Die Ahnenforschung hat Ingrid Brust schon immer interessiert. Mit Hilfe von Herbert Nass, der für sie im Staatsarchiv recherchierte, stieß sie auf einen Thomas Brust in Obererthal, der bis 1778 lebte. "Was er von Beruf war, ist leider nicht bekannt", bedauert die 69-Jährige. Doch bei seinem Urenkel Lorenz Brust, der 1813 das Licht der Welt erblickte, fand sich der Zusatz "Bauer und Wirth". Sein Geburtstag war jetzt der Anlass für das 200-jährige Jubiläum des
Gasthauses.

Den Gerstensaft lieferte lange Zeit die Hammelburger Brauerei Salch. "Das war so ab 1904 oder 1905. Die Fässer wurden mit einem Wagen transportiert, der von Pferden gezogen wurde", weiß Ingrid Brust. Gekühlt wurde der Gerstensaft mit großen Eisblöcken, welche die Brauerei ebenfalls mitbrachte.

Auch die Gemeinde verdiente seinerzeit am Durst der Menschen. Ingrid Brust hat eine Auflistung aus dem Jahre 1929 über die Menge des ausgeschenkten Bieres. "Darauf musste damals eine Steuer gezahlt werden", fand sie heraus. Eine Schankstube, wie sie heute üblich ist, gab es lange nicht. "In einer Ecke standen einfach ein Fass und die Gläser", erklärt die Obererthalerin. Zum Teil holten sich die Leute aus dem Dorf das Bier auch im Krug nach Hause. In ein Lokal zu gehen, konnten sich früher nicht viele leisten.

Zahlreiche Gäste bescherte aber die Kirchweih den Gastronomen, da kamen die Besucher auch von außerhalb. "Von meinem Schwiegervater weiß ich, dass die Honoratioren aus Hammelburg abends mit der Kutsche nach Hause gefahren wurden, wenn sie nicht mehr laufen wollten", berichtete Ingrid Brust.

Schnaps aus eigener Brennerei

Eine beliebte Spezialität war das Geflügel aus eigener Aufzucht: Gänse, Enten, Hähnchen und Tauben wurden schmackhaft zubereitet. Die Hähnchen gibt es heute noch und genießen einen fast legendären Ruf. Auch Schnaps aus der eigenen Brennerei bietet die Familie Brust schon seit Urgroßvaters Zeiten an. "Das Brennrecht ist mit der Landwirtschaft verbunden", weiß Manfred Brust (43).

Die Landwirtschaft bescherte Rudolf Brust, der heute 74 Lenze zählt, aber auch einen "Drei-Schicht-Tag". Tagsüber arbeitete er als Kfz-Mechaniker, nach Feierabend war er Bauer und abends Gastronom. "An manchen Tagen hat er 18 bis 20 Stunden gearbeitet", erzählt Gattin Ingrid. Die beiden lernten sich 1961 kennen und heirateten zwei Jahre später.

Immer wieder hat die Familie in Baumaßnahmen investiert. 1952 erhielt das Lokal eine Theke und einen Gastraum. "Nun sah es so aus, wie man sich eine Gaststätte vorstellt", erzählt Manfred Brust. 1974 wurden alle Gebäude von Grund auf erneuert. 1990 kam dann das Gästehaus mit 20 Betten auf der gegenüberliegenden Straßenseite hinzu. "Die Nachfrage war einfach da. Neben Durchreisenden von der Autobahn kamen zunehmend Urlauber", erklärt Manfred Brust.

Auch eine neue Kegelbahn bauten die Brusts 1990, der Freizeitsport stand hoch im Kurs. Zudem hat das Kegeln im "Stern" eine lange Tradition. Es gab eine Freiluftbahn, bei der schon Rudolf Brust als Jugendlicher die Kegel aufstellte. 1996 entstand dann noch ein großer Festsaal mit 150 Sitzplätzen, wo sich früher der Stall befand. "Es wurde immer größer gefeiert", erinnert sich Brust.

Viel los war in den vergangenen Jahrzehnten stets auch bei Tanzveranstaltungen. "Früher sind viele Soldaten am Wochenende nicht nach Hause gefahren, sondern zu uns gekommen", erzählt der Gastronom. Die Freizeitkultur junger Menschen wandelte sich mit Beginn der 70er Jahre. Es gingen auch immer mehr junge Frauen aus. Das war in der Jugend von Ingrid Brust kaum denkbar. "Ich hätte mich als Mädchen nicht ohne Begleitung in eine Gaststätte getraut", sagt sie.

Eltern helfen nach Kräften

Ihr Sohn Manfred, gelernter Koch mit Meistertitel, übernahm 1999 mit seiner Frau Marita den Betrieb. Sie hatte zuvor schon im Hotelfach gearbeitet und passte daher ausgezeichnet in den Familienbetrieb. Rudolf und Ingrid Brust helfen aber nach wie vor nach Kräften.

"Mein Vater als alter Handwerker hat immer was zu tun. Und meine Mutter hilft in der Küche, kümmert sich um die Grünanlagen und um vieles mehr", freut sich Manfred Brust über die Unterstützung.

Die Landwirtschaft spielt in dem Familienbetrieb seit den 90ern keine Rolle mehr, dafür haben die Brusts seit zehn Jahren einen Weinberg. Auf einem Viertelhektar gedeihen Domina- und Silvaner-Trauben. "Damit können wir einen eigenen Hausschoppen anbieten", freut sich Ingrid Brust. Gekeltert wird der Rebensaft beim Weingut Schäfer in Untererthal.

Als Arbeitgeber ist der Gasthof ebenfalls nicht zu unterschätzen. 25 Teilzeitkräfte haben hier einen Job. Auch Tochter Lisa (15) und Sohn Julian (11) packen ab und zu schon mit an. Ob sie die Familientradition eines Tages fortsetzen, steht freilich noch in den Sternen.