein Trainingsspiel. Auch in der Schule konnte er sich schon für Sport begeistern, später war dann auch Reiten angesagt.

Eine Rede von Alfred Fritsch vom TV/DJK bei der Sportlerehrung war für ihn der Anstoß, sich nochmals der Herausforderung der Prüfungen zu stellen. "Vielleicht kann ich mit meinem Beispiel auch ein paar junge Burschen inspirieren, sich mehr vorzunehmen", hofft Kühnlein.

16 Bahnen im Hallenbad

Sein Ziel, das Abzeichen in Gold, ist in greifbarer Nähe, als einzige Disziplin stehen noch die 400 Meter im Schwimmen aus. Nach 16 Bahnen im Hallenbad ist auch das geschafft, die Zeit passt, nun kann er sich auf seine Auszeichnung freuen. Vermutlich ist es auch nicht das letzte Mal, dass der Hammelburger seine Sportlichkeit unter Beweis stellt. "Mit 65 werde ich eventuell wieder dabei sein", meint er.

Ebenfalls ihr zweites Abzeichen legt an diesem Tag Natali Novikova ab. 27,6 Sekunden braucht sie beim Schwimmen für die 25 Meter, das bedeutet auch für sie Gold. Der Prüfer gratuliert, Natali freut sich. 2011 hat sie sich zum ersten Mal den Prüfungen gestellt. "Ich möchte wissen, wie sich meine Leistungen entwickelt haben", erklärt die 14-Jährige. Sie ist sehr sportlich, betreibt Kickboxen und läuft bei den Tausendfüßlern in Hammelburg mit.

Wieso gibt es in ihrem Alter nicht so viele Interessenten für das Sportabzeichen? "Ich habe auch Freunde gefragt, ob sie mitmachen wollen, aber sie hatten keine Lust. Sie interessieren sich schon für Sport, aber nicht für das Abzeichen", erklärt Natali Novikova.

100-jähriges Jubiläum

Anlass für den Aktionstag war das 100-jährige Jubiläum des Sportabzeichens. Auf immerhin 36 Jahre hiervon kann Alfred Fritsch als Prüfer für das Abzeichen zurückblicken. "Die Zahl der Teilnehmer ist leider rückläufig", bedauert Fritsch. Auch hat er festgestellt, dass die Leistungen vieler junger Männer schwächer werden und wünscht sich eine Trendwende. "Alle Athleten, zum Beispiel auch Fußballer, sollten das Sportabzeichen erwerben", meint er.

Sein Engagement als Prüfer erklärt Fritsch mit seiner Begeisterung für den Sport. Er selbst war auch stets mit Leidenschaft bei der Sache und auch mit Erfolg, zum Beispiel als unterfränkischer Meister im Sechskampf der Turner. Der sportliche Nachwuchs lag ihm ebenso am Herzen. Als Abteilungsleiter initiierte er die Kinderturnfeste.

Warum geht das Interesse der Mädchen und Jungen am Sportabzeichen zurück? "Mit Multimedia ist die Trendwende gekommen. Viele Kinder sitzen nun lieber mit ihren Geräten in der Ecke rum", weiß Fritsch. Doch für den Prüfer kein Grund zu verzagen. Er will weiter die Werbetrommel für die Fitness rühren. Ab und zu gibt es ja auch besondere Erfolgserlebnisse. So ist es ihm jetzt gelungen, neun Fußballer aus Obererthal für das Abzeichen zu begeistern.