Glück, Lachen und positive Energie - aber bitte mit Tiefgang! So könnte man Sissi Perlingers kabarettistische Performance im Bad Kissinger Regentenbau zusammenfassen. Die Ikone der deutschen Kleinkunstbühne begeisterte die knapp 500 Gäste im Max-Littmann-Saal mit satirischem Klamauk, komödiantischen Qualitäten, musikalischen Einlagen und gymnastischen Kostproben. Das Finale brachte Standing-Ovations - und eine Künstlerin, die diese gerührt und dankbar entgegennahm: "Ihr seid Theatergänger und ihr haltet diese Kunst in schwierigen Zeiten am Leben."

Im Halbdunkel und im bekannten Leoparden-Look mit kräftigem Pushup-Dekolleté sowie Wuschelfrisur betrat Sissi Perlinger die Bühne, positionierte sich, und im aufflammenden Scheinwerferlicht mutierte sie zu einem Energiebündel. "Stimmungskanonen nach vorne", so lautete ihre mit Strahlkraft vorgetragene Aufforderung, um leicht resigniert festzustellen: "Die gibt's hier nicht."

Natürlich konnte sie Abhilfe schaffen, und zwar mit einem schamanischen Ritual: "Gemeinsam schreien wir unsere Sorgen und Ängste weg", lautete ihre Aufforderung, und nach dreimalig lautem "Buh" war der Saal gereinigt. Nicht nur hierbei folgte das Publikum bereitwillig den Anweisungen der Künstlerin, sondern auch beim probeweisen Klatschen und Toben sandte es positive Energie auf die Bühne, "die ich wie einen Parabolspiegel an euch zurückgebe".

Und diese Energie besteht vor allem aus Lachen und Glück, denn dies sind die Grundpfeiler für ein gestärktes Immunsystem und ein 20 Jahre längeres Leben. Zum Beweis ihrer ansteckenden These erklang das Ur-Lachen eines Schimpansen, das sie in Liedform präsentierte und das in euphorisierten "Freestyle" überging.

Neben humoristischem Klamauk gibt es die Perlinger aber auch mit provokantem Tiefgang. So suchen ihrer Meinung nach die Herren der Schöpfung beim Heiraten keine Frau, "sondern Personal" - nicht umsonst gebe es die Hochzeitskleider in der Farbe vieler Haushaltsmaschinen. Von da zur Verantwortung für Kinder war es ein kurzer rhetorischer Schritt, der ihre Einstellung zur Beratungsqualität im Falle einer Abtreibung verdeutlichte. "Das wird schon!" sei oft der Ratschlag, der Alleinerziehende in die Armut, in die soziale Ausgrenzung und zum Burnout führe.

Nicht weniger kritisch sieht sie die Smartphone-Nutzung der Jugend von heute, die dank dieses digitalen Helfers den Weg des aufrechten Ganges wieder verlasse und degenerativ, hochneurotisch und kaufgeschädigt durchs Leben schleiche. Unserer Bildungssystem sei ein Verblödungssystem, so ihr Vorwurf, wenn aus kreativen Vierjährigen Arbeitsprimaten entstehen, die den wenigen Superreichen in die Tasche arbeiten.

Unzufriedenheit als Grundeinstellung sei das Ziel des patriarchalisch geprägten Turbo-Kapitalismus, denn daraus ergeben sich laut Sissi Perlinger die Ersatz-Motivationen: Kaufen und Wettkampf. Doch Perlinger wäre nicht Perlinger, wenn sie nicht eine Antwort aus dem Tierreich darauf hätte: "Machen wir es wie bei den Bonobos: Dort gibt es das Matriarchat, das heißt man lebt vegetarisch, man hat keine Konflikte und wenn es mal Stress gibt, dann reibt man die Genitalien aneinander."

Alternativ empfiehlt sie die "Schüttelfresse" gegen Stress. Absolut komisch war das passende Lied, wozu sie Stuhl, Sessel, Tisch und Brustkorb als Schlaginstrument nutzte.

Ihr Liebe zur Verkleidung lebte die Künstlerin, die seit fast 40 Jahren auf der Bühne steht, mit Resl aus dem Bayrischen aus, die über die falsche Ernährung mit Cola und Hamburger kalauern und Vegetarier als "indianisches Wort für schlechte Jäger" definieren durfte, und Marlene als Berliner Schnauze, die über die AFD als "über das Internet verbundene ehemalige Dorftrottel" lästerte oder über Haschplätzchen zum "Aufbrechen von faschistoiden Gedanken" nachdachte.

Dabei rutschte sie aber auch in ein Katastrophen-Szenario. Mit Manipulation durch Superreiche und Durchleuchtung unseres Einkaufverhaltens. Natürlich versteht sie sich auch auf das allgemeine Politiker-Bashing, denen sie den schönen Satz entgegenhielt: "Nicht das Erzählte reicht, sondern das Erreichte zählt." Auch hier half ein Lied, das mit toller Melodie und skurrilem Text einen ganzen Dschungel auf die Bühne holte und das Publikum wieder zurück in die versprochene Lach- und Glückatmosphäre führte.

Ihre Liebe zur fabulösen Tierwelt kam auch in der makabren Geschichte von den "Überlebenden eines Glyphosatangriffs" zum Vorschein, als Grille, Schmeißfliege und Mistkäfer über Streik und Migration diskutieren und Sissi Perlinger damit den Bogen zum Menschsein spannte: "In 3,8 Milliarden Jahren haben wir uns von der Amöbe zum Spitzenprodukt der Evolution entwickelt. Seid wachsam!"