Als die Saison 1990/91 in der B-Klasse Gruppe 4 Bad Kissingen beendet war, feierte der SV Machtilshausen die Meisterschaft und den Aufstieg in die A-Klasse Rhön, die der heutigen Kreisliga Rhön entspricht. Nicht ganz unerwartet, weil die SVler zwei Jahre zuvor schon einmal mit einem Bein in der A-Klasse standen, den Aufstieg nach einer unglücklichen 2:3-Niederlage gegen den TSV Heidenfeld auf dem neutralen Geläuf in Niederwerrn aber verpasst hatten. "Das hat uns natürlich gewaltig gewurmt. Wir haben uns nach dem Abpfiff gleich geschworen, dass das nicht unser letztes Wort sein sollte", erinnert sich Harald Lischer. Am Ende hatten die SV-Kicker nach 26 Spielen 42:10 Punkte auf ihrem Konto und damit fünf Zähler Vorsprung auf die punktgleichen FC Westheim und der SpVgg Wartmannsroth.

Lischer, einer der Stammkräfte in der Elf von Coach Peter Echtner, sah die Basis für den Erfolg in der guten Jugendarbeit, für die sich jahrelang Johann "Hannes" Schneider verantwortlich zeigte, der den Fußballern der Region als Schiedsrichter bekannt ist. "Die meisten Spieler hatten schon in der Jugend zusammengespielt, es war ein verschworener Haufen. In der Meisterschaftssaison war der Großteil der Akteure mit 25 Jahren im besten Fußballeralter", rekapituliert der damalige Abteilungsleiter Karl Zier, der Peter Echtner als Trainer verpflichtete, was sich als Glücksgriff erweisen sollte. Davor hatte Echtner erfolgreich unter anderem beim Post-SV Bad Kissingen gekickt. "Der Peter hat charakterlich prima zu uns gepasst. Wir haben auf ihn gehört, weil er fachlich klasse war und erkannte, was er beim Einzelnen noch herauskitzeln konnte", so Lischer über den vor zwei Jahren verstorbenen Ex-Coach.

Der Oldie hält den Laden zusammen

Wenig herauskitzeln musste der Trainer bei seinem Libero Walter Schmitt. "Der hat mit seinen 36 Jahren hinten den Laden zusammengehalten und war Garant dafür, dass das Team in 26 Spielen nur 21 Gegentreffer kassierte", so Zier. Außerdem glänzte dessen Bruder Armin Schmitt als für seine Flugeinlagen bekannter Torhüter. Waffen im Angriff waren Torjäger Hilmar Kleinhenz sowie sein kongenialer Partner Peter Simon. "Die haben prächtig harmoniert", so der nicht minder treffsichere Lischer. Kleinhenz und Simon trafen auch beim letzten Match der Runde, gegen Viktoria Untererthal wurde vor großer Kulisse mit 2:1 gewonnen.

Knipsten Kleinhenz und Simon einmal nicht, so standen mit Mittelfeldakteur Arno Remling und Vorstopper Paul Wiesler zwei Akteure parat, die auch aus größerer Entfernung Tore erzielten. Mit einer Ausnahme bestand das Machtilshäuser Team aus Ortsansässigen. Dabei handelte es sich um den damals 19-jährigen Camillo Floth. "Das war ein Arbeitskollege von mir. Ein technisch guter Fußballer mit Torinstinkt, der menschlich gut zu uns passte und halt auch einmal aufsteigen wollte", erzählt Lischer. Floth brachte sich ins Team ebenso vortrefflich ein, wie auch bei seinen späteren Stationen in Nüdlingen, Hausen, Burghausen und Reichenbach, wo er nicht nur als Goalgetter, sondern auch als Spielertrainer fungierte.

"Schon am Freitagabend war unser Sportheim rappelvoll, da hat unser Mannschaftskassier Stefan Wolf viele Spenden entgegennehmen können, was uns sogar ein Trainingslager ermöglichte", erklärt Walter Schmitt im Rückblick. Der A-Klasse gehörten Schmitt & Co. vier Jahre an. "Da gab es unvergessliche Erlebnisse. Ich weiß noch, wie wir mit 100 Fans zum Spiel nach Fladungen gefahren sind", so der Libero, der nach dem Abstieg in die B-Klasse seine Stiefel an den Nagel hängte, damit nicht der einzige war aus dem glorreichen Machtilshäuser Kader; Arno Remling zog zum Beispiel aus Machtilshausen weg. "Der Nachwuchs brachte die Qualität für die A-Klasse dann nicht mehr auf", so Zier. Dieser, wie auch seine früheren Mitstreiter, sehen den Klub allerdings wieder vor einer sportlich vielversprechenden Zukunft. "Wir verfügen derzeit über eine spielstarke Mannschaft, die das Zeug zum Aufstieg und mit Trainer Stefan Pohl einen tollen Trainer hat."