"Wenn die Worschd so digg wies Brood is, is worschd, wie digg es Brood is" Ach wie melodisch, knapp und einfühlsam und liebevoll ist doch unsere fränkische Sprache. Fast schon banal klingt dieser Satz, wenn man ihn hochdeutsch ausspricht: "Wenn die Wurst so dick wie das Brot ist, ist es egal, wie dick das Brot ist." Wer den "Franggen", seine Sprache, Musik, Kultur und Brauchtum näher kennenlernen möchte, der ist beim Fränkischen Heimatabend bestens aufgehoben.

So auch beim jetzigen Heimatabend. Rund zehn Mal im Jahr wird die Bühne des ehrwürdigen Rossini-Saales, benannt nach dem berühmten Kissinger Kurgast Gioachino Rossini, zur Plattform fränkischen Brauchtums. Alle Mitwirkenden sitzen in ihren farbenfrohen Trachten im Halbkreis auf der Bühne. Musik, Gesang, Tanz und Mundart wechseln sich ab. Bei jeder Veranstaltung dürfen andere Akteure nach vorne ins Rampenlicht treten.


Laienkünstler der Region

In der Regel kommen die Laienkünstler aus der Region. Dabei ist es erstaunlich, dass in fast jedem Ort ein anderer Dialekt gesprochen oder eine andere Tracht getragen wird. Man erfährt, dass unter den Röcken der Frauen die "Rhönbomber" getragen werden - gemeint sind lange Rüschchenunterhosen - oder dass man an der Jacke des Mannes sehen kann, ob er ledig oder schon verheiratet ist. Unterschiede in den Trachten ergeben sich auch daraus, ob die Gemeinde katholisch oder evangelisch ist, der Träger am Main oder in der Rhön wohnt.
Die Optik der Trachtenbekleidung von Mann und Frau in Franken variiert in allen möglichen Abwandlungen. Einheitsbrei gibt es nicht. Gerade das macht den Fränkischen Heimatabend so interessant, nicht nur für Gäste der Stadt, sondern auch für Ortsansässige. Man erfährt als Einheimischer viel über seine Wurzeln und auch, wie es zustande kommt, dass unsere Region so lebenswert ist. Die Vielfalt macht es aus.
Altes bewahren, Neues erfahren ist immer die Devise des Fränkischen Heimatabends.
Nicht aus der Rhön, sondern aus Vasbühl, einem Ortsteil von Werneck, kamen die Mitwirkenden des Abends. Neben fränkischer Musik blickte man auch auf andere Regionen. So stand bei den Schrolla Musikanten richtige fränkische Volksmusik mit Marsch, Walzer oder Polka auf den Notenblättern. In einer Besetzung von acht Musikern, mit Trompete, Bass, Tenorhorn, Bariton, Es-Klarinette und B-Klarinette eine ideale Blaskapelle für Blasmusik aus Franken. "Ei Mädchen vom Lande, wie bist du schön." Als die Vasbühler Sängerinnen dieses Lied anstimmten warfen sie die einen sehnsüchtigen Blick in die Herzen unserer Großmütter und -Väter.


Tanz und Stubenmusik

Mit dem "Stampfer", einem wunderbaren Figurentanz oder einer "Mazurka" zeigten die Maßbacher Volkstänzer, was man in Franken bei der Kirchweih oder beim "Plan" tanzte. Feinste Stubenmusik präsentierte die Saitenmusik Hans Rhau (Zither) und Klaus Rottmann (Gitarre), während die Vasbühler Krammetsvögel Lieder interpretierten, die vom hintersinnigen Humor fränkischer Textdichter zeugten. Das Damen-Trio hat sich nach dem Flurstück "Krammetsvögel"in ihrer Heimatgemeinde benannt.
Für die Mundart war Anton Böhm zuständig, der ebenfalls aus Vasbühl kam. Mit einigen schelmischen Gedichten zeigte er, dass hinter dem spröden "Franggen", oft ein schelmisches Schlitzohr steckt. Wenn man den riesigen Applaus des Publikums richtig deutete, waren alle begeistert von den Darbietungen der Künstler.