Dass es auch in diesem Jahr pandemiebedingt kein normales Rakoczy-Festwochenende geben wird, hatte die Stadt bereits vor Wochen klar gemacht. Das machten die Verantwortlichen von Stadt und Staatsbad am Dienstag auf einem Pressegespräch noch einmal deutlich. "Dichtgedrängte Menschenmassen gibt es bei der UEFA, nicht aber in Deutschlands Gesundheitsstandort Nummer 1", betonte Thomas Lutz, der von städtischer Seiten das Rakoczy-Fest organisiert.

Programmpunkte, die größere Besuchermengen anziehen, fallen aus. 2021 wird also ohne das nächtliche Lichterspektakel "Saale brennt", ohne den Festball, ohne den historischen Festzug und ohne das Abschlussfeuerwerk stattfinden.

Auch in der Innenstadt wird es an dem Wochenende von Freitag, 23. Juli, bis Sonntag, 25. Juli, keine vollgedrängten Gassen und Livemusik auf Bühnen geben. Aber es gibt Ersatz: Für den Party-Gute-Laune Charakter des Festes wird es zwei Rockkonzerte im Innenhof des Luitpoldbades geben - abgesperrt, mit Karten(vor)verkauf, Einlasskontrolle sowie fest zugewiesenen Sitzplätzen. Für den Freitagabend ab 20 Uhr kündigt Lutz die Oldieband "The Jets" an, am Sonntagabend sind ab 20 Uhr "Kojak" an der Reihe, die ein jüngeres Publikum ansprechen. Mit 500 Besuchern pro Konzert wird aktuell geplant, wobei sowohl rechtlich, als auch vom Platz her noch Luft nach oben ist. Bei Bedarf könnte die Platzzahl moderat angehoben werden. Lutz: "Wir wollen es nicht überfrachten. Wir sind da vorsichtig."

Erweiterte Außengastronomie

Das Hygiene- und Schutzkonzept ist mit Gesundheitsamt, Polizei und Rettungskräften abgestimmt und außerdem im Kissinger Sommer und anderen Kulturveranstaltungen als effektiv etabliert. "Die nächste Welle wird nicht in Bad Kissingen losgetreten", ist sich Lutz sicher. Große Bühnen wird es in der Innenstadt zwar keine geben, das bedeute aber nicht, dass dort nichts los ist. Wie der Organisator berichtet, wurden Vereine, Einzelhändler und Gastronomen abgefragt, wie sie sich dieses Jahr beteiligen wollen beziehungsweise können. Die Rückmeldungen gerade von der Gastronomie stimmen Lutz positiv. "Alle haben offen, alle machen mit", sagt er. Das Ordnungsamt werde großzügig mit Genehmigungen für die Außenbestuhlung umgehen, jeder Wirt solle sein Angebot erweitern können - soweit er es personell stemmen kann. Dass die Branche aufgrund der langen Corona-Schließungen Mitarbeiter verloren hat, schränke die Möglichkeiten etwas ein.

Innenstadt: Live-Musik, aber keine Bühne

Musiker dürfen aber grundsätzlich als Begleitung zur erweiterten Gastronomie in der Innenstadt auftreten - und sollen es auch tun. "Begleitende musikalische Geschichten haben die Gastronomen bereits angekündigt", fasst Lutz den Sachstand zusammen. Vereine sind nicht mit Imbiss- und Getränkeständen vertreten. Unter den gegenwärtigen Umständen ist für sie der Aufwand für den Aufbau und den Betrieb zu groß, bei geringeren Einnahmen. "Aber alle freuen sich aufs nächste Jahr", sagt der Organisator.

Ähnlich wie im vergangenen Jahr werden die Historische Persönlichkeiten rund um Fürst Ferenc Rákóczi (Timo Baier) und die Quellenkönigin am Samstag und Sonntag durch die Stadt und die Kuranlagen flanieren. "Wir möchten, dass das letzte Wochenende im Juli wieder ganz im Zeichen von Fürst Rákóczi und den historischen Kurgästen steht", sagt Kurdirektorin Sylvie Thormann. Die Historischen werden ab Samstagnachmittag bei den Konzerten der Staatsbad Philharmonie zu sehen sein, bei Gioacchino Rossinis (Burkhard Ascherl) Orgelkonzert in der Stadtpfarrkirche und bei der traditionellen Autogrammstunde am Sonntagnachmittag im Kurgarten.

Nachdem die Autogrammstunde 2020 aus Corona-Schutzgründen in die Wandelhalle verlegt und dort kaum angenommen wurde, soll sie diesmal wieder im Freien stattfinden. Ein Angebot, das sich im ersten Corona-Jahr bewährt hat, sind die Gästeführungen mit den Historischen Max Littmann (Erwin Full), Balthasar Neumann (Otmar Lutz) und Georg Anton Boxberger (Erwin Back) durch die Kuranlagen- und bauten. Dazwischen werden sie in der Innenstadt, den Gärten und im Park spazieren. "Wer durch unsere Anlagen flaniert, wird immer wieder auf einen Historischen treffen", sagt die Kurdirektorin. Unterstützung gibt es vom Reitverein. Dessen traditionelle Reitvorführung findet zwar nicht statt, dennoch werden Reiter zu Pferd im Luitpoldpark unterwegs sein.

Übernachtungszahlen steigen wieder

Die staatliche Spielbank will sich als Anlaufpunkt präsentieren, erklärt Direktorin Marina Klein. Livemusik ist ab Samstagnachmittag sowie ab Sonntagmittag geplant. Ergänzen sollen das am Samstag Auftritte von Stelzenläufern sowie eine Feuershow. Für Sonntagnachmittag ist zudem ein coronakonformes Familienprogramm unter dem Motto "Nikoläuse treffen Osterhasen" vorgesehen.

Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) hofft auf ein schönes Festwochenende. Ein klassisches Rakoczy-Fest könne zwar nicht stattfinden, aber "es ist eine würdevolle Hommage an das große Stadtfest". Es werde ruhiger und beschaulicher ausfallen, und trotzdem ein schönes Flair bieten. Das Programm unter dem Motto "Historische Begegnungen am Rakoczy-Wochenende" richte sich nicht an ein überregionales Publikum, sondern an die Menschen aus Bad Kissingen und der Umgebung. Eine gestopft volle Innenstadt ist nicht gewollt - belebt soll sie aber sein. "Ich glaube, dass Gäste in die Stadt kommen und durch die Gassen ziehen. So soll es sein", meint der Rathauschef.

Für Bad Kissingen als Gesundheits- und Tourismus-Standort ist es wichtig, dass nach dem Lockdown den Gästen "frühzeitig und routiniert" Veranstaltungen geboten werden. "Im Juli haben die Übernachtungszahlen wieder angezogen. Es hat sich honoriert, dass wir als Standort früh sagen konnten, hier ist etwas los", sagt Vogel.