"Ist etwas passiert?", fragten erschrockene Bankkunden, als sie am Weltspartag in den Foyers der Bad Brückenauer Geldinstitute Polizisten in Uniform erblickten. "Glücklicherweise heute noch nicht", lautete regelmäßig die Antwort der Ordnungshüter. Und damit der Bürger auch in Zukunft von kriminellen Machenschaften der Gauner verschont bleibt, fand erstmals zeitgleich in der Sparkasse, der Bank Schilling und der VR-Bank eine mehrstündige Präventionsveranstaltung statt.

"Schützen Sie sich und Ihr Vermögen vor Dieben und Betrügern!", lautete das Motto des Vormittags, an dem Beamten der Polizeiinspektion den interessierten Besuchern Rede und Antwort standen. Als Experte war außerdem Roland Schmied von der Beratungsstelle der Kriminalpolizei Schweinfurt nach Bad Brückenau gekommen.

Der Oberkommissar hielt nicht nur eine Fülle von aktuellem Informationsmaterial bereit, sondern hatte auch einige Schautafeln mitgebracht, an denen er sehr eindrucksvoll demonstrierte, wie die Kriminellen im Einzelfall vorgehen. Viele Menschen, so Schmied mit Blick auf die breite Palette der Betrügereien, seien heute leider immer noch der Meinung, "dass mir doch so etwas nicht passieren kann".

Diese Einstellung erweise sich als sehr gefährlich. Denn die Ganoven würden sich immer neue Maschen einfallen lassen, um den unbedarften Bürger übers Ohr zu hauen oder schlimmstenfalls sogar gleich am Geldautomaten zu berauben.

Etliche Bankkunden würden darüber hinaus eine Sorglosigkeit an den Tag legen, "die Diebe geradezu einlädt, ihr Vorhaben ohne großen Aufwand in die Tat umzusetzen", hatte beispielsweise Silke Kleinhenz von der Bad Brückenauer Polizei selbst am Aktionstag beobachtet: "Die Leute ziehen ihr Geld aus dem Automaten, nehmen das Bündel lose in die Hand und zählen oft erst auf der Straße in aller Öffentlichkeit die Scheine nach." Das sei für Kriminelle geradezu eine Einladung.

Eine andere Schwachstelle, auf die er auch die jeweiligen Bankmitarbeiter sofort gezielt aufmerksam machte, hatte Inspektionsleiter Herbert Markert entdeckt. "Die Papierkörbe an den Bankautomaten sind wahre Fundgruben", meinte der Polizeichef. Zum Beweis griff er ganz willkürlich in die Behältnisse.

Was da zum Vorschein kam, erschreckte alle Beteiligten. Arglos weggeworfene Kontoauszüge, Durchschläge von Überweisungsträgern und allerlei andere sensible Papiere hielt Markert plötzlich demonstrativ in der Hand. Klarnamen und Kontonummern stachen auf den Formularen förmlich ins Auge. "So darf man nicht mit seinen persönlichen Daten umgehen", lautete der dringende Appell der Organisatoren des Aktionstages an die Bevölkerung.

Bei einer Abschlussrunde werteten alle Beteiligten diese erste gemeinsame Präventionsveranstaltung als großen Erfolg. Eine Wiederholung sei bereits ins Auge gefasst, verlautete aus Bankenkreisen. Als idealen Zeitpunkt brachten die Verantwortlichen den Beginn der Ferienzeit im kommenden Jahr ins Gespräch, denn auch im Ausland würden natürlich Gefahren beim Geldabheben und im Zahlungsverkehr lauern.

Positiv gewertet wurde unter anderem die Tatsache, dass man am Weltspartag nicht nur die Kunden aufgeklärt habe, sondern auch die Mitarbeiter der Geldinstitute einige für sie neue Erkenntnisse gewonnen hätten. Bei dieser Gelegenheit legte Markert noch einige interessante Zahlen auf den Tisch. Im Bereich der Polizeiinspektion Bad Brückenau hat es im vergangenen Jahr 145 Diebstähle gegeben, dazu kamen 13 versuchte oder vollendete Wohnungseinbrüche.

Einen Schaden von rund 30 000 Euro verursachten sogenannte Internetdelikte von außen. Dabei handelte es sich um Gewinnspiele, den Enkeltrick oder Waren- und Leistungsbetrug. 14 Fälle standen direkt mit dem Tatort Bank oder Sparkasse in Verbindung: fünfmal Computerbetrug unterschiedlicher Art, viermal Überweisungsbetrug, einmal Raub, zweimal Diebstahl und jeweils einmal Urkundefälschung sowie Nötigung.